Die Schlacht der Giganten

Von den mehr als 600 000 Soldaten der napoleonischen Grande Armée, die im Juli 1812 die Grenzen Russlands überschritten, nur 60 000 kehrten lebend aus Russland zurück. Foto: RIA Novosti

Von den mehr als 600 000 Soldaten der napoleonischen Grande Armée, die im Juli 1812 die Grenzen Russlands überschritten, nur 60 000 kehrten lebend aus Russland zurück. Foto: RIA Novosti

In diesem Jahr wird das 200-jährige Jubiläum des Vaterländischen Krieges 1812 besonders feierlich begangen, trug dieser Markstein der Geschichte doch nicht unwesentlich dazu bei, dass Russland zu einer Weltmacht wurde.

Der Verteidigungskrieg Russlands gegen die Invasion Napoleon Bonapartes gilt zu Recht als Markstein der Weltgeschichte. Bis zum 1. Weltkrieg sollte Napoleons Russlandfeldzug und der nachfolgende Krieg bis 1814 die größte militärische Konfrontation in der Menschheitsgeschichte bleiben.

Auf den Schlachtfeldern des Vaterländischen Krieges entschieden sich die Geschicke vieler Länder und Völker. Russland bildete für Napoleon das letzte Hindernis auf seinem Weg zur Herrschaft über Europa und die ganze Welt. Wäre Russland gefallen und ein Satellit Frankreichs geworden, hätte der Imperator England nicht mehr zu fürchten brauchen und die weitere Expansion nach Mittelasien zielstrebig vorantreiben können.

Der außerordentliche historische Stellenwert des Vaterländischen Krieges 1812 gab den Vorbereitungen auf das 200-jährige Jubiläum dieses Großereignisses von vornherein ein besonderes Gepräge. Zumal das Centennium stets eine besonders seltene Attraktivität besitzt.

Sowohl für die Staatsführung als auch die Gesellschaft hat darüber

Von den mehr als 600 000 Soldaten der napoleonischen Grande Armée, die im Juli 1812 die Grenzen Russlands überschritten, fanden die meisten den Tod. Nur 60 000 kehrten lebend aus Russland zurück.

hinaus das Datum eine besondere Bedeutung, weil die internationale, ökonomische und politische Schwächung Russlands nach dem Zerfall der Sowjetunion durch das Erinnern der historischen Geschehnisse, bei denen das Land eine Schlüsselrolle im Weltgeschehen spielte, kompensiert wird. Politischer Konservatismus, Traditionalismus sowie das Bestreben, das Erreichte zu verteidigen, sind Werte, auf die man sich heute in Russland nur zu gerne beruft. In diesem Sinne liefert der 200. Jahrestag des Vaterländischen Krieges einen höchst willkommenen Anlass, die innen- und außenpolitischen Prioritäten ein weiteres Mal öffentlichkeitswirksam herauszustellen.

Das Jahr 1812 wurde zu einem weltweiten Triumpf für Russland, denn es stellte sich der Ausbreitung jener neuen, revolutionären Ideen, die die napoleonische Grande Armée durch ganz Europa trug, fest und erfolgreich in den Weg. Es lag am Bollwerk Russland, an dem sich die kaiserlich-französische Armee aufrieb. Es war Russland, das die bestehende Weltordnung stützte und schützte.

Es liegt auf der Hand, dass die globale Rolle, die Russland in der Gegenwart spielt oder gern spielen würde, durch die aktuelle Krise der internationalen Institutionen und die weltweite Instabilität hochgradig gefährdet ist. In diesem Kontext erlangt die Beschwörung der ruhmreichen Vergangenheit des Landes besonderes Gewicht.

Bereits 2009 betraute Dmitri Medwedjew eine Kommission mit der

Für den Sieg über Napoleon musste Russland einen hohen Blutzoll zahlen. Mehr als 100 000 russische Soldaten fielen in den Gefechten. 

Vorbereitung des 200. Jahrestages des russischen Sieges im Vaterländischen Krieg 1812. Diesem von ihm persönlich geleiteten Gremium gehören Regierungsmitglieder, Gouverneure, die Chefs der zentralen Massenmedien, Wissenschaftler sowie Künstler und Kulturschaffende an. 2010 wurde ein Gesellschaftlicher Rat führender Repräsentanten des öffentlichen Lebens geschaffen, der die staatlichen Behörden bei der Organisation der Jubiläumsfeierlichkeiten unterstützt. Der Staat stellt in verschiedenen Teilhaushalten insgesamt mehr als 100 Millionen Dollar für verschiedene Festlichkeiten innerhalb des Jahrestags des Vaterländischen Krieges bereit.

Die festlichen Höhepunkte werden sich über das ganze Jahr verteilen. Der absolute Höhepunkt, die zentrale Veranstaltung des Jubiläums findet natürlich auf dem Schlachtfeld von Borodino statt, wo sich vor 200 Jahren russische und französische Truppen die blutigste aller Schlachten lieferten. Die Bataille endete unentschieden, beide Seiten verloren über 80 000 Mann, ohne dass eine der Armeen den entscheidenden Sieg erringen konnte.

Anfang September 2012 werden mehr als 3 000 Statisten in originalgetreuen russischen und französischen Uniformen jener Zeit das 

Schlachtgeschehen nachstellen. Zu dieser historischen Rekonstruktion erwarten die Veranstalter bis zu 300 000 Zuschauer. Ebenfalls in Borodino soll der Reisepalast der Zarin Katharina II. wiedererstehen und die neugestaltete Ausstellung des Borodino-Museums aufnehmen. Neben dem bereits existierenden Moskauer Panoramamuseum der Schlacht von Borodino mit seinem 115 Meter langen Monumentalgemälde, das den Höhepunkt der gloriosen Schlacht darstellt, soll in der Hauptstadt unweit des Roten Platzes ein weiteres Museum entstehen, das sich ausschließlich dem Vaterländischen Krieg von 1812 widmet.

Auch die Kreml-Museen leisten einen würdigen Beitrag zum bevorstehenden Jubiläum. Immerhin war der Kreml selbst Schauplatz der dramatischen Ereignisse vor 200 Jahren. Hier hielt nach dem Rückzug der russischen Armee aus Moskau am 14. September 1812 Napoleon feierlich Einzug. Zwei Tage lang wartete er im Kreml vergeblich auf russische Abgesandte mit einem Friedensangebot. Nach der Zerschlagung der napoleonischen Armee ließ Zar Alexander I. erbeutete französische Kanonen herbeischaffen und im Kreml aufstellen; daneben auch russische Geschütze, die bei der Schlacht von Borodino glorreich im Einsatz waren.

2012 bieten die Museen im Moskauer Kreml thematische Führungen an,

Der Widerhall des Jahres 1812 und der nachfolgenden Ereignisse war weltweit zu spüren. Die Okkupation Spaniens und Portugals durch Frankreich geriet ins Stocken. In den lateinamerikanischen Kolonien dieser Länder kam es zu Unabhängigkeitskriegen.

bei denen die Besucher auch dieses Kriegsgerät in Augenschein nehmen können. Am 28. Juli 2012 bildet der Sobornaja-Platz des Kreml den Ausgangspunkt für eine der imposantesten Aktionen des Jubiläums: Geplant ist ein großer Kosakenzug zu Pferde von Moskau nach Paris. Die Nachkommen jener Kosaken, die 1812 gegen Napoleon kämpften, werden auf Pferden derselben Rasse, die ihre Vorfahren in die Schlacht trug, durch Russland, Belarus, Polen und Deutschland bis nach Frankreich reiten und zum Schluss grandios in Paris einrücken.

Das Jubiläum zum 200. Jahrestag wird nicht nur durch Feierlichkeiten, Aktionen und in Museen gewürdigt, sondern findet ganz prominent auch in den Medien und im Internet statt. So kann man sich auf der Homepage des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation mit der Geschichte der napoleonischen Kriege vertraut machen und virtuell das Schlachtfeld von Borodino erkunden. Wer sich für Uniformen und Militaria interessiert, wird ebenfalls dort fündig. Die Staatsbibliothek Russlands hält auf  einer speziellen Internetseite elektronische Ausgaben historischer Werke bereit, die dem Vaterländischen Krieg gewidmet sind.

Den Abschluss der Jubiläumsfeierlichkeiten wird am 25. Dezember eine geistige Andacht an den Sieg über Napoleon bilden. Sie findet auf

Im Juni 2012 kommen aus den verschiedensten Ländern Nachfahren russischer Soldaten und Offiziere, die am Vaterländischen Krieg 1812 teilgenommen hatten, nach Moskau.

den Tag genau 200 Jahre nach der Verkündung des Zarenmanifests über die Vertreibung der napoleonischen Truppen in Russlands Hauptkirche – der Moskauer Christi-Erlöser-Kathedrale - statt.  Am Abend desselben Tages wird im Rahmen einer Festveranstaltung im Bolschoi-Theater auch offiziell das Jubiläumsjahr zu Ehren der 200. Wiederkehr des Sieges Russlands im Vaterländischen Krieg 1812 abgeschlossen und Bilanz gezogen über die Höhepunkte gezogen.

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