Pussy Riot-Urteil: Prominente ziehen vors Gericht

Nadeschda Tolokonnikowa, Mitglied der Punk-Band "Pussy Riot" wird in den Gerichtssaal des Taganskij Gerichts in Moskau geführt. Foto: Andrej Stenin/RIA Novosti

Nadeschda Tolokonnikowa, Mitglied der Punk-Band "Pussy Riot" wird in den Gerichtssaal des Taganskij Gerichts in Moskau geführt. Foto: Andrej Stenin/RIA Novosti

Mitglieder der Frauenband Pussy Riot wurden zu zwei Jahren Haft verurteilt. Prominente wie Boris Strugatzki rufen die Moskauer auf, vor dem Gerichtsgebäude ihre Solidarität zu bekunden.

Zu Wort meldeten sich am Vortag der Urteilsverkündung unter anderem der russische Krimiautor Boris Akunin und das Science-Fiction-Urgestein Boris Strugatzki. Ex-Beatle Paul McCartney schrieb gar einen Brief an die Pussy Riot-Frauen.

„Liebe Nadja, Katja und Mascha“, schreibt McCartney, „ich schreibe, um euch in dieser schweren Zeit zu unterstützen. Ich hoffe sehr, dass die russische Staatsmacht das Prinzip der Meinungsfreiheit für alle Bürger eures Landes einhalten und euch nicht für euren Protest bestrafen wird.“ Der britische Sänger reiht sich damit ein in die Riege der internationalen Stars, die den Punkrockerinnen ihre Solidarität aussprechen. Darunter sind Sting, Madonna, Peter Gabriel und Red Hot Chili Peppers.

Akunin: „Kommt zum Gericht!“ 
Der bekannte russische Schriftsteller Boris Akunin ruft derweil in seinem
Twitter-Blog auf, um 15 Uhr zum Gericht zu kommen, wo das Urteil verkündet wird: „Ich komme um drei zum Chamowniki-Gericht. Viele wollen ebenfalls die Virtualität verlassen, deshalb rechne ich damit, nicht nur alte Bekannte zu treffen, sondern auch viele interessante Leute kennenzulernen.“
Auch Boris Strugatzki, der Altmeister der sowjetischen Science Fiction-Literatur, bekundet seine Solidarität. „Ich persönlich würde die Mädchen dazu verurteilen, 15 Tage am Stück in einem Kloster die Fußböden zu wischen. Ich denke, das wäre eine mehr als ausreichende Strafe“, so Strugatzki im Radiosender „Echo Moskwy“.
Die Staatsmacht habe „derart inadäquat reagiert, dass sie Widerwillen nicht gegen die Rowdys, sondern gegen sich selbst und unsere ruhmreiche Justiz hervorgerufen hat“. Wenn er „gesund wäre und in Moskau leben würde“, käme er zum Gericht, „um den Protest zu unterstützen“, so der 79-Jährige.
“Aggressiv und unmoralisch“

Umfragen des offiziösen Meinungsforschungsinstituts „Lewada-Zentr“ zeigen derweil, dass die Mehrheit der Russen an die Ehrlichkeit des Gerichts glaubt und bei der Bewertung des „Punk-Gebets“ in der Moskauer Christ-Erlöserkathedrale auf Seiten der Anklage steht.

Lewada-Zentr-Direktor Lew Gudkow erklärt dies mit dem „Zustand der Gesellschaft“, die er als „sehr aggressiv und unmoralisch und auf der ständigen Suche nach ultimativen Autoritäten“ einstuft. 

Tatsache ist, dass weite Teile der russischen Öffentlichkeit eher indifferent auf den Ablauf des Prozesses gegen Pussy Riot reagieren. Die vorwiegende Gefühlsäußerung ist Mitleid mit den „aufständischen“ jungen Frauen.
 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Russland Aktuell.

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