Russland begeht am 19. August Fest des „Apfelretters“

Foto: Getty Images/Fotobank

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In Russland wird am 19. August mit dem Fest des „Apfelretters“, „Jablotschnij Spas“, offiziell die Apfelsaison eröffnet. Diese basiert auf heidnischen und christlichen Traditionen und hat, wie so viele alte, russische Feiertage, nicht nur eine religiöse, sondern auch eine wichtige landwirtschaftliche und kulinarische Bedeutung.

In der vorrevolutionären Zeit konnten nur wenige Bauern lesen und schreiben. Sie lebten in enger Verbundenheit mit dem Rhythmus der Landwirtschaft, begingen die Fest- und Feiertage und hielten sich an die Fastenzeiten. Im Laufe der Jahrhunderte verwoben sich diese beiden bedeutenden Fäden ihres Lebens so eng miteinander, dass das überlieferte Wissen der Bauern das Pflanzen und Ernten bestimmter Feldfrüchte prägte: Dieses richtete sich nach Fixpunkten im liturgischen Kalender. „Jablotschnij Spas“ steht im Zusammenhang mit dem christlichen Fest der Verklärung des Herrn.

Die sowjetischen Machthaber versuchten, alle kirchlichen Feiertage abzuschaffen.  „Jablotschnij Spas“ jedoch hielt sich beharrlich im russischen Kalender. Nach der Perestroika kehrte die Gesellschaft freudig zur ausgiebigen Feier dieses Erntefestes, in dessen Mittelpunkt Äpfel in all ihrer Pracht stehen, zurück. Die Vielfalt ist riesig. Sie reicht von Marmelade über Apfelwein oder Kwas hin zu Kuchen oder Bratäpfeln mit Zucker und Nüssen.

Gläubige Russen bringen am Vorabend von „Jablotschnij Spas“ Äpfel und andere Herbstfrüchte wie Pflaumen und Trauben in die Kirche, um sie segnen zu lassen. Der Tag selbst wird in einer lebhaften

Urlaubsatmosphäre mit Straßenmärkten, Tanz und anderen Erntefeierlichkeiten begangen. Als mächtiges Symbol für Heiden und Christen stehen Äpfel für Leben, Unsterblichkeit und Wohltätigkeit. Am „Jablotschnij Spas“ haben Äpfel besondere Kräfte. Wer an diesem Tag einen Apfel isst und sich etwas wünscht, wird erleben, dass sein Wunsch in Erfüllung geht. „Jablotschnij Spas“ ist auch mit einem besinnlichen Gedenken an die Toten verbunden. Viele Menschen nehmen sich Zeit, die Gräber der Verstorbenen zu besuchen und bringen essbare Gaben, insbesondere Äpfel, aber auch Honig und Nüsse, mit.

Bei keinem „Jablotschnij Spas“-Fest darf ein traditioneller, russischer Apfelkuchen fehlen. Während in anderen Küchen der Teig in Kuchen und Torten vom Obst getrennt gehalten wird, verrührt man in Russland beides miteinander. Ich finde, das ist eine sehr leckere Art, die verschiedenen Geschmacksrichtungen des säuerlichen Apfels und des cremigen Teigs zu erleben. Dieser Kuchen ist leicht und bezüglich der Zutaten variabel zuzubereiten. Zusammen mit einem Löffel Eis oder Schlagsahne gibt es wirklich keine bessere Möglichkeit, in den Geschmack des Herbstes einzutauchen!

Russischer Apfelkuchen


Dieses Rezept ist eine Abwandlung aus Lesley Chamberlains „The Food and Cooking in Russia“ (Essen und Küche Russlands). Es ist leicht und geht schnell, so dass ich es schon sehr oft gemacht habe. Dennoch schmeckt der Kuchen jedes Mal etwas anders, denn ich jongliere gern ein wenig mit den Zutaten. Äpfel sind klasse, doch ich finde, sie gewinnen noch, wenn man sie mit anderem Obst kombiniert, wie ich es bei diesem Rezept gemacht habe. Die eingeweichten, getrockneten Äpfel kann man auch weglassen, aber meiner Ansicht nach verleihen sie dem Kuchen einen intensiven Apfelgeschmack, den man ausschließlich mit frischen Äpfeln kaum erreichen kann.

Zutaten: 

1 Tasse brauner Rum oder Calvados

75 ml (1/3 Tasse) Kirschen, Pflaumen, eingemachte Beeren oder Marmelade

50 Gramm getrocknete Apfelscheiben

50 Gramm getrocknete Kirschen

50 Gramm Rosinen

750 Gramm säuerliche Äpfel, geschält, entkernt und in kleine Stücke geschnitten

3 reife Pflaumen, entsteint, grob gehackt

1 TL Zimt

1 TL gemahlene Nelken

1 TL gemahlener Ingwer

1 TL Salz

6 Eier

100 Gramm Zucker

150 ml saure Sahne

60 Gramm Mehl

10 Gramm (1/2 EL) Butter

5 EL frische Semmelbrösel

Zubereitung: 

1. Den Ofen auf 180 C vorheizen. Den Backrost auf mittlerer Höhe in den Ofen schieben.

2. Die getrockneten Früchte, Marmelade und Rum oder Calvados in einen Topf füllen und bei mittlerer Hitze auf den Herd stellen. Zum Kochen bringen, dann die Hitze herunter regeln und 10 Minuten kochen lassen. Vom Herd nehmen, abdecken und mindestens 20 Minuten ziehen lassen.

3. Eine Springform mit etwa 23 cm Durchmesser oder eine Gugelhupfform einfetten und mit Semmelbröseln ausstreuen.

4. Die Eier trennen.

5. Die Apfel- und Pflaumenstücke miteinander verrühren und mit den in Alkohol gedünsteten Trockenfrüchten mischen.

6. Mit einem Handrührgerät bei mittlerer Geschwindigkeit das Eigelb mit dem Zucker verrühren, bis eine cremige, etwas dickere Mischung entsteht (2 Minuten). Die saure Sahne hinzufügen und weitere 20 Sekunden bei niedriger Geschwindigkeit mixen.

7. Mehl, Gewürze, Salz und die Apfelmischung hinzufügen.

8. In einer sauberen Schüssel das Eiweiß schlagen, bis es fest ist und glänzt.

9. Den Eischnee vorsichtig unter den Teig heben.

10. Den Teig in die Spring- oder Gugelhupfform füllen. Die Form ein paar Mal nach links und rechts schwenken, damit keine Luftblasen entstehen.

11. Im vorgeheizten Ofen 40 Minuten goldbraun backen. 10 Minuten abkühlen lassen und dann mit Eis oder Schlagsahne servieren.