Russland will Touristen mit eigenem Logo anlocken

Das neue Logo Russlands löste viel Kritik aus: zu formal sei es, sage zu wenig aus; und überhaupt wäre die Abschaffung der Visapflicht sinnvoller. Foto: turmayak.ru

Das neue Logo Russlands löste viel Kritik aus: zu formal sei es, sage zu wenig aus; und überhaupt wäre die Abschaffung der Visapflicht sinnvoller. Foto: turmayak.ru

Stolz hat Russland sein erstes eigenes Logo vorgestellt: in den Farben der russischen Nationalflagge Weiß, Blau und Rot leuchtet der Schriftzug „My Russia“ (Mein Russland). Doch schon hagelt es Kritik: Es fehle an Attraktivität und das typisch Russische werde nicht hervorgehoben. Und ein Logo sei ohnehin der falsche Ansatz: Wenn man Touristen ins Land locken wolle, müsse man einfach die Visumsbestimmungen lockern.

Das Logo wurde von der Bundesbehörde für Tourismus in Auftrag gegeben. Das Wort „My“ erscheint in Dunkelblau und je nach Ausgabe in verschiedenen modernen Schriftarten. Bei dem Wort „Russia“ hat man sich dagegen für gediegene Druckbuchstaben in Rot entschieden. Die Worte stehen in Russisch und Englisch auf weißem Hintergrund.

Oberstes Ziel bei der Gestaltung des Logos war die Schaffung eines Wiedererkennungswertes von Russland als Reiseziel. Man wolle zum Ausdruck bringen, dass „es sich um ein attraktives Land handelt, das einen Besuch wert ist“, erklärt Irina Schchegolkowa, Sprecherin der Bundesbehörde für Tourismus. Das Logo ist Teil einer Regierungskampagne im Umfang von 332 Milliarden Rubel (8,5 Milliarden Euro), die den Tourismus im Laufe der nächsten sechs Jahre ankurbeln soll. Es wird auf Plakatwänden ebenso zu sehen sein wie an Messeständen und bei Konferenzen.

Ende letzten Jahres startete die Ausschreibung für das Logo, der siegreiche Entwurf sollte mit 500 000 Rubel (ca. 13 000 Euro) belohnt werden. Letztendlich gab es dann aber doch nur 155 000 Rubel (4 000 Euro) für das Grafikdesign-Unternehmen Artischok, das drei Konkurrenten ausstach.

Verhaltene Reaktionen

„Das Logo ist zu formal und wird den Tourismus nicht fördern“,

meint Arseny Meschcheryakow, Kreativchef des Grafikdesign-Unternehmens Agey Tomesh. „Es wird seiner Funktion nicht gerecht.“ „Um Russlands Ansehen im Ausland zu verbessern, wäre eine Lockerung der Visabestimmungen das Beste“, schrieb der Rockmusik-Kritiker Artemy Troitsky unverblümt auf seiner Internetseite.

In der Tat ist auch der Russische Tourismusverband der Ansicht, dass ausländische Urlauber vor allem von den unvorteilhaften Visaregelungen, den hohen Kosten und der schlechten Qualität der Dienstleistungen abgeschreckt werden. Im vergangenen Jahr verzeichnete Russland etwa 2,3 Millionen ausländische Touristen. Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes bedeutet das eine leichte Zunahme gegenüber den 2,1 Millionen Touristen im Jahr 2010.

Russland beabsichtigt, die Bedingungen für viele Arten von Visa lockern, auch für Touristenvisa. In Bezug auf die Vereinigten Staaten ist eine Lockerung beispielsweise ab dem 9. September geplant, eine Maßnahme im Rahmen des sogenannten „Neustarts“ der Beziehungen zwischen den beiden Staaten. Doch viele andere ausländische Touristen werden nach wie vor zahlreiche bürokratische Hürden überwinden müssen.

Nach Meinung von Alexej Leibowitsch, Kreativchef von BE!MA, betone das neue Logo keine der typisch russischen Eigenschaften. Dazu gehörten beispielsweise der russische Nationalgeist, Nanotechnologie oder die herrliche Natur.

„Das Logo transportiert keine Stimmung, keine Botschaft oder Idee“,

kommentiert er per E-Mail und fügt hinzu, dass eine stilisierte Schriftart dies verbessern könnte. „Man sehe nur mal die zielgenaueren Logos anderer Staaten an.“ Gemeint sind beliebte Reiseziele, die bereits ein eigenes Tourismus-Logo haben: die Türkei, Großbritannien, Kuba, Algerien, Ägypten und Kroatien.

Der Russische Tourismusverband entgegnete, dass Russland nicht nur mit Matrjoschkas, Ballet oder der Basilius-Kathedrale in Verbindung gebracht werden solle. „Es hat deutlich mehr zu bieten, und es ist schwierig, diese ganze Vielfalt in einem Bild einzufangen“, entgegnet Schchegolkowa.

Dieser Meinung sind auch die Designer des Logos. Ihre Idee sei gewesen, traditionelle Stereotype auszuklammern, die mit Russland verbunden werden. Nach Meinung Julia Solowjowas, Projektmanagerin bei Artischok, sei Russland für unterschiedliche Arten von Tourismus und verschiedene Zielgruppen attraktiv. Das Logo unterstreiche mit den verschiedenen Schriftarten für das Wort „My“ den Gedanken, dass jeder ein eigenes Bild von Russland habe, während „Russia“ immer in derselben Schrift erscheine. „Reveal your own Russia“ (Entdecke dein eigenes Russland) lautet der Slogan, der das Logo begleiten wird, und auch er weise in diese Richtung.

Das bisher bekannteste Logo Russlands bleibt das Maskottchen der Olympischen Sommerspiele 1980 in Moskau. Es zeigt einen lächelnden Braunbär – ein Symbol, das traditionell mit Russland in Verbindung gebracht wird.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der Zeitung The Moscow Times.

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland