Russen kaufen teurere Autos

Während im ersten Halbjahr 2012 die Verkaufszahlen bei den günstigeren Fahrzeugen um die Hälfte sanken, nahm der Absatz von Autos mit einem Preis von über einer Million Rubel (ca. 25 000 Euro) zu. Foto: Kommersant

Während im ersten Halbjahr 2012 die Verkaufszahlen bei den günstigeren Fahrzeugen um die Hälfte sanken, nahm der Absatz von Autos mit einem Preis von über einer Million Rubel (ca. 25 000 Euro) zu. Foto: Kommersant

Russen kaufen zunehmend teurere Autos. Während im ersten Halbjahr 2012 die Verkaufszahlen bei den günstigeren Fahrzeugen um die Hälfte sanken, nahm der Absatz von Autos mit einem Preis von über einer Million Rubel (ca. 25 000 Euro) zu. Experten erwarten, dass dieser Trend anhält.

Die Struktur des russischen Automarktes hat sich verändert. Eine Untersuchung von Ernst & Young zeigt, dass in den ersten sieben Monaten dieses Jahres bis zu 600 000 Rubel (ca. 15 000 Euro) teure Kleinwagen weniger als die Hälfte des Absatzes ausmachten. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres nahm dieses Segment noch 55,8 % des Marktes ein. Auch der Anteil der Autos mit einem Preis zwischen 600 000 und einer Million Rubel sank und betrug nur noch 26,6 %. Dagegen wuchs der Anteil der zwischen ein bis 1,5 Millionen Rubel teuren Fahrzeuge auf 14,4 % gegenüber 9,6 % im Vorjahr.

Der Gesamtwert des Marktes stieg in den ersten sieben Monaten um 28,4 % auf 1,3 Billionen Rubel (ca. 32,5 Milliarden Euro). Der Absatz von Kleinstwagen und der von Autos mit einem Verkaufspreis von bis zu einer Million Rubel waren mit einem Warenwert von jeweils ungefähr 326 Milliarden Rubel identisch.

Der Gesamtwarenwert der verkauften Autos mit einem Verkaufspreis zwischen einer Million und 1,5 Millionen Rubel belief sich auf 281 Milliarden Rubel.  Doch die besten Erlöse erzielten die Händler traditionsgemäß durch den Verkauf von Autos der Premium-Klasse mit einem Preis von über 1,5 Millionen Rubel. In diesem Segment wurde ein Gesamtwert von 382 Milliarden Rubel realisiert  wobei die Zahl der abgesetzten Fahrzeuge lediglich einen Marktanteil von 9,5 % ausmacht.

Der Durchschnittspreis eines Autos beträgt in Russland derzeit 788 000 Rubel. Das sind 12 % mehr als im Vorjahr. Im März erreichte der

durchschnittliche Preis mit 809 000 Rubel sein Maximum, sank jedoch bis zum Juli wieder auf 776 000 Rubel. Bei Ernst & Young wird der Preisanstieg und der gleichzeitige Rückgang der Verkaufszahlen im Kleinwagensegment mit einem „Übergang in die obere Preisklasse bei einer Vielzahl von Modellen“ erklärt.

„Viele der für die breite Masse bestimmten Marken, deren Verkaufspreis früher unter der magischen Grenze von 600 000 Rubel lag, wurden inzwischen mit gehobener Ausstattung versehen. Obwohl ihr Preis inzwischen bereits deutlich darüber liegt, ist die Nachfrage vor allem dank der günstigeren Kreditbedingungen hoch“, erläutert Sergej Kopjew, Manager bei Ernst & Young.

Auch der sinkende Absatz bei AwtoWAS, dem Hersteller des Ladas, spiele eine Rolle beim Rückgang der Verkaufszahlen bei den Kleinwagenmodellen. Der Absatz des Werkes fiel in den ersten sieben Monaten dieses Jahres um 13 % gegenüber dem Vorjahr.

 

Die Ansprüche der Käufer steigen


Den Anstieg des Marktanteils von Fahrzeugen mit einem Verkaufspreis von mehr als einer Million Rubel begründet man bei Ernst & Young damit, dass viele Marken dieses Segment für sich neu entdeckt haben. Während etwa Kia und Hyundai früher den Vorstoß in die höhere Preisklasse nicht wagten, hätten sie sich in diesem und im vergangenen Jahr genau auf dieses Segment konzentriert.

Der Absatzrückgang bei den Kleinwagenmodellen ausländischer Hersteller begann bereits im Jahr 2011. Laut der AEB (Association of European Businesses) in Moskau sank beispielsweise der Absatz beim Renault Logan im ersten Halbjahr dieses Jahres um 16 %, beim Chevrolet Lacetti um 14 % und beim Daewoo Matiz um 12 %.

Der Trend zum Preissegment von über 700 000 Rubel wurde auch bei der Rolf Group, einem der größten Autohändler Russlands, festgestellt. Maria Saikina, Leiterin des Großkundenvertriebs von Rolf, unterstreicht, dass das monetäre Marktvolumen auch dank der Verkäufe von Premium-Fahrzeugen mit einem Preis über ein bzw. 1,5 Millionen Rubel zugenommen habe. In ihrem Unternehmen ist man davon überzeugt, dass das Segment der ausländischen Kleinwagenmodelle ein enormes Potential als Alternative zum Kauf von einheimischen Autos hat: „Der Absatz dieser Modelle könnte theoretisch wesentlich höher sein, doch bei den Produktionskapazitäten stoßen die Hersteller zurzeit teilweise an ihre Grenzen.“

„Kurzfristig betrachtet wird sich die Nachfrage, in erster Linie durch die Verkäufe in den Großstädten, eindeutig in Richtung der Fahrzeuge mit einem Durchschnittspreis von 600 000 bis 700 000 Rubel verschieben“, prognostiziert Michail Pak von Atona, einer der ältesten russischen Kapitalanlagegesellschaften. Darunter habe vor allem AwtoWAS zu leiden, das ausschließlich preiswerte Autos in seinem Portfolio führe, erläutert er.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der Zeitung Kommersant.

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