Russische Volkskünstler bringen Glanz nach Berlin

Strahlende Sterne Russlands: Auftritt russischer Musiker und Tänzer beim Open-Air im Zentrum Berlins. Foto: Anna Mieskes-Petrenko

Strahlende Sterne Russlands: Auftritt russischer Musiker und Tänzer beim Open-Air im Zentrum Berlins. Foto: Anna Mieskes-Petrenko

Im Rahmen des Russlandjahres in Deutschland fand am Donnerstagabend am Gendarmenmarkt das Gala-Konzert Strahlende Sterne Russlands statt.

Am Donnerstag traten auf dem schönsten Platz Berlins über 400 Volkskünstler aus Russland auf. Umrahmt vom deutschen und vom französischen Dom, flankiert vom Schauspielhaus, brach auf der weiten Theaterbühne mit dem Schlagen riesiger goldener Glocken das multikulturelle Schauspiel der Völker Russlands an. Im Rahmen des Russlandjahres in Deutschland präsentierten die Gäste aus der Russischen Föderation die ganze üppige Fülle der Volksmusik und des Volkstanzes ihres Landes.

 

Die goldenen Glocken, die das Fest eröffneten, wurden im Großformat auf eine Panoramawand im Hintergrund der Bühne projiziert. Über der Bühne aufgehängte Kameras bildeten die choreographischen Formationen der Tänzergruppen ab.

 

Den Anfang machte der Staatliche Akademische Pjatnizkij-Volkschor, ein Ensemble, das vor über 100 Jahren von Mitrofan Pjatnizkij gegründet wurde, einem Kenner und Sammler russischer Volksmusik. Er reiste mit einem Phonographen durch das Land und nahm in verschiedenen Dörfern alte Volkslieder auf. Noch immer sind die ursprünglichen, einfachen Gesänge und manchmal recht wilden Tänze der russischen Dörfer im Repertoire erkennbar: Mitreißende, authentische  Rhythmen begeisterten die Gäste auf dem zentralen Platz der deutschen Hauptstadt.

 

Aus allen Stadtteilen Berlins waren die Zuschauer gekommen: Manche aus Charlottenburg, andere aus ‚Charlottengrad’, wo die meisten Russen wohnen. Die russischstämmigen Besucher lauschten manchmal gerührt, manchmal enthusiastisch den Klängen ihrer ursprünglichen Heimat. Zu erleben hatten sie genug. In einer perfekten Bühnenshow zeigten die Veranstalter, was die vielen Völker der Föderation zu bieten haben: Ewenken, Tschuktschen und Korjaken riefen mit dem Ensemble Mengo die alten, überlieferten Töne und Tänze der Völker des Nordens und Fernostens in Erinnerung.

 

Die tschetschenische Tanzgruppe Wainach zeigte sich mit Schwert und Schild entschieden kriegerisch, so dass beim nachempfundenen Kampf die Funken stoben. Und das kalmykische Ensemble Tjulpan erzählte mit asiatisch üppigem Gepräge ein uraltes Heldenepos tänzerisch nach.

 


Die tschetschenische Tanzgruppe Wainach. Foto: Rossotrudnitschestwo/Roman Rodin

 

Frauen in langen, fantasievollen Gewändern glitten majestätisch über die Bühne, Männer flogen springend durch die Luft. Eine Gruppe Tänzer choreographierte ihre Schritte mit dem eigenen, rhythmisierten Atmen, das an ein lautes Hecheln erinnerte. Sehr beeindruckend waren auch die drei Interpreten des Kehlkopf-Gesanges, die als Instrument nur ihre Stimme und einfache Maultrommeln nutzten, um Märchen aus dem Altai-Gebirge zu erzählen. Alle Darsteller und Musiker bewiesen außerordentliche artistische Fähigkeiten und hohe Disziplin in einer nicht enden wollenden, von keiner Pause unterbrochenen, Darbietung.

 

„Ich war zu Tränen gerührt", meinte eine Lehrerin aus Steglitz, das Taschentuch noch in der Hand. Und ein anderer Zuschauer ergänzte: „So was Tolles habe ich noch nie gesehen!" Echt begeisterte Zuschauer mochten ihren Platz gar nicht verlassen, obwohl es gegen Ende des Festes leicht zu nieseln begonnen hatte.

 

Viele hatten klugerweise mitgebrachte, blaue Regencapes übergezogen, was den Eindruck eines wogenden Zuschauermeeres vermittelte. Viele hätten gern noch eine Zugabe gehört und gesehen, und manche Deutsche sprachen zum ersten Mal mit ihren russischen Nachbarn. Das Festival der nationalen Kulturen ließ unter dem Titel Strahlende Sterne Russlands tatsächlich ganz eigene Sterne am Berliner Himmel leuchten.

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