Beuys-Ausstellung in Moskau

Die Ausstellung von Joseph Beuys ist vom 12. September bis 14. November 2012 in Moskau zu sehen. Foto: TASS

Die Ausstellung von Joseph Beuys ist vom 12. September bis 14. November 2012 in Moskau zu sehen. Foto: TASS

In Moskau beginnt die bisher umfassendste Ausstellung zum bedeutenden deutschen Künstler Joseph Beuys. Seine politische Kunst ist in Russland aktueller denn je.

Eines der großen Kunst-Ereignisse des Deutschlandjahres in Russland ist die Ausstellung „Joseph Beuys: Aufruf zur Alternative“, die noch bis zum 14.November in Moskau zu sehen ist. Es handelt sich um die bisher umfassendste Werkschau dieses so bedeutenden wie legendenumwobenen deutschen Künstlers (1921 - 1986). Dem Kurator Eugen Blume, der in Berlin das Museum für Gegenwart im ehemaligen Hamburger Bahnhof leitet, ist es dabei gelungen, rund 500 Exponate zusammenzustellen  - darunter neben dem klassischen Filzmantel auch Videoarbeiten, raumfüllende Skulpturen und Hunderte Bilder.

 

Ein Beitrag zur politischen Kunst

 

Beuys, dessen Leitspruch „Jeder Mensch ist ein Künstler!“ lautete, war ein politischer Künstler. Dies zeigt auch sein 1978 veröffentlichtes Manifest "Aufbruch zur Alternative". In Moskau wird dieser gesellschaftskritische Text nicht nur in der Ausstellung gezeigt, sondern auch auf Russisch als Flugblatt ausgeteilt. Der Einfluss der Ideen des Düsseldorfer Künstlers auf die Entwicklung zeitgenössischer russischer Kunst soll parallel zur Werkschau durch Vorträge und Diskussionen untersucht werden. Die Initiatoren wollen damit einen Beitrag zur politischen Kunst leisten, da die Arbeiten von Beuys nicht zuletzt viele russische Kollegen wie Oleg Kulik oder Ilja Kabakow beeinflusst haben.

 

Zudem erinnert der Kurator Eugen Blume daran, dass die Ausstellung auch zeigt, wie sehr Beuys selbst von seiner "slawischen Erfahrung" im Zweiten Weltkrieg zehre. Beuys bezog sich immer wieder auf sein Schlüsselerlebnis eines Flugzeugabsturzes, den er 1944 als Bordfunker auf der heute zur Ukraine gehörenden Halbinsel Krim überlebte.

 

Der Absturz mit seiner Nachgeschichte diente als Stoff einer Legende,

der zufolge nomadisierende Krimtataren ihn „acht Tage lang aufopfernd mit ihren Hausmitteln“, nämlich Salbung der Wunden mit tierischem Fett und Warmhalten in Filz, gepflegt hätten. Diese Legende sollte Beuys’ Vorliebe für die Materialien Fett und Filz erklären, und er selbst hat sie in einem BBC-Interview auch so beschrieben. Ob Beuys tatsächlich von Tartaren gesund gepflegt wurde ist zweifelhaft. Unzweifelhaft ist die magische Art seiner Kunstpräsentation, die immer auch Inszenierung seiner selbst war.

 

In der Geschichte der Russen und der Deutschen ist der letzte, große Krieg immer noch dominierend. Dass aus dem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion, auf einem großen, subjektiven Umweg, friedliche Kunst entstanden ist, das verdanken wir Joseph Beuys, dem Mann mit dem Hut, dem Künstlerphilosophen aus Düsseldorf.

 

Die Ausstellung ist vom 12. September bis 14. November 2012 im Staatlichen Museum für Moderne Kunst der Russischen Akademie der Künste in Moskau zu sehen.

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