Moskauer Galerie pop/off/art eröffnet Ableger in Berlin

Die offizielle Eröffnung des Ablegers der Moskauer Galerie pop/off/art in Berlin. Foto: Katarina Wiedemann

Die offizielle Eröffnung des Ablegers der Moskauer Galerie pop/off/art in Berlin. Foto: Katarina Wiedemann

Ein Ableger der Moskauer Galerie pop/off/art wird künftig auch in Berlin zeitgenössische russische Kunst zeigen. Damit ist sie die zweite Galerie für moderne russische Kunst in Europa. Galerist Sergej Popow verspricht ein künstlerisches Star-Aufgebot.

„Ich bin mir darüber im Klaren, dass ich in einer Krisenzeit nach Deutschland gekommen bin“, gibt Galerist Sergej Popow zu, als wir ihn ein paar Stunden vor der offiziellen Eröffnung von pop/off/art in Berlin-Charlottenburg treffen. „Die Leute trennen sich im Moment nicht sehr gern von ihrem Geld. Aber das ist nicht alles. Das Interesse an allem Russischen ist weltweit gesunken, unser Land interessiert kaum noch jemanden. Und diese traurige Tendenz würde ich sehr gerne umkehren“, so der Galerist.

Sergei Popow beschäftigt sich schon seit 20 Jahren mit Kunst. Anfangs war er wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung für Moderne Kunst der berühmten Tretjakow-Galerie. Danach arbeitete er an einem Institut als Dozent für Moderne Kunst und vor acht Jahren eröffnete er seine Galerie in Moskau, die inzwischen zu den angesehensten Galerien der Stadt zählt.

Russische Kunst in Berlin

Die erste Ausstellung der Galerie in Berlin mit dem Titel „Russischunterricht“ zeigt Fotografien des Sankt Petersburger Künstlers Grigori Maiofis. Auf seinen Fotos ist ein riesiger Bär mit Spitznamen Pfund zu sehen: Er fläzt sich in einem Stuhl, vor ihm dreht eine Ballerina des Mariinski-Theaters mit betörendem Lächeln Pirouetten. Drumherum andere Fotos aus dem Leben von Pfund – der Bär liest Lenin, rollt auf einem Ball herum, dann wieder mit der Ballerina, Bein an Bein. „So ein Kitsch“, könnte man denken, wenn man sich die Arbeiten von Grigori Maiofis betrachtet.

„Ich würde nie Arbeiten zeigen, die Stereotypen über mein Land bedienen“, gibt Popow jedoch zu bedenken, „was wir zeigen, ist lediglich ein Spiel damit. Mit den Mythen, die überall auf der Welt über Russland existieren.“ Popow durchquert schnellen Schrittes den großzügigen Saal seiner Galerie, von einer Pfund-Darstellung zur anderen. Er macht keinen Hehl daraus, dass in dem Berliner Ableger seiner Galerie hauptsächlich Künstler aus Russland und den Ländern der GUS ausstellen werden. Und zwar die, die bei sich zu Hause schon sehr bekannt sind, aber noch nicht bekannt genug im Westen. „Das wird ein richtiges Star-Aufgebot“, meint der Galerist, als er den ersten Besuchern die Türen zu seiner Galerie pop/off/art öffnet.

Krise der zeitgenössischen Kunst

Ein Grund für die Eröffnung des Berliner Ablegers ist sicherlich die Krise der zeitgenössischen Kunst in Russland, wo die Galerien noch mehr mit

Umsatzrückgängen zu kämpfen haben als im Westen. So werden die Moskauer Galerien von Marat Gelman und Aidan Salachowa in der ehemaligen Weinfabrik „Winsawod“ ihre Aktivitäten in ihrer jetzigen Form einstellen. An ihrer Stelle wird ein Zentrum für Kunstmanagement und ein Kunstatelier entstehen. Die Galerie von Jelena Selina wird ebenfalls eine neue Form annehmen. Moderne Kunst verkauft sich schlecht. Wer sie gesammelt hat, hat Russland verlassen. „Die Russen haben leider traditionell überhaupt kein Verständnis für moderne Kunst“, meint Sergej Popow, „deshalb ist das Interesse daran viel geringer als in Europa.“

Mit umso mehr Enthusiasmus geht Popow seine Aufgabe in Berlin an. Er schwärmt von dem Künstler Grigori Maiofis, dessen bärige Fotografien die Eröffnungsausstellung bilden. Der Künstler schafft seine Arbeiten an der Nahtstelle von Malerei und Fotografie und erreicht damit erstaunliche Effekte. Dafür benutzt Maiofis die Technik des Bromöldrucks, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts sehr verbreitet war, dann aber nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr angewendet wurde. „So etwas macht überhaupt niemand auf der ganzen Welt!“, verkündet Sergej Popow stolz.

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