Russlands paralympischer Höhenflug

Der russische Präsident Wladimir Putin posiert mit der nationalen paraolympischen Mannschaft im Kreml. Foto: Reuters/Vostock Photo

Der russische Präsident Wladimir Putin posiert mit der nationalen paraolympischen Mannschaft im Kreml. Foto: Reuters/Vostock Photo

Bei den Paralympischen Spielen in London erreichten die russischen Athleten den zweiten Platz und erkämpften doppelt so viele Medaillen wie 2008 in Peking. Nur China war noch erfolgreicher.

Fast einen Monat nach dem Ende der Olympischen Spiele in London sind nun auch die paralympischen Wettkämpfe Geschichte. Die russischen Sportler erkämpften fast doppelt so viele Medaillen wie vor vier Jahren in Peking und erlebten damit einen unglaublichen Höhenflug. Bei den Goldmedaillen waren es mit insgesamt 36 sogar genau doppelt so viele wie 2008, was Russland in der Gesamtwertung den zweiten Platz sicherte. Den ersten Platz belegten wie auch beim letzten Mal die Chinesen mit einem fantastischen Ergebnis: 95 Gold-, 71 Silber- und 65 Bronzemedaillen.

Russische Highlights

Oxana Sawtschenko wurde bei den Schwimmern mit Sehbehinderung mit ihren Siegen über 50 Meter Freistil-, 100 Meter Rücken-, 200 Meter Lagen-, 100 Meter Freistil- und 400 Meter Freistil fünffache Olympiagewinnerin. Und damit nicht genug: In jeder dieser Disziplinen stellte die 21-jährige Russin auch noch einen Weltrekord auf. Somit erhielt Sawtschenko insgesamt acht der höchsten olympischen Auszeichnungen, denn bereits in Peking erzielte sie dreimal Gold.

Die Lichtgestalt der russischen Delegation war jedoch der Leichtathlet Alexej Aschapatow, der bei den Rollstuhlfahrern die Titel im Diskus- und Speerwurf holte. Im Diskuswurf sicherte sich der doppelte Olympiasieger von 2008 mit seinem Weltrekord von 60,72 Metern die Goldmedaille. Sein Endergebnis in den Wettkämpfen von 1043 Punkten blieb für den Silbermedaillengewinner Rostislav Poolman aus Tschechien unerreichbar. Beim Kugelstoßen erzielte Aschapow mit 16,20 Metern einen neuen paralympischen Rekord und übertraf den Polen Janusz Rokicki um einen halben Meter.

Zwei Medaillen errang auch der Leichtathlet Fjodor Trikolitsch. Der Russe siegte im Sprint über 100 Meter in der Kategorie T12 mit einer persönlichen Bestzeit von 10,81 Sekunden. Außerdem wurde Trikolitsch Zweiter über 200 Meter und gewann damit das einhundertste russische Edelmetall bei den Paralympischen Spielen 2012. Auch hier erzielte er mit 21,81 Sekunden eine persönliche Bestleistung.

Auch im Fußball hatten die russischen Athleten das Glück auf ihrer Seite und besiegten im Endspiel die Auswahl aus der Ukraine. Die Sportler kämpften hartnäckig und am Ende entschied das einzige Tor, das bereits in der ersten Halbzeit Eduard Ramonow geschossen hatte. Auf ihrem Weg zum Gold agierten die Russen sehr entschlossen und stachen so alle Gegner aus. In der Gruppenphase zerschmetterte die russische Mannschaft Argentinien mit 8:0 und anschließend die Niederlande mit dem gleichen Resultat. Im Halbfinale  besiegten sie die Brasilianer mit 3:1.

Optimismus von offizieller Seite

„Unterm Strich sind wir erfolgreich gewesen, und das zeigt, dass unsere jahrelange Arbeit Früchte trägt“, freut sich Wladimir Lukin, der Präsident des Paralympischen Komitees Russlands (PKR). „Die Ergebnisse beweisen, dass wir uns in die richtige Richtung bewegen. Aber unser Hauptziel waren nicht die Medaillen, sondern das, was sie unserem Land und allen, die in Russland leben, bedeuten.“

Ungeachtet des fantastischen Höhenfluges habe Russland jedoch nicht vor, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen. „Wir haben sowohl unsere starken, wie auch unsere schwachen Seiten“, unterstrich er. „Wir haben glänzende Ergebnisse im Schwimmen und in der Leichtathletik erzielt und erstmals haben unsere Männer auch hervorragend beim Bogenschießen abgeschnitten. Aber es gibt auch Sportarten, bei denen wir noch ganz am Anfang stehen. Deshalb sind wir auch nur in zwölf von zwanzig Disziplinen angetreten.“

Natürlich ist China ein ungleich stärkerer Gegner, und seine Übermacht scheint momentan noch unanfechtbar. Aber die Fortschritte der russischen Athleten können sich sehen lassen. Der Höhenflug in London und der Einstieg in die internationale Sportelite sind dabei nur ein Anfang.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei gazeta.ru.