Fußball-Transfers: Russlands Millionenrausch

Zenit St. Petersburg ließ sich Hulk und Axel Witsel etwa 95 Mio. Euro kosten und übertraf damit den bisherigen russischen Rekord um ein Vielfaches. Foto: Pressebild

Zenit St. Petersburg ließ sich Hulk und Axel Witsel etwa 95 Mio. Euro kosten und übertraf damit den bisherigen russischen Rekord um ein Vielfaches. Foto: Pressebild

Entgegen dem internationalen Trend geben russische Fußball-Klubs so viel Geld für neue Spieler aus wie nie zuvor. Nur in England ist man noch spendabler.

In der Nacht vom 6. auf den 7. September wurde in der russischen Fußball-Liga das Transferfenster geschlossen. Dem Internetportal transfermarkt.de zufolge haben die russischen Klubs in diesem Sommer insgesamt 223,4 Mio. Euro für Zukäufe von Spielern ausgegeben. Von allen europäischen Ligen lagen nur die Ausgaben der Engländer mit 322 Mio. Euro über denen der Russen. In den anderen Ländern wurden die Gürtel eher enger geschnallt: Die Ausgaben der gesamten Deutschen Bundesliga beliefen sich auf insgesamt 102 Mio. Euro – eine Summe, die in Russland allein Zenit Sankt Petersburg lockergemacht hat.

Zweistellige Millionenbeträge sind in letzter Zeit keine Seltenheit mehr. Vergessen sind die Zeiten, als die besten russischen Klubs Brasilianer einkauften, die in ihrer Heimat gänzlich unbekannt waren. Oder Spieler aus dem Balkan, die den Eintritt in ihre eigenen Nationalmannschaften verpasst hatten. Und aus Jamaika holte man sich Fußballer, die durch ihre Schnelligkeit auf dem Platz bestachen. Nach und nach wurden auch für die Russen Namen wie Roberto Carlos oder Samuel Eto’O zur Normalität.

Innerhalb von nur drei oder vier Jahren ist der russische Fußball in eine neue Phase eingetreten. Heute kommen Spieler der brasilianischen Nationalelf nach Russland, und Siege in den internationalen Wettbewerben sind nur noch eine Frage der Zeit.

Die Transfers des Brasilianers Hulk und des Belgiers Axel Witsel können schlichtweg als sensationell bezeichnet werden – sogar bei Leuten, die normalerweise mit Fußball wenig am Hut haben. Zenit St. Petersburg ließ sich die beiden Spieler etwa 95 Mio. Euro kosten und übertraf damit den bisherigen russischen Rekord um ein Vielfaches. Der lag bis dato bei 30 Mio. Euro für den Wechsel des portugiesischen Spielers Danny von Dynamo Moskau zu Zenit St. Petersburg.

Im Nu war Hulk mit 55 Mio. Euro der weltweit teuerste Fußballer des diesjährigen Transferfensters. In der Fußballgeschichte waren vor allem bei Transfers von Real Madrid ähnliche Summen über den Tisch gegangen:  60 Millionen für Luís Figo, 65 Millionen für Kakà, 73,5 Millionen für Zinedine Zidane und stolze 94 Millionen für Cristiano Ronaldo. Chelsea ließ sich Fernando Torres immerhin noch 58,5 Millionen kosten und der FC Barcelona blätterte für Zlatan Ibrahimović 69,5 Millionen hin. Dagegen wirken die 40 Mio. Euro, die für Axel Witsel bezahlt wurden, beinahe bescheiden. Doch Fakt ist: Für den Belgier interessierten sich alle führenden Clubs Europas.

Russische Klubs im Einkaufsfieber

Bei solchen Rekordsummen fallen Transfers mit einstelligen

Millionenbeträgen kaum noch ins Gewicht. Der Erstligist Anschi Machatschkala angelte sich Lassana Diarra von Real Madrid, der neben seiner Zeit beim königlichen Klub eine Karriere bei Chelsea, Arsenal und in der französischen Nationalmannschaft vorweisen kann. Diarras Transfer kostete schlappe 5 Mio. Euro und sein Gehalt wird jährlich 3,5 Millionen betragen – eine bedeutende Steigerung gegenüber seinem früheren Arbeitgeber.

Die französische Fußballerkolonie in Russland wurde durch Florent Sinama-Pongolle ergänzt, Ex-Profi vom FC Liverpool und Sieger der Champions League 2004/2005. Er kam zum FC Rostow und plant dort auch längere Zeit zu bleiben. Eine weitere gute Nachricht für die Fans des FC Rostow: Als erster Klub in der russischen Fußballgeschichte schloss er einen Vertrag mit einem Engländer ab. David Bentley, Mittelfeldspieler bei Tottenham Hotspur, spielt bis Januar auf Leihbasis bei den Russen,  höchstwahrscheinlich wird er sogar eine ganze Saison bleiben. Ebenfalls eine Sensation stellt der Wechsel des Vize-Kapitäns des FC Valencia Ángel Dealbert dar. Unter zahlreichen Angeboten entschied sich der Verteidiger für den FC Kuban Krasnodar.

Der FC Rubin Kasan hat zum zweiten Mal in Folge aktiv auf dem spanischen Markt mitgemischt. Die Transfers von Ivan Marcano vom FC Villarreal für 3 Mio. Euro und Pablo Orbaiz von Athletic Bilbao werden die Verteidigung des FC Rubin massiv stärken. Auch der FC Spartak Moskau gönnte sich eine Einkaufstour. Mit einem Leihvertrag spielen jetzt die Spanier Unai Emery und José Manuel Jurado vom FC Schalke 04 für den Klub. Außerdem kommt für das Mittelfeld der Kapitän der schwedischen Nationalmannschaft Kim Källström hinzu, der zuvor bei Olympique Lyon spielte und für 3 Mio. Euro wechselte. Und der brasilianische Nationalspieler Romulo verlässt Vasco da Gama für 8 Millionen.

Brasilianer sind besonders begehrt

Grundsätzlich bleibt Brasilien der beliebteste Markt für Einkäufe der

russischen Fußball-Liga. ZSKA Moskau holte sich für 13 Mio. Euro den Verteidiger der brasilianischen Nationalelf Mario Fernandes von Grêmio FBPA ins Boot und Anschi Machatschkala den Verteidiger Ewerton Almeida vom SC Braga für fünf Millionen. Der Klub Krylja Sowetow kaufte den Außenspieler Samara Bruno Telesa von Vitória Guimarães für eine Million. Ein Neuling in der russischen Liga ist der FC Alania Wladikawkas, der seine brasilianische Kolonie um zwei Spieler erweiterte. Rudnei da Rosa wechselt für zwei Millionen vom FC Cruzeiro Belo Horizonte und Diego Maurício für fünf Millionen vom CR Flamengo.

Für die größte Überraschung sorgte Terek Grosny. Der Star der letzten Champions League Aílton von APOEL Nikosia entschied sich trotz mehrerer Angebote aus italienischen A-Clubs und der deutschen Bundesliga (u.a. Bayern München) für den Umzug nach Grosny und kassierte dafür 2,2 Millionen.

Weitere bemerkenswerte Transaktionen waren die Lokomotiv Moskau-Transfers des senegalesischen Stürmers Dame N’Doye vom FC Kopenhagen für sieben Millionen Euro und von Rasmus Elm vom AZ Alkmaar für 6 Millionen.

Doch natürlich bleiben die wichtigsten Fragen offen: Werden die Neuen in der russischen Liga den Erwartungen gerecht werden? Wird sich das investierte Geld lohnen? Welche Leistungen werden die russischen Klubs in den europäischen Wettkämpfen bringen? All das hängt allein von der Leistung der Spieler ab – egal, welche Summe für sie über den Tisch ging.

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