Die Stimme der globalisierten Generation

Olga Grjasnowa: Der Russe ist einer, der Birken liebt. Roman. Hanser Verlag, München, 2012. 284 Seiten, Hardcover, 18,90 Euro.

Olga Grjasnowa: Der Russe ist einer, der Birken liebt. Roman. Hanser Verlag, München, 2012. 284 Seiten, Hardcover, 18,90 Euro.

„Der Russe ist einer, der Birken liebt“ – der Debütroman der Berlinerin Olga Grjasnowa begeistert seit Monaten die deutsche Literaturszene. Ein Roman über die Identitätssuche einer Generation ohne Grenzen – und ohne Heimat.

Die 1984 geborene Berlinerin Olga Grjasnowa hat ein Romandebüt vorgelegt, das die deutschen Feuilletons begeistert. In ihrem Buch „Der Russe ist einer, der Birken liebt“ verarbeitet die im aserbaidschanischen Baku geborene Schriftstellerin ihre eigene international geprägte Biographie.

Die Hauptfigur des gefeierten Erstlingswerks heißt Mascha Kogan. Sie ist von Beruf Dolmetscherin und spricht folgende Sprachen: Aseri, Russisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Polnisch und Arabisch. Im Verlauf des Buches lernt sie noch auf die Schnelle Hebräisch. Ähnlich polyglott ist das weitere Romanpersonal. Maschas Freund ist Deutscher, Maschas Ex-Freund ist Libanese, ein weiterer kommt aus der Türkei, außerdem spielen in dem Buch Araber, Israelis und Thailänder mit. Die Handlungsorte sind Berlin, Apolda und Israel. In erschütternden Rückblenden berichtet die Protagonistin von einem schlimmen Trauma, das sie in ihrer ursprünglichen Heimat Aserbaidschan erleben musste.

Die Handlung des Buches kann man als anhaltende Fluchtbewegung Maschas interpretieren. Ihr deutscher Freund Elias, den sie über alles liebt, zieht sich beim Fußballspielen eine schlimme Knieverletzung zu. Er liegt wochenlang im Krankenhaus. In dieser Zeit betrügt ihn Mascha mit ihrem Ex-Freund. Als Elias einige Tage zuhause ist und Mascha fragt, ob sie ihn betrogen hat, schreit sie ihn beleidigend an und schmeißt Teller durch die Gegend. Elias erleidet kurze Zeit später einen Schwächeanfall und muss wieder ins Krankenhaus, wo er stirbt, während Mascha mit ihrem Ex-Freund herumturtelt.

Nach Elias´Tod lebt Mascha eine Zeit lang weiter in der gemeinsamen

Wohnung. Sie hat die Aufgabe, die Sachen des Verstorbenen zu „entsorgen“. Sie muss zur Beerdigung ins ostdeutsche Apolda. Gleichzeitig ist sie mitten in den Abschlussprüfungen ihrer Dolmetscherausbildung. Es verwundert nicht, dass diese psychische Belastung zu viel für Mascha ist, die als Achtjährige in Aserbaidschan während des gewaltsamen Konflikts um Berg-Karabach den Tod einer jungen Frau mit ansehen musste. Mascha flüchtet sich in Drogen und sexuelle Abenteuer mit Männern und Frauen.

Sie findet nach ihrem sehr guten Dolmetscherabschluss eine Stelle in Israel. Ein erfolgreicher Professor ihrer Berliner Schule vermittelte ihr diesen Job, nachdem sie einmal mit ihm geschlafen hatte. In Israel wird Mascha psychisch immer schwächer. Am Ende steht sie blutend auf einem einsamen Feld in Palästina.

Den Namen Olga Grjasnowa wird man sich merken müssen. Sie schreibt Sätze, die ein Mensch, der sein Leben lang am selben Ort verbracht hat, niemals zu Papier bringen könnte. Insofern ist dieses Buch ein sehr willkommenes Aufputschmittel für den deutschen Buchmarkt. Es bleibt zu hoffen, dass Grjasnowa bald nachlegt.

Dieses Buch bestellen Sie bequem online bei Calle Arco.

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland