Spielerzwist bei Zenit Sankt Petersburg: Es geht ums liebe Geld

Zenits Cheftrainer Luciano Spalletti: In der Mannschaft herrscht die Unruhe. Foto: ITAR-TASS.

Zenits Cheftrainer Luciano Spalletti: In der Mannschaft herrscht die Unruhe. Foto: ITAR-TASS.

Beim russischen Fußballmeister läuft es in letzter Zeit nicht mehr rund mit dem runden Leder. Der Grund: Führende russische Spieler wollen so viel Geld wie die neuen Stars Hulk und Witsel. Der Club blockt ab.

Zenits Eigengewächse Igor Denissow und Alexander Kerschakow müssen ab sofort mit der B-Mannschaft trainieren. Für die beiden Nationalspieler ist es die Strafe dafür, dass sie „Unruhe in die Mannschaft gebracht haben", wie Cheftrainer Luciano Spalletti am Samstag erklärte.

Die auf der Pressekonferenz nach dem Auswärtsspiel gegen Krylja Sowetow Samara (2:2) gemachte Formulierung ist schwammig. Worum

es in Wirklichkeit geht, kam natürlich ziemlich schnell ans Licht: ums liebe Geld. Oder genauer: Denissow will so viel verdienen wie die ausländischen Neuzugänge Hulk und Witsel. In einem Interview für den „Sport-Express" sprach er von „Unausgeglichenheit". Er sähe nicht ein, warum die Neulinge „gleich drei Mal so viel" bekommen wie er und andere russische Stammspieler.  Stürmerstar Kerschakow stellt dagegen keine Forderungen und gibt auch keine Interviews. Aber er hat sich offensichtlich mit Denissow solidarisch erklärt und darf dafür mit ihm gemeinsam in die „Verbannung" gehen.

Kein Treffen mit Gazprom-Chef


Ein Informant aus Clubkreisen sagte derweil gegenüber dem Petersburger Stadtportal Fontanka.ru, Denissow verdiene schon jetzt mehr als Witsel und nicht viel weniger als Hulk. Das seien etwa drei Millionen Euro im Jahr. Der Mittelfeldmann möchte aber fünf Millionen haben. Entsprechende Vertragsverhandlungen sind offensichtlich ohne Erfolg ausgegangen. Der jetzige Kontrakt des frischgebackenen Kapitäns der russischen Nationalelf läuft noch bis 2015.

Zenit sei nicht gewillt, sich erpressen zu lassen, so der Informant. Die Clubführung erwarte von Denissow eine Entschuldigung, denn er hatte sich am Samstag geweigert, in Samara aufzulaufen. Es werde auch kein Treffen mit Gazprom-Chef Alexej Miller geben, so wie der Spieler es fordert.

Dialog oder Erpressung


Denissow sieht die Sache naturgemäß ganz anders. In dem Interview erklärte er, es ginge ihm nicht ums Geld, sondern um Gerechtigkeit für die russischen Stammspieler. Genau darüber wolle er mit Miller sprechen. Man habe ihn wochenlang vertröstet, deshalb sei die Spielverweigerung die nötige Konsequenz gewesen, um auf das Problem hinzuweisen. Er hätte vom Verein mehr Verständnis und Kooperationswillen erwartet: „Ich will einen Dialog, aber man wirft mir Erpressung vor!"

Das Problem liegt tiefer


Die Leistungen des russischen Fußballmeisters sind in den letzten Wochen durchwachsen. Nach zwei Niederlagen in der Premierliga

(gegen Rubin und Terek) steht Zenit aktuell nur auf Platz vier in der Tabelle. Dazu kommt eine sehr schlechte Vorstellung im ersten Gruppenspiel der Champions League (0:3 gegen Malaga). Wenn der Haussegen schief hängt, klappt es nicht mit dem Fußballspielen, ist der erste Gedanke. Aber das Problem liegt sehr viel tiefer. Es geht um die unverschämt hohen Summen, die im russischen Fußball unterwegs sind. Denissow will sich die dort herrschenden Spielregeln zunutze machen, und zugleich ist er ihr Opfer. Mit dem Spiel auf dem grünen Rasen hat das alles nur noch ganz am Rande etwas zu tun.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Russland Aktuell. 

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