Ungebremster Transfereifer in Russlands Fußball

Der deutsche Nationalspieler Lewis Holtby kann in Januar wohl zu Zenit Sankt Petersburg oder Spartak Moskau wechseln. Foto: AP

Der deutsche Nationalspieler Lewis Holtby kann in Januar wohl zu Zenit Sankt Petersburg oder Spartak Moskau wechseln. Foto: AP

Die russischen Top-Klubs bekunden großes Interesse an der Schalker Nummer 10 und deutschen Nationalspieler Lewis Holtby. Die Gerüchteküche um ihn brodelt. Über einen Transfer in die russische Premier-Liga im Winter wird spekuliert. Doch auch englische Klubs haben es auf Holtby abgesehen.

„Für meinen Mandanten interessiert sich eine Reihe bekannter Klubs aus dem Ausland, unter anderem Spartak Moskau und Zenit Sankt Petersburg", bestätigte Holtbys Spielerberater Markus Noack gegenüber der Tageszeitung Iswestija. Doch Holtby selbst würde momentan lieber in England spielen. Sein Vater ist Engländer, und auf der Insel zu spielen ist sein Traum.

Die englischen Klubs Arsenal London und FC Liverpool haben bereits Interesse an der Nummer 10 von Schalke 04 bekundet. Arsenal hat sogar schon ein konkretes Angebot gemacht. Einzig die Transfersumme hat den Klub um Coach Arsène Wenger abgeschreckt.

Englischen Medienberichten zufolge wollten die Schalker für ihren Star rund 14 Mio. Euro. Deshalb entschied sich Arsenal letztendlich für den

Spanier Santi Cazorla. Für Arsenal-Konkurrent Liverpool bleibt Holtby ganz oben auf der Wunschliste. Dessen neuer Trainer Brendan Rodgers wollte den Deutschen unbedingt bereits im Sommer in seiner Mannschaft haben. Doch als sich die Möglichkeit bot, den Waliser Paul Allen zu holen, verlor das Thema Holtby an Aktualität. Das Interesse der englischen Klubs am jungen deutsch-englischen Fußballtalent kommt nicht von ungefähr. „Holtby ist ein unglaublich schneller Spieler, sportlich-frech, mit gutem Dribbling. Ich verfolge seine Fortschritte seit seinen Zeiten bei Mainz 05. Ich denke, er hat eine riesen Karriere vor sich. Er ist die Zukunft des deutschen Fußballs", wird Bundestrainer Joachim Löw im Fachblatt Kicker zitiert.

Russische Premier-Liga verspricht sich Image- und Qualitätsgewinn


Ein Fußballer vom Niveau eines Holtby kann für die Präsenz der Russen in der Champions League nur förderlich sein. Holtby spielt sowohl über die linke als auch rechte Flanke sehr gut. Seine Wendigkeit und Fähigkeit, auch Leaderfunktionen wahrzunehmen, sind das verlangte Geld wert. Holtbys Vertrag mit Schalke läuft im Juni 2013 aus. Er hat bereits mitgeteilt, dass er ihn nicht verlängern wird. Schalke 04 wird somit diesen Winter eine letzte Chance haben, den Fußballer zu verkaufen, bevor dieser ablösefrei ist.

„Wenn ein Fußballer solchen Formats zu Spartak oder Zenit stoßen würde, wäre das eine beneidenswerte Verstärkung. Ein Spieler dieser

Klasse wäre ein echter Gewinn für diese Mannschaften und würde der Spielqualität dieser Klubs neue Impulse geben", schwärmt Sergei Juran, ehemals aktiver Spieler in der Bundesliga und heute Trainer des FC Sibir Nowosibirsk. Da Aiden McGeady im Januar Spartak in Richtung FC Everton verlassen könnte, wäre ein Transfer des Deutschen zu Spartak ein logischer Schritt. Ähnlich sieht die Situation bei Zenit aus, wo man schon seit langem das Mittelfeld verstärken will.

Holtby wuchs im Erkelenzer Ortsteil Gerderath als Sohn eines englischen Vaters und einer deutschen Mutter auf und spielte bis 2004 in der Jugend von Sparta Gerderath und Borussia Mönchengladbach. Dort wurde er aufgrund vermeintlicher körperlicher Defizite aussortiert und wechselte anschließend zu Alemannia Aachen. Zur Saison 2009/10 kam Holtby zum Bundesligisten FC Schalke 04. Nach Zwischenstationen beim VfL Bochum und dem 1. FSV Mainz 05 kehrte er im Sommer 2011 nach Schalke zurück. Dort brachte er es seither auf 31 Einsätze und erzielte 8 Tore.

Am 10. November 2010 wurde der ehemalige U21 Nationalspieler erstmals für den A-Kader für das Länderspiel gegen Schweden nominiert und stand dort in der Startelf. Am 7. Juni 2011 gab Holtby im EM-Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan sein Pflichtländerspieldebüt für die deutsche A-Nationalmannschaft und wurde damit endgültig nur noch für Deutschland spielberechtigt.

Die ungekürzte Fassung dieses Beitrags erschien zuerst bei der Zeitung Iswestija.

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland