Apple und Yandex: Win-Win-Situation auf Zeit?

Yandex wird geographische Daten für die OpenStreetMap-Lösung von Apple liefern.  Foto: PhotoXPress.

Yandex wird geographische Daten für die OpenStreetMap-Lösung von Apple liefern. Foto: PhotoXPress.

Der russische IT-Gigant Yandex geht eine Kooperation mit Apple ein. Yandex wird Daten für das neue Betriebssystem iOS 6 für den russischen Markt bereitstellen. Offiziell kommentiert hat Yandex den Deal noch nicht.

Doch wer profitiert von dieser Kooperation? Für die russische Seite bietet die neue Allianz zweifellos ein großes Plus: eine gewaltige PR-Kampagne quasi zum Nulltarif. Doch auch Apple, eines der weltweit mächtigsten Unternehmen überhaupt, dürfte sich auf ein Geschäft mit Yandex nicht ganz uneigennützig eingelassen haben.

Eldar Murtasin, leitender Analyst bei der Mobile Research Group, formuliert es ganz offen: „Yandex ist für Apple das optimale Sprungbrett. Das Unternehmen hat sich bewusst gegen die Nutzung von Daten seines alten Konkurrenten Google entschieden. Die einzigen Anwendungen, die mit Google-Maps qualitativ mithalten können, sind die von Navteq. Die Lizenz dafür wäre aber zu teuer. Apple wird daher auf das kostenfreie OpenStreetMap-Format zurückgreifen, braucht aber für dessen Entwicklung noch geographische Daten. Und genau die bietet Yandex."

Sucht ein Nutzer von OpenStreetMap einen bestimmten Ort auf der Karte, so muss er dafür eine konkrete Anfrage eingeben. Spannend wird

es, wenn es um eine konkrete Adresse geht, zum Beispiel eine Bar oder ein Geschäft. Diese Anfragen werden sorgfältig gesammelt und in ein umfassendes Datensystem eingespeist. Mit Hilfe dieses Datensystems können die Vorlieben eines Nutzers abgespeichert werden, oder einfacher ausgedrückt: Es entsteht eine unschätzbare Basis für zielgerichtete Werbung. Google verfolgt diese aggressive Strategie bereits seit einiger Zeit, nun will Apple seinen Konkurrenten genau auf diesem Feld schlagen. Doch Google nutzt eigene Ressourcen, über die Apple noch nicht verfügt. Daher ist das kalifornische Unternehmen auf die Zusammenarbeit mit externen Entwicklern angewiesen.

Wassili Prosorowski arbeitet als Analyst für die IT-Zeitschrift CNEWS. Seine Einschätzung ist alarmierend: „Man muss die Nutzung von Yandex-Maps durch Apple im Kontext der Konkurrenz zweier großer mobiler Betriebssysteme sehen: iOS und Android. Android wird von Google kontrolliert und es liegt verständlicherweise im Interesse Apples, die Kooperation mit dem Konkurrenten so gering wie möglich zu halten. Ähnlich gestalten sich die Beziehungen zu Samsung."

Noch bis vor Kurzem habe Samsung, derzeit Apples Hauptrivale auf dem Markt, Displays für Smartphones und Tablets an das Unternehmen geliefert. „Wenn das so weitergeht und Apple mit allen ins Geschäft kommt, die gefährlich werden könnten, dann könnten auch Marktteilnehmer etwa aus Russland oder Brasilien in das Apple-Fangnetz geraten", ergänzt Prosorowski.

Diese These scheint sich immer mehr zu bewahrheiten. So hat Apple Gerüchten zufolge enge Kontakte zum chinesischen Internet-Giganten

Baidu geknüpft. Er wird in China die gleiche Rolle spielen, die auch Yandex zugefallen ist und Daten für die iOS 6-Maps und die damit zusammenhängenden Suchanfragen liefern. Doch das ist erst der Anfang: Indien, Brasilien und andere Entwicklungsländer stehen bereits in den Startlöchern. Ihnen winken äußerst gewinnbringende Geschäftsbeziehungen und die Chance, mit minimalen Investitionen den internationalen Durchbruch zu schaffen.

Eine Frage bleibt freilich offen: Was geschieht mit den neuen Verbündeten, wenn der IT-Riese Apple die Daten für die Optimierung des OpenStreetMap-Formats hat? Das dürfte nach Einschätzung von Experten in zwei bis drei Jahren der Fall sein. Wird dann die Idylle der Win-Win-Situation zu einem jähen Ende kommen?

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