Russische und deutsche Unis arbeiten enger zusammen

Ljudmila Werbitskaja, die Präsidentin der Staatlichen Universität Sankt Petersburg, Konstantin Kossatschew, Leiter der Agentur „Rossotrudnitschestwo“, Anna Prinz, Beauftragte im Auswärtigen Amt für Wissenschaftsaustausch und Kulturbeziehungen. Foto:

Ljudmila Werbitskaja, die Präsidentin der Staatlichen Universität Sankt Petersburg, Konstantin Kossatschew, Leiter der Agentur „Rossotrudnitschestwo“, Anna Prinz, Beauftragte im Auswärtigen Amt für Wissenschaftsaustausch und Kulturbeziehungen. Foto:

Vom 3. bis zum 6. Oktober fand in Berlin im Rahmen des Russlandjahres das 3. Internationale Studentenforum statt. Bei zahlreichen Workshops und Podiumsdiskussionen tauschten sich Studenten, Wissenschaftler und Rektoren russischer und deutscher Unis über die Chancen einer engeren Zusammenarbeit aus.

Der Austausch zwischen deutschen und russischen Universitäten soll intensiviert werden. Dafür setzt sich die staatliche russische Agentur „Rossotrudnitschestwo“ ein. Im Rahmen des diesjährigen Russlandjahres in Deutschland hat „Rossotrudnitschestwo“ Anfang Oktober in Berlin das „3. Internationale Studentenforum“ eröffnet. Die Veranstaltung, die in den Jahren zuvor bereits in Italien und Frankreich stattfand, brachte in diesem Jahr 250 russische Studenten und Nachwuchswissenschaftler nach Berlin. Ziel war es, deutsche Kollegen kennenzulernen und sich zu vernetzen.

„In diesem Jahr sind bereits 70 Hochschulen beteiligt“, verkündete Konstantin Kossatschew, Leiter der „Rossotrudnitschestwo“ und Organisator des Forums am 4. Oktober im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur vor der Presse. An der Humboldt-Universität, der Technischen Universität und der Universität der Künste gab es in den darauffolgenden Tagen eine Fülle an Diskussionen und Workshops.

Es ging etwa um Erfahrungen in der internationalen Hochschulzusammenarbeit, um russisch-deutsche Stereotype, um

Energiewirtschaft und sogar um Propaganda: ein Vortrag zu Lenin-Denkmälern in Russland und Deutschland stand auf dem Programm. Anna Prinz, beim Auswärtigen Amt für Wissenschaftsaustausch und Kulturbeziehungen zuständig, berichtete, dass derzeit ca. 12 000 Studenten aus Russland in Deutschland studieren. Das Ziel sei es, neue und innovative Studiengänge zwischen Russland und Deutschland aufzubauen. So sei etwa an der Universität von Sankt Petersburg ein Zentrum für Deutschland- und Europastudien in Planung. Auch die Technische Universität in Berlin werde ihr Engagement in Osteuropa verstärken. „Im Rahmen des Bologna-Prozesses hat sich Deutschland in den vergangenen Jahren sehr modernisiert in Bezug auf neue und verkürzte Studiengänge. Bisher gibt es mit wenigen russischen Universitäten eine Anerkennung der Abschlüsse, daran müssen wir in Zukunft arbeiten“, so Prinz.

Deutsch-russische Hochschulrektorenkonferenz


Begleitend zum Studentenforum fand am 4. Oktober eine Konferenz mit russischen und deutschen Hochschulrektoren statt. Rund ein Drittel der Teilnehmer käme von deutschen Hochschulen, berichten die Veranstalter. In einzelnen Arbeitsgruppen wurde etwa über neue infrastrukturelle Hochschulkonzepte diskutiert, aber auch über internationale interdisziplinäre Labore und innovative Wissenschafts- und Bildungszentren. Um die gegenseitige Anerkennung von Hochschulabschlüssen, Visaerleichterungen und um die Rolle von Sprachkompetenzen soll es ebenfalls gegangen sein.

Bis 2015 läuft ein von „Rossotrudnitschestvo“ organisiertes, staatlich finanziertes Programm, das russische Sprachkurse im Ausland anbietet. „Derzeit nehmen 19.000 Personen weltweit daran teil. Das ist zu wenig“, so Kossatschew. Laut Kossatschew ist eine Art russisches Goethe-Institut geplant. Auch die Struktur des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) will sich die Agentur zum Vorbild nehmen.

Die  Studenten aus Russland hatten im Foyer des Russischen Hauses Stände mit russischen Leckereien, Fähnchen und Broschüren aufgebaut,

mit denen sie ihre Hochschulen präsentierten. Anna Litwinenko und Anna Smoljarowa z.B standen dort für das deutsch-russische Zentrum für Journalistik an der Staatlichen Universität Sankt Petersburg. Smoljarowa hatte selbst in Dortmund studiert und zog folgenden Vergleich: Der Unterricht sei in Russland anders als in Deutschland. In Russland dominierten Vorlesungen, in Deutschland werde mehr diskutiert. „An unserem Institut sind die deutsch-russischen Beziehungen die am besten funktionierenden“, sagte Anna Litwinenko.  Die Universität pflegt Austauschbeziehungen zu Hamburg, Dortmund und auch zum Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaften an der FU Berlin. „Zusammen mit der FU soll ein gemeinsamer Masterstudiengang entwickelt werden“, so Litwinenko.

Bei der anschließenden feierlichen Eröffnung des Forums im Russischen Haus waren unter anderem Ljudmila Werbitskaja, die Präsidentin der Staatlichen Universität Sankt Petersburg und Lothar de Maizière, Vorsitzender des Lenkungsausschusses des Petersburger Dialoges, anwesend.