Gefährlichste Krise des Kalten Krieges

Der amerikanische Präsident John F. Kennedy trifft sich mit dem Außenminister der UdSSR Andrej Gromyko. Foto: Corbis.

Der amerikanische Präsident John F. Kennedy trifft sich mit dem Außenminister der UdSSR Andrej Gromyko. Foto: Corbis.

Vor genau 50 Jahren, im Oktober 1962, kam es in den Beziehungen zwischen der UdSSR und den USA zu einer Krise, die in der Folgezeit in Russland als Karibik-Krise und in Amerika als Kuba-Krise bezeichnet wurde. Im Laufe von 13 Herbsttagen befand sich die Welt an der Schwelle zu einer atomaren Katastrophe, doch buchstäblich im letzten Augenblick gelang dem Premier der UdSSR Nikita Chruschtschow und dem Präsidenten der USA John F. Kennedy eine Einigung und ein Atomkrieg konnte verhindert werden. Russland Heute hat einen Zeitstrahl erstellt, der diesen Tagen und den der Krise vorausgegangenen Ereignissen gewidmet ist.

Januar 1959 - Kuba-Revolution


Der Revolutionär Fidel Castro trägt im sechstägigen bewaffneten Kampf um die Macht den Sieg davon. Der kubanische Diktator Fulgencio Batista flieht außer Landes und Castro übernimmt den Posten des kubanischen Ministerpräsidenten. Castro spricht direkt vom sozialistischen Charakter der Revolution.

 7. Mai 1960 - Diplomatische Freundschaft


Die UdSSR erkennt die kubanische Regierung an und nimmt diplomatische Beziehungen zu ihr auf.

 17.-19. April 1961 - Scheitern der Invasion in der Schweinebucht


Die von den Amerikanern vorbereitete Militäroperation zum Sturz des Castro-Regimes mit Hilfe von kubanischen Konterrevolutionären scheitert. Die Sowjetregierung schickt eine Protestnote an die Vereinigten Staaten, in der sie die Beendigung der Aggression gegen Kuba fordert.

 1961 - Amerikanische Raketen in der Türkei


Die Vereinigten Staaten stationierten Mittelstreckenraketen in der Türkei, die eine Bedrohung für den westlichen Teil der UdSSR darstellten.

Sommer-Herbst 1962 - Geheimoperation


Unter strengster Geheimhaltung wurden auf Kuba 42 sowjetische Raketen mit nuklearen Sprengköpfen und Kampfflugzeuge, die sich als Träger von Atombomben eigneten, stationiert. Dieser Beschluss, der im Mai 1962 auf der Sitzung des Verteidigungsrates getroffen wurde, diente den Interessen beider Seiten - das kommunistische Kuba erhielt einen sicheren Schutz vor jeglicher Aggression seitens der USA und die sowjetische Militärregierung senkte auf diese Weise die Flugzeit ihrer Raketen bis auf amerikanisches Gebiet.

14. Oktober 1962 - Geheimes wird offensichtlich


Ein amerikanisches Aufklärungsflugzeug fotografiert aus der Luft die Raketenabschussbasis auf Kuba.

16. Oktober 1962 - Der Beginn der Krise


Nach Bearbeitung und Analyse der Information übergibt die Zentrale Aufklärungsverwaltung der USA die Ergebnisse der Aufnahmen aus der Luft dem amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy. Kennedy ruft das Exekutivkomitee des Nationalen Sicherheitsrates der USA (The Executive Committee of the National Security Council), dem der amerikanische Vizepräsident Lyndon Johnson, Staatssekretär Dean Rusk, Verteidigungsminister Robert McNamara, Generalstaatsanwalt Robert Kennedy u.a. angehören. Das Komitee schlägt drei mögliche Vorgehensweisen vor: Vernichtung der Raketen durch punktuelle Zerstörung, Durchführung einer großangelegten Militäroperation oder Einführung einer Kuba-Blockade.

18. Oktober 1962 - Ablehnung


Kennedy trifft sich mit dem Außenminister der UdSSR Andrej Gromyko und dem sowjetischen Botschafter in den USA Anatolij Dobrynin. Letzterer weiß nichts von Chruschtschows Plänen, und Gromyko versichert dem amerikanischen Präsidenten, auf Kuba seien keine sowjetischen Raketen stationiert.

 22. Oktober - Fernsehansprache von Kennedy


Der amerikanische Präsident John F. Kennedy teilt seinem Volk in einer Fernsehansprache mit, dass auf Kuba sowjetische Raketen entdeckt wurden, und fordert die UdSSR auf, diese unverzüglich zu entfernen. Zudem kündigt er die Einführung einer „Quarantäne" in Bezug auf Kuba an. Der Terminus war nicht zufällig gewählt: Die Blockade wurde von der internationalen Staatengemeinschaft als kriegerische Aktion aufgefasst.

 24. Oktober 1962 - Erhöhte Kampfbereitschaft


Amerikanische Militärschiffe umkreisen Kuba. Die Streitkräfte der UdSSR und der Länder des Warschauer Paktes werden in einen Zustand erhöhter Kampfbereitschaft versetzt. Gegen Abend erreichen - ungeachtet der angekündigten Quarantäne - die „Aleksandrowsk" (mit nuklearen Sprengköpfen an Bord) und andere sowjetische Schiffe das kubanische Ufer. Die Amerikaner eröffnen nicht das Feuer.

Chruschtschow und Kennedy tauschen Botschaften aus. Der amerikanische Präsident ruft den sowjetischen Premier dazu auf, „Vernunft walten zu lassen", und der Regierungschef der UdSSR fordert die Aufhebung der Quarantäne - „einem Akt der Aggression, der die Menschheit an den Abgrund eines weltweiten Atomkrieges führt".

25. Oktober 1962 - Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats


Eine der denkwürdigsten Szenen in der Geschichte der UNO spielte sich ab. Der Vertreter der USA Adlai Stevenson versucht den sowjetischen Vertreter Walerian Sorin dazu zu bringen, die Frage nach der Stationierung von Raketen auf kubanischem Boden zu beantworten und stellt die bekannt gewordene Forderung auf: „Warten Sie nicht auf die Übersetzung!" Stevenson wartet die Antwort nicht ab und zeigt den Teilnehmern des Treffens Fotos von den Raketenstellungen auf kubanischem Territorium.

26. Oktober 1962 - Versöhnungsbotschaft


Chruschtschow schickt Kennedy einen Brief, in dem er die Demontage der sowjetischen Raketen sowie deren Abtransport von kubanischem Territorium anbietet, wenn die Vereinigten Staaten versprechen, nicht auf die Freiheitsinsel Kuba einzumarschieren. Der Brief endet mit dem Satz: „ Wir beide sollten jetzt nicht an den Enden des Taus ziehen, in das Sie den Knoten des Krieges geknüpft haben".

 27. Oktober 1962 - „Schwarzer Samstag"


Auf Kuba stationierte sowjetische Truppen schießen mit einer Flugabwehrrakete ein amerikanisches Aufklärungsflugzeug ab. Der Pilot kommt dabei ums Leben. Die Stimmung ist bis an die Grenze aufgeheizt - der Präsident der USA beschloss, binnen 48 Stunden mit dem Bombardement der sowjetischen Raketenstellungen zu beginnen und einen Militärangriff auf die Insel durchzuführen. Ein Atomkrieg scheint unabwendbar. Viele Amerikaner verlassen die Großstädte, da sie einen baldigen Militärschlag der Sowjets befürchten.

Die Nacht auf den 28. Oktober 1962 - Die Nacht der Entscheidung


Der Botschafter der UdSSR in den USA Anatolij Dobrynin trifft sich in seiner Residenz mit dem Generalstaatsanwalt der USA Robert Kennedy. Kennedy bekräftigt, dass Washington zur Einstellung der Blockade und einer Nichtangriffs-Garantie für Kuba bereit sei, wenn Moskau seine Raketen von der Friedensinsel abziehe. Zudem bekräftigt er die Bereitschaft der USA, die amerikanischen Raketen in der Türkei innerhalb weniger Monate zu demontieren. Chruschtschows Memoiren zufolge schuf eben dieses Treffen die Grundlage für einen möglichen Kompromiss.

28. Oktober 1962 - Lösung der Krise


Die Sowjetführung versammelt sich auf der Datscha in Nowo-Ogarewo und beschließt, den Forderungen der USA bezüglich eines Abzugs der sowjetischen Raketen von kubanischem Boden zuzustimmen. Die weltweite Anspannung nimmt rasch ab.

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