Erste Pussy Riot-Frau zieht mit Klage nach Straßburg

Jekaterina Samuzewitsch von Pussy Riot klagt am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Sie prozessiert wegen „Verletzung der Meinungsfreiheit, gesetzeswidriger Strafverfolgung und unbegründeter Haft".

Irina Chrunowa, die Anwältin der auf Bewährung freigelassenen Moskauer Punkmusikerin, hält selbst die Bewährungsstrafe ihrer Mandantin für eine Verletzung des Rechts auf Meinungsfreiheit", denn die zuständigen russischen Gerichte hätten mehr als einmal die europäische Konvention über Folter verletzt: „Die Verhandlungen liefen ganze Tage, es gab maximal 30 Minuten Pause. Dabei hatte die Klägerin die ganze Zeit keine Möglichkeit, Nahrung zu sich zu nehmen, Wasser zu trinken und ordentlich zu schlafen. Um zum Gericht gebracht zu werden, musste sie jeden Morgen um fünf oder sechs aufstehen."

Auch die beiden zu zwei Jahren Straflager verurteilten Frauen von Pussy Riot bereiten Klagen in Straßburg vor. „Der Fall ist einzigartig, weil bei dem Prozess nicht nur russische Gesetze verletzt wurden, sondern auch internationale Rechtsnormen", sagt ihr Anwalt Nikolai Polosow. Ihr Antrag auf Haftaufschub bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres ihrer minderjährigen Kinder war zuvor von einem Moskauer Bezirksgericht abgeschmettert worden.

Samuzewitschs Entscheidung für den Gang nach Straßburg löst bei

manchen orthodoxen Gläubigen Empörung aus. „Samuzewitsch hat eine Chance bekommen, aber sie setzt ihren Kampf gegen Mutter Kirche und unsere Heimat fort", kommentiert Kirill Frolow, der Leiter der Assoziation russisch-orthodoxer Experten. Laut Anatoli Ptschelinzew, dem Vorsitzenden des Slawischen Rechtszentrums, will Pussy Riot mit diesem Schritt „das Aufsehen um ihren Fall verlängern": „Damit wollen sie erreichen, dass der Fall Pussy Riot nicht in Vergessenheit gerät."

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Russland Aktuell. 

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