Gazprom setzt auf die Förderung von Schieferöl

Die Förderung von Schieferöl ist für Gazprom rentabler als die Förderung von herkömmlichem Öl. Foto: Getty Images.

Die Förderung von Schieferöl ist für Gazprom rentabler als die Förderung von herkömmlichem Öl. Foto: Getty Images.

Gazprom Neft, Öl-Tochterunternehmen von Gazprom, wird zusammen mit dem britischen Shell-Konzern Schieferöl fördern. Projekte zur Produktion von Schieferöl werden wegen Steuervergünstigungen künftig attraktiver sein als die Förderung von traditionellem Öl.

Unter Schieferöl versteht man Kohlenwasserstoffe, die in zwei Kilometern Tiefe in Westsibirien lagern. Das Thema Schieferölförderung wurde am vergangenen Freitag bei Gazprom auf einer Sitzung des Direktorenrats erörtert. In einer Mitteilung heißt es, Gazprom Neft sammle Erfahrungen mit der Förderung von Schieferöl bei der Erschließung der Baschenow-Formation in Westsibirien. Die Entwicklungsarbeiten führt Sаlym Petroleum Development (SPD) durch - ein Joint Venture von Gazprom und Shell.

„Im Gegensatz zu Schiefergas, dessen Förderung in Russland zurzeit nicht aktuell ist, ist die Förderung von Schieferöl für Gazprom von großem Interesse und wir beabsichtigen, uns mit diesem Thema aktiv zu befassen", teilte Alexej Miller, Vorsitzender des Direktorenrats von Gazprom Neft und Chef des Unternehmens Gazprom, mit.

Diese Erklärung folgte einer Anordnung, die Präsident Wladimir Putin Gazprom in der vergangenen Woche erteilt hatte. Der Konzern soll die Hauptprinzipien der Gasexportpolitik vertreten, und zwar unter Berücksichtigung der Entwicklung bei der Produktion von Schiefer- und Flüssiggas. So stieg im Jahre 2011 die Fördermenge von Schiefergas in den USA auf 214 Milliarden Kubikmeter an.

„Wir müssen die momentanen Tendenzen auf dem Weltgasmarkt bei der Zusammenarbeit mit unseren ausländischen Partnern in vollem Umfang berücksichtigen und neue, für alle Beteiligten annehmbare Formen der Zusammenarbeit finden sowie uns am Endverbraucher orientieren", führte der Präsident weiter aus (Zitat von RIA Nowosti).

Erheblich höhere Kosten als für herkömmliche Bohrungen


„Sämtliche Schieferöl-Projekte in Russland befinden sich zurzeit noch im Anfangsstadium. Die wirtschaftliche Effektivität einer industriellen Nutzung

ist noch nicht nachgewiesen", erläutert der Analyst der Finanzholding IFD Kapital Vitalij Krjukow. Nach Angaben des Experten belaufen sich die Erschließungskosten für Schieferöl möglicherweise auf das Vierfache von herkömmlichen Bohrungen. Die Förderraten solcher Bohranlagen schrumpfen oftmals in den ersten Jahren ihrer Nutzung. Daher seien bestimmte technologische Lösungen zur Aufrechterhaltung der Fördermengen von Nöten. Seiner Ansicht nach ist es nicht möglich, die Erfahrungen von amerikanischen Unternehmen, die bereits aktiv Schieferöl fördern, einfach auf die russischen Bedingungen zu übertragen. Die geologischen Bedingungen solcher Projekte sind - je nach Region – äußerst unterschiedlich. Bis vor kurzem war die Erschließung nicht einmal profitabel.

Steuervergünstigungen und eine schönere Unternehmensbilanz

Trotz allem steht das Interesse von Gazprom Neft an solchen Projekten möglicherweise in Zusammenhang mit den von der Regierung in Aussicht gestellten Steuervergünstigungen für schwer förderbares Öl. Nach

Einschätzung des Analysten von UBS Konstantin Tscherepanow führen solche Subventionen dazu, dass die Förderung von Schieferöl rentabler als die Förderung von herkömmlichem Öl wird. Bei einem Ölpreis von 100 US-Dollar pro Barrel wirft die Erschließung traditioneller Lagerstätten bei den zurzeit existierenden steuerlichen Bedingungen einen Gewinn von 5 US-Dollar ab. Zur gleichen Zeit bringt angesichts der neuen Steuervergünstigungen - 0% Fördersteuer und 10% Zoll für schwer förderbares Öl beim Export - die Gewinnung von schwer förderbarem Öl einen Gewinn von 35 - 40 US-Dollar. Nach Einschätzung des Experten führt dies zu einer entscheidenden Verbesserung der Unternehmensbilanz, und zwar ungeachtet der zusätzlichen Ausgaben bei der Förderung.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei RBC Daily.

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