Schrott im Weltall: Bedrohung für die Raumfahrt

Der Weltraumschrott ist aufgrund seiner enormen Geschwindigkeit von ungefähr 10 km/s eine große Gefahr. Foto: Pressebild.

Der Weltraumschrott ist aufgrund seiner enormen Geschwindigkeit von ungefähr 10 km/s eine große Gefahr. Foto: Pressebild.

Die Beseitigung von Weltraumschrott – Abfälle der Weltraumtechnik – war nie ein großes Thema. Doch das wird sich ändern. Die Anzahl der Trümmer, die frei im All schweben, wächst stetig und bedroht die internationale Raumfahrt.

Mitte Oktober brach die russische Raketenstufe Bris-M in erdnaher Umlaufbahn auseinander. Laut Berechnungen von Spezialisten zerfiel der Booster in fünf große Bruchstücke, die sich auf eine Höhe von 5000 km bis 250 km über der Erde verteilten. Die Bruchstücke stellen eine Gefahr für die Raumflugkörper dar, die sich auf diesem Orbit befinden. Dazu gehört auch die ISS, die auf einer Höhe von ungefähr 400 km um die Erde kreist.

„Auf den Fotos konnten wir mehr als 60 verschiedene Trümmerteile ausmachen. Ich nehme aber an, dass es insgesamt weit mehr als einhundert Trümmerteile waren", teilte der australische Astronom Robert McNaught den russischen Medien mit. Sollte der Weltraummüll auf die ISS treffen, könnte dies zu fatalen Folgen führen.

Mehrere hunderttausend Schrottteile schweben im All herum


Nach Schätzungen der NASA beträgt die Zahl der

von Menschenhand geschaffenen Objekte im Weltraum mehr als 100 000. Die Zahl der Trümmerteile auf der Umlaufbahn mit einer Größe von mehr als einem Zentimeter könnte jedoch nach amerikanischen Berechnungen bis zu 600 000 betragen. 2008 schätzte die russische Raumfahrbehörde Roskosmos die Gesamtmasse der Objekte noch auf mehr als 5 000 Tonnen. Doch bis Mitte 2010 hat sich nach neuen Schätzungen von Roskosmos die Zahl der Weltraummüll-Teilchen auf Dutzende Millionen vergrößert.

Der Weltraummüll unterliegt, wie alle materiellen Objekte auf der Welt, den Gesetzen der Schwerkraft. Deshalb nähert er sich allmählich der Erdoberfläche und tritt irgendwann einmal in die Erdatmosphäre ein und verglüht darin.

Doch dieser Prozess dauert sehr lange. Für Objekte, die in einer Höhe von weniger als 600 km „weggeworfen" wurden, dauert er mehrere Jahre. In einer Höhe von 800 km vergehen dafür bereits mehrere Dutzend Jahre und bei einer Ausgangshöhe von 1 000 Kilometern dauert der Prozess ein ganzes Jahrhundert. Die Zunahme des Weltraumschrotts übersteigt dabei bei Weitem dessen natürliche Entsorgung.

Bemannte Raumfahrten sind bedroht


Der Schrott ist aufgrund seiner enormen Geschwindigkeit von ungefähr

Rangliste der "schmutzigsten" Weltraumnationen: Zahl der Abfall-Objekte, die von den Weltraumnationen im All anfallen (laut Angaben der NASA):

1. Russland - 6195

2. USA - 4946

3. China-  3726

4. Frankreich- 492

5. Japan - 277

6. Indien - 175

10 km/s eine große Gefahr. Bei einer solchen Geschwindigkeit kann laut Angaben russischer Fachleute sogar ein winziges Trümmerteil von nur 0,5 mm Größe einen Schutzanzug durchschlagen. Wenn die Situation nicht gelöst wird, kann dieser Weltraum-Müll nach Meinung russischer Wissenschaftler zum Abbruch der bemannten Weltraumflüge und des Starts von Satelliten führen. Momentan sind die beiden führenden Weltraumnationen – die USA und Russland – lediglich in der Lage, die Bewegung des Weltraummülls zu verfolgen und dessen Laufbahn zu berechnen, um Zusammenstöße zu vermeiden. Brauchbare Verfahren zur Beseitigung des Schrotts existieren vorerst noch nicht.

Ein Staubsauger als Lösung?


Die führenden Raumfahrtbehörden schlagen verschiedene Methoden im Kampf gegen die orbitale Verschmutzung vor. Auch Roskosmos engagiert sich auf diesem Gebiet. Mitte Oktober verkündete die russische Raumfahrtbehörde, dass sie zwei Milliarden US-Dollar in ein Programm zum Aufsammeln und Neutralisieren von Weltraummüll zu investieren beabsichtigt.

Eines der Projekte schlägt der Raumfahrtkonzern RKK Energija vor, der über Pläne zum Bau eines speziellen kosmischen „Staubsaugers"

berichtet hat, womit fast 600 ausgediente Satelliten eingesammelt und anschließend ohne negative Auswirkungen aus der Umlaufbahn entfernt werden sollen, um danach in der Atmosphäre zu verglühen. RKK Energija plant, die Entwicklungsarbeiten und die praktischen Versuche am Apparat bis zum Jahre 2020 abzuschließen. Mit dem Herausführen des Weltraummülls soll spätesten 2023 begonnen werden. Der Raumfahrtkonzern teilt außerdem mit, dass er an einer kosmischen Abfangvorrichtung arbeitet, die in der Lage ist, gefährliche Objekte von außerhalb unseres Sonnensystems zu neutralisieren.

Gegenwärtig arbeiten die russischen Wissenschaftler noch am Instrumentarium zur Beobachtung der Situation im Weltraum. So wurde auf der Grundlage des Moskauer Astronomischen Wissenschaftszentrums bereits ein einmaliges System zum Beobachten kosmischer Objekte und zur Vorwarnung von Notfallsituationen im Weltraum geschaffen. Laut dem stellvertretenden Direktor des Zentrums Anatolij Sajaz sammelt das neue System Daten praktisch von allen Observatorien der Welt und gestattet es, rechtzeitig vor Gefahren zu warnen.

Anatolij Sajaz unterstrich besonders, dass das Vorwarnsystem bisher noch einzigartig für die zivile Raumfahrt sei und man sich in Zukunft „unmittelbar mit dem Problem des Weltraummülls" beschäftigen werde.

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