Deutsche Nachkriegskunst in Moskau zu sehen

Die Eröffnung der Moskauer Ausstellung „Wirklichkeit der Malerei: Das Bild in der deutschen Kunst 1950-2010“ im Rahmen des Deutschlandjahres in Russland. Foto: Sascha Fialkowskaj

Die Eröffnung der Moskauer Ausstellung „Wirklichkeit der Malerei: Das Bild in der deutschen Kunst 1950-2010“ im Rahmen des Deutschlandjahres in Russland. Foto: Sascha Fialkowskaj

Einen Überblick über die deutsche Kunst nach dem Krieg bietet die Ausstellung „Die Gegenwart der Bilder – Deutsche Malerei: Höhepunkte aus sechs Jahrzehnten“, die seit dem 1. November im Moskauer Staatlichen Zentrum für Gegenwartskunst zu sehen ist. Die Ausstellung möchte eine Vorstellung davon vermitteln, wie die deutsche Kunst nach dem Krieg „wiederauferstanden“ ist.

Nach Aussage des Generaldirektors des Kunstzentrums Michail Mindlin besteht das übergeordnete Ziel des Projektes darin, dem russischen Besucher eine Vorstellung über die grundlegenden Tendenzen in der deutschen Malerei der vergangenen sechzig Jahre zu vermitteln.

Die Ausstellung wurde im Rahmen des Deutschlandjahrs in Russland 2012/13 organisiert, das sich mit einer Vielzahl von Lesungen und Ausstellungen präsentiert. So etwa gibt es eine Joseph-Beuys-Werkschau zu sehen, die Eremitage zeigt Werke von Paula Modersohn-Becker und den Worpsweder Künstlern, Sigmar Polke wird im Rahmen einer Ausstellung der Galerie für moderne Kunst 16thLINE in Rostow-am-Don, Moskau und St. Petersburg zu sehen sein. Das Deutschlandjahr möchte die kulturelle Zusammenarbeit ausbauen und Wissenslücken russischer Kunstkenner auf dem Gebiet der deutschen Nachkriegskunst füllen.

Weniger bekannte Namen

Die Ausstellung im Staatlichen Zentrum für Gegenwartskunst ist ein gemeinsames Projekt zweier Kuratoren: Christoph Schreier und Irina Gorlowa. Sie erzählt darüber, welche Künstler außer bekannten Stars wie Joseph Beuys oder Gerhard Richter in Deutschland zur Entwicklung der visuell gestaltenden Kunst seit den 50er Jahren beigetragen haben. Präsentiert werden Werke von Willi Baumeister, Monika Baer, Gerhard Hoeme und vieler anderer in Russland weniger bekannter Künstler.

Mit manchen Namen sind Russlands Kunstliebhaber indessen vertraut. Werke von Günther Jucker, Georg Baselitz und Andreas Gursky wurden im Rahmen verschiedener Ausstellungen dem russischen Publikum bereits präsentiert. Beuys ist im Staatlichen Zentrum für Gegenwartskunst nicht vertreten. Schon während der Arbeiten am Ausstellungskonzept war bekannt, dass im Moskauer Museum für Moderne Kunst eine Werkschau des Künstlers gezeigt werden würde. Unter den ausgestellten Künstlern sind jedoch einige Schüler des Meisters, unter anderem Blinky Palermo.

Zur Eröffnung kamen viele Mitarbeiter des Goethe-Instituts, Studenten und Absolventen des kunstwissenschaftlichen Zweiges der historischen Fakultät der Moskauer Lomonossow-Universität und der Russischen Staatlichen Humanitären Universität, Künstler und Mitarbeiter Moskauer Museen. Sie äußerten sich lobend über die Ausstellung - ungeachtet ihres begrenzten Umfangs erfülle sie ihren Zweck, anhand prägnanter Beispiele die Kunst im Nachkriegsdeutschland anschaulich zu machen und ein Bild der jüngeren Entwicklungen zu vermitteln. „Außer Richter, Polke und Beuys habe ich nicht einen einzigen der in der Ausstellung vertretenen Künstler gekannt“, so eine Kunststudentin.    

Christoph Schreier witzelt, in einem Ausstellungssaal mit etwas über 30 Exponaten seien 60 Jahre deutsche Malerei untergebracht. Mit Lücken, versteht sich. Insgesamt aber wird sie durchaus ihrem eigenen Anspruch gerecht, eine Vorstellung darüber zu vermitteln, wie die Kunst in Deutschland nach dem Krieg „wiederauferstanden“ sei, wie sie sich entwickelt und gewandelt hat. „Ich hoffe, dass wir viele Besucher anlocken werden, unter anderem junge Künstler“, sagt der Kurator.

„Auf die Gefahr hin, großspurig zu klingen: ich fühle mich in gewisser Weise als Missionar der deutschen Kultur und bin davon überzeugt, dass wir am Image Deutschlands arbeiten müssen. Es ist immer interessant, Werke an neuen Orten zu präsentieren – sie wirken dort anders. Die russische Gesellschaft unterscheidet sich von der amerikanischen und der britischen. Ich bin sehr gespannt, wie das russische Publikum unsere Ausstellung wahrnimmt, welche Werke am besten ankommen und Bekanntheit erlangen. Ich freue mich auf die Resonanz.“

Die Ausstellung „Wirklichkeit der Malerei“ läuft bis zum 1. Dezember.

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