Russisch-deutsche wirtschaftliche Entwicklung besser als erwartet

Gewinn und Umsatz deutscher in Russland tätiger Unternehmen sind im 1. Halbjahr 2012 deutlich gewachsen. Der Markt Russland gewinnt an internationaler Bedeutung. Immer noch Nachholbedarf bei Investitions- und Rahmenbedingungen.

 Im ersten Halbjahr wuchs das russische Bruttoinlandsprodukt um vier Prozent, die ausländischen Investitionen um 6,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Davon entfielen auf Deutschland 25 Milliarden US-Dollar kumulierte Investitionen und knapp elf Milliarden Direktinvestitionen.

Auch im Vergleich zu anderen emerging markets nimmt sich Russlands Wirtschaftsentwicklung positiv aus. Diese Dynamik schlägt sich auch in den Unternehmensdaten nieder. In einer Anfang November 2012 durchgeführten Umfrage der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) zur wirtschaftlichen Entwicklung in Russland gaben jeweils mehr als die Hälfte der Unternehmen an, dass sowohl Umsatz als auch Gewinn im ersten Halbjahr deutlich gewachsen sind. Die Hälfte aller Unternehmen hat 2012 investiert, knapp zwei Drittel hat mehr Mitarbeiter eingestellt. Als Folge der Absatzkrise im Euro-Raum sind 20 Prozent der Unternehmen in Russland aktiver geworden. Bis zum Ende des Jahres rechnen Experten mit einem neuen Rekordhandelsumsatz von knapp 80 Milliarden Euro.

Noch aufschlussreicher ist die Entwicklung Russlands im internationalen Vergleich. Für mehr als drei Viertel aller befragten Firmen ist die Bedeutung Russlands im internationalen Konzernvergleich innerhalb der vergangenen fünf Jahre gewachsen. Für knapp 18 Prozent ist Russland der wichtigste Markt, für weitere zwei Drittel liegt Russland zwischen Platz zwei und zehn.

„Wir sehen in Russland einen über Jahre hinweg zuverlässigen Partner mit dem sich auf vielen Gebieten eine strategische Partnerschaft entwickeln kann und einen nachhaltig tragfähigen Markt", so Dr. Rainer Seele, Präsident der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer. Das gilt nicht nur im Rohstoffsektor sondern auch bei allen Großprojekten und nationalen Förderprogrammen. „Für die privaten und staatlichen Programme werden in den kommenden Jahren hohe dreistellige Milliardensummen - in Euro - benötigt. Langlebige Technik, die hoch effizient, zuverlässig und wartungsarm arbeitet, ist dazu unerlässlich. Das war, ist und bleibt die große Chance und das ergiebigste Geschäftsfeld für hoch qualifizierte und spezialisierte deutsche Mittelständler", so Seele weiter.

Der deutsche Mittelstand ist auch in Russland stark vertreten, findet allerdings noch zu wenige Partner russischer Provenienz. Hier ist der russische Staat aufgefordert, deutlich mehr zur Förderung eines technologisch hoch entwickelten Mittelstandes zu tun und sich als Marktteilnehmer zurück zu ziehen.

„Qualifizierte und zuverlässige Zulieferer sind das A und O jeder Standortentscheidung", erläutert Michael Harms, Vorstandsvorsitzender der AHK. Wenn die ambitionierten Lokalisierungs- und Modernisierungsprogramme verstärkt ausländische Investoren interessieren sollen, dann muss ein transparenteres, effizienteres Umfeld geschaffen werden, aber vor allem weniger Bürokratie.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf der Website der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK).

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