Pussy Riot wechselt Verteidiger aus

Die inhaftierten Mitglieder der umstrittenen Punkband Pussy Riot haben ihre Anwälte ausgetauscht, schreibt die Zeitung "RBC Daily" am Dienstag. Nadeschda Tolokonnikowa und Maria Aljochina lassen sich künftig von der Juristin Irina Chrunowa der Menschenrechtsorganisation Agora vertreten. Chrunowa hatte vor Gericht eine Bewährungsstrafe für Jekaterina Samuzewitsch erwirken können. Die Anwälte Mark Fejgin, Nikolai Polosow und Violetta Wolkowa haben ihr Mandat wegen ihrer gestiegenen Bekanntheit niedergelegt.

„Als wir den Vertrag über ihre Verteidigung abschlossen, wurden wir beauftragt, diese Kampagne an die große Glocke zu hängen", sagte Polosow der "RBC Daily". „Es handelte sich nicht nur um juristische Nuancen, sondern darum, dass der Fall in den Medien aktiv beleuchtet werden sollte. Diese Aufgabe haben wir zu 100 Prozent erfüllt."

Jetzt sei aber der Zeitpunkt gekommen, wo die Medienkampagne mehr Nach- als Vorteile bringe, so der Anwalt. „Wir konnten den Zustand unserer ehemaligen Mandantinnen nicht mehr kontrollieren – wir wurden nicht einmal in die Strafanstalt gelassen. Deshalb ist es taktisch klug, dass sie jetzt von anderen Rechtsanwälten verteidigt werden, die der Macht loyaler gegenüberstehen als wir."

Tolokonnikowa und Aljochina entschieden sich für Irina Chrunowa, die bereits die Freilassung von Pussy-Riot-Mitglied Samuzewitsch auf

Bewährung erwirken konnte. Chrunowa wird die beiden inhaftierten Pussy-Riot-Miglieder vor dem Präsidium des Moskauer Stadtgerichts sowie vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) vertreten, wo bereits Einsprüche gegen die Inhaftierung und das Urteil eingereicht wurden. Außerdem werden derzeit Verhandlungen mit anderen Anwälten geführt, die Tolokonnikowa und Aljochina in der Region Perm und in der Teilrepublik Mordowien vertreten. Dort befinden sich ihre Straflager.

Die zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilte Samuzewitsch hatte in einem Interview über etliche Konflikte mit den entlassenen Anwälten berichtet. Violetta Wolkowa schrieb jedoch in ihrem Blog, diese Behauptungen seien Lügen. „Das ist surrealistischer Unsinn. Ich musste das Interview dreimal lesen – so viele Lügen konnte ich nicht auf einmal verarbeiten", so die Anwältin.

Nikolai Polosow sagte, die Geschichte um die Registrierung der Marke Pussy Riot sei „nicht der Rede wert". „Ende Oktober hat die Patentbehörde Rospatent die Registrierung der Marke verweigert, weil die Übersetzung des Namens beleidigend klingt. Bevor die Marke registriert wird, darf sie nicht benutzt werden, weil es die Marke einfach nicht gibt. Diese Entscheidung kann angefochten werden, und falls Nadeschda, Maria oder Jekaterina das wollen, dann ist das ihr gutes Recht", so der Jurist.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei RIA Novosti.

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