Gazprom und BASF tauschen Aktien

Durch den Deal mit BASF ist es Gazprom möglich, den Verkauf von Gas an die Endkunden zu kontrollieren. Foto: AP

Durch den Deal mit BASF ist es Gazprom möglich, den Verkauf von Gas an die Endkunden zu kontrollieren. Foto: AP

Als Ergebnis eines Aktientausches erhält der deutsche Chemiekonzern BASF zunächst gut ein Viertel, später die Hälfte der Anteile am sibirischen Gasfeld Urengoj. Der russische Energiekonzern Gazprom wird im Gegenzug alleiniger Eigentümer der Sparten Gashandel und -speicher der 100% BASF-Tochter Wintershall. Der Weg zu den Endkunden ist damit für Gazprom offen.

Das von den Vorstandsvorsitzenden Alexej Miller und Kurt Bock Mitte Oktober unterzeichnete Abkommen sieht vor, dass der Anteil der 100% BASF-Tochter Wintershall an dem neuen Joint Venture zur Erschließung des Atschimow-Blockes der sibirischen Erdöl- und Gaslagerstätte Urengoj zunächst 25 % plus eine Aktie beträgt. Die Förderung soll im Jahre 2016 beginnen. Wintershall will am Standort mindestens acht Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr fördern. Das Unternehmen stärkt damit seine Position in der Liga der internationalen Öl- und Gasfirmen.

 

Gazprom stockt seinen Anteil an den Unternehmen der Wintershall und Gazprom gemeinsam gehörenden Wingas-Gruppe zum Vertrieb und zur Speicherung von Gas sowie an den Wintershall-Erdgashandelshäusern WIEH und WIEE auf bis zu 100 % auf.

 

Die deutschen Händler beliefern die Märkte in Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien, Tschechien, Dänemark, Frankreich, Luxemburg und Belgien. Außerdem erhält Gazprom durch die Übernahme eines Anteils von 50 % an der Wintershall Noordzee (WINZ) einen Zugang zur Erdöl- und Erdgasförderung im Schelfgebiet der südlichen Nordsee.

 

Vollständige Kontrolle des Gasverkaufs

 

Zur Erschließung des ersten Versuchsabschnittes der Atschimow-Formation haben Gazprom und Wintershall im Juli 2003 das Gemeinschaftsunternehmen Atschimgas gegründet. Dank der Beteiligung an diesem Projekt sowie an der Erschließung des Erdgasfeldes Juschno-Russkoje verfüge Wintershall, so der Leiter der russischen Niederlassung des Unternehmens, Mario Mehren, über ein bedeutendes Produktionsvolumen für fossile Brennstoffe in Russland. Auch deshalb sei das Unternehmen an zuverlässigen Transportwegen für den Export russischen Gases nach Europa interessiert.

 

Durch den Deal mit BASF ist es Gazprom möglich, den Verkauf von Gas an die Endkunden umfassend zu kontrollieren und so das

Verkaufsvolumen zu steigern, analysiert Oleg Poddymnikow von der AKB Lanta-Bank. Allerdings wird Gazprom mit diesen ambitiösen Plänen aufgrund des zunehmenden Spot-Handels und dem damit einhergehenden harten Wettbewerb auf dem europäischen Markt ein rauher Wind entgegenwehen, prognostiziert Denis Borisow von der NOMOS-Bank. Die Gewinnspanne sei im Tradinggeschäft traditionell nicht sehr hoch.  Nichtsdestotrotz, so Borisow, würden die Untertagespeicher, die Gazprom zu erwerben beabsichtigt, dem Konzern langfristig bei der Umsetzung seiner Pläne zur Steigerung des Exports nach Europa von Vorteil sein. 

 

Das Geschäft zwischen Gazprom und BASF soll bei Zustimmung der Behörden, wovon Experten ausgehen, zum Jahresende 2013 mit wirtschaftlicher Rückwirkung zum 1. April 2013 vollzogen werden. Laut Nicole Bockstaller, Pressereferentin bei der Europäischen Kommission, unterliegt die Gaslagerung der Energiegesetzgebung der Europäischen Union.

 

Der Eigentümer der Gasspeicher habe anderen Unternehmen einen „nicht diskriminierenden, transparenten und objektiven“ Zugang zu diesen zu gewähren. Die Verwaltung der Speicher habe unabhängig von den Importen des Lieferanten zu erfolgen. Wenn es diese Bedingungen akzeptiere, könne ein Gazprom-Tochterunternehmen seine Tätigkeit zur Gaslagerung aufnehmen, so die Vertreterin der Europäischen Kommission.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei RBC Daily. 

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