Rasende Russen

Russischer Formel-1 Pilot Witali Petrow fährt zurzeit für den F1-Rennstall „Caterham". Foto: ITAR-TASS.

Russischer Formel-1 Pilot Witali Petrow fährt zurzeit für den F1-Rennstall „Caterham". Foto: ITAR-TASS.

In der Autorennsport-Saison 2012 waren die Russen sehr präsent: Formel 1-Pilot Witali Petrow ist inzwischen weltbekannt, in der World Series by Renault fahren so viele Russen wie nie zuvor und der junge Ewgenij Nowikow sorgte bei der Rallye-Weltmeisterschaft für Furore. Wie steht es um den russischen Autorennsport?

Die meiste Aufmerksamkeit unter den russischen Rennfahrern kommt eindeutig dem F1-Piloten Witali Petrow zu. Er fährt für den F1-Rennstall „Caterham" und hat dieses Jahr seine dritte, für ihn nicht ganz leichte Saison absolviert. Erstens war sein Platz in der angesehensten Rennserie der Welt bis zuletzt ungewiss und zweitens musste er einen Abstieg hinsichtlich seines Rennboliden hinnehmen. Denn sein Team „Caterham" ist lange nicht so stark wie „Lotus", in dem der Pilot zwei Weltmeisterschaften fuhr. So musste sich Petrov im Laufe dieser Saison bestenfalls mit Plätzen im letzten Viertel der ersten 20 zufrieden geben.

Dennoch kann Witali Petrow auf ein gutes Saisonergebnis zurückblicken. „Witali hat beim Grand Prix von Brasilien den elften Platz belegt und hat dadurch seinem Team dazu verholfen, in der Konstrukteurswertung den zehnten Platz zu holen", so seine Managerin Oksana Kosatchenko.

Außerdem meinte sie noch: „Das ist für das Team sehr wichtig, denn jeder Platz in der Turnierrangliste bringt zusätzliche Sponsorengelder." Sie fügte allerdings noch hinzu, dass Petrow selbst bereits darüber nachdenke, ob es sich für ihn überhaupt noch auszahle, weiter zu machen. „Bald wird auch darüber entschieden werden, wo Vitaly seine Karriere fortführen wird. Denn neben ‚Caterham' gibt es noch ein weiteres F1-Team, mit dem wir derzeit Gespräche führen", so die Managerin.

Vorstufe zur Formel 1


In der World Series by Renault, die mit der GP2-Serie darum konkurriert, als letzte Vorstufe zur Formel 1 gesehen zu werden, fuhren so viele Russen mit wie nie zuvor .

Immerhin wurde eine Rennetappe im Juli in Russland ausgetragen. Erstmals durfte auch ein russisches Renn-Team mit dabei sein – Team „RFR", für das die russischen Piloten Michail Aljoschin und Anton Nebylitski auf der Strecke unterwegs waren. Neben diesem russischen „Ensemble" fuhren russische Piloten auch für ausländische Teams: Sergej Sirotkin und Nikolaj Marzenko waren für „BVM Target" unterwegs und Daniil Mowe für „P1 Motorsport". Jedoch waren ihre Rennergebnisse weniger eindrucksvoll. In die Top 20 der Gesamt-Fahrerwertung schafften es nur drei: Aljoschin, Mowe und Marzenko belegten jeweils den 13., 17. und 20. Platz.

Die russischen Fans können aber mit den Ergebnissen von Michail Aljoschin durchaus zufrieden sein, dem Meister der „World Series by

Renault" 2010. Er rangierte sechs Mal unter den besten zehn, fuhr die schnellste Runde auf dem berühmten Nürburgring, ergatterte eine Pole Position und schaffte es auf den zweiten Platz im Abschlussrennen von Barcelona. Er selbst erzählte der Zeitung „Kommersant", dass er derzeit mit „verschiedenen Teams einiger Serien Gespräche" führe. „Jedoch kann ich noch nichts darüber sagen, wo ich nächste Saison sein werde. Ich kann nur sagen, dass mein Ziel unverändert ist – ich möchte nach wie vor in die Formel 1", fügte Aljoschin hinzu.

Russische Piloten waren letzte Saison auch in anderen prestigeträchtigen Rennserien vertreten, wie beispielsweise im legendären „24-Stunden-Rennen von Le Mans", wo das Team „G-Drive" über den Asphalt brannte. Den Worten des G-Drive-Piloten Roman Rusinow zufolge war die Saison im Großen und Ganzen erfolgreich: „Das Team hat gezeigt, dass es schnell fahren kann, und wäre nicht Pech im Spiel gewesen, dann hätte es mehr erreichen können.

Denn in Le Mans haben wir um Platz eins und zwei gekämpft, doch leider platzte uns ein Reifen. Der ungeplante Boxenstopp warf uns auf den vierten Platz zurück. Doch in der WEC waren wir beim Rennen in Silverstone auf dem Podium und in Bahrain haben wir sogar geführt, doch ein kleiner technischer Defekt hat uns daran gehindert, auch als Sieger das Rennen zu Ende zu fahren", erzählt Rusinow.

Was die Zukunft von Roman Rusinov anbelangt, so hat er bestätigt, dass er weiterhin in der „World Endurance Championship" fahren möchte.

Furore in der Rallye-Weltmeisterschaft


Der beste Pilot Russlands in dieser Autorennsaison ist aber ein Rallye-Rennfahrer: Ewgenij Nowikow sorgte für Furore in der Rallye-Weltmeisterschaft. Er schaffte es zweimal, in Portugal und in Italien, auf den zweiten Platz zu fahren - in insgesamt 13 Etappenrennen der Meisterschaft ist er in neun davon unter die besten zehn gekommen.

In der Gesamt-Fahrerwertung schaffte es der Russe diese Saison auf den sechsten Platz. Nowikow bietet sich dadurch eine reale Chance an, es nächste Saison in das Werksteam zu schaffen. Der Pressedienst des Rennfahrers teilte der Zeitung „Kommersant" außerdem mit, dass ihm noch Verhandlungsgespräche mit drei Racing-Teams bevorstehen: mit dem privaten „M-Sport Ford" und den Giganten Citroën und Ford.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Kommersant. 

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