Festival des Deutschen Films in Moskau eröffnet

Das 11. Filmfestival des Deutschen Films gehört zu den Höhepunkten des Deutschlandjahrs in Russland 2012/2013. Foto: Pressebild

Das 11. Filmfestival des Deutschen Films gehört zu den Höhepunkten des Deutschlandjahrs in Russland 2012/2013. Foto: Pressebild

Am Mittwoch ist das gemeinsam mit dem Goethe-Institut organisierte 11. Festival des Deutschen Films in Moskau feierlich eröffnet worden. Das Filmfestival zählt zu den Höhepunkten des Deutschlandjahrs in Russland 2012/2013.

Das Festival zeigt eine Auswahl neuester deutscher Filmproduktionen – Neuland für viele russische Kinofans, ist doch das zeitgenössische deutsche Kino auf dem russischen Filmmarkt nicht gerade breit vertreten. So sind für das Filmfestival Filmliebhaber aus allen Teilen Russlands nach Moskau gereist.

 

Das Programm umfasst zwölf neuere deutsche Filme der unterschiedlichsten Genres – vom Drama über die Komödie bis zum Dokumentarfilm, dazu ein gesondertes Kurzfilmprogramm „Next Generation 2012“. Eröffnungsfilm war das Republikflucht-Drama „Wir wollten aufs Meer“ mit August Diehl, ein cineastischer Höhepunkt ist der preisgekrönte Film „Was bleibt“ mit Corinna Harfouch und Lars Eidinger. Erstmals ist mit Detlev Bucks Romanverfilmung „Vermessung der Welt“ auch ein Film in 3D Teil der Filmwoche. Insgesamt werden vom 5. bis zum 11. Dezember 31 Spiel-, Dokumentar- und Fernsehfilme zu sehen sein. Die Besucherzahlen sind in den vergangenen Jahren stetig angestiegen, so dass die Veranstalter einen zusätzlichen Publikumstag für die Vorstellung der am meisten nachgefragten Filme außerhalb des eigentlichen Programms eingerichtet haben.

 

Gute Mischung aus kommerziellem Kino und Autorenkino


Nadjeschda Kotowa, Programmleiterin des Kinos „35 mm“ und Generaldirektorin des Festivalveranstalters „CoolСonnections“, erläutert die Beliebtheit des deutschen Films in Russland: „Unser Stammpublikum ist uns bereits sicher. Wir haben kaum mit der Werbekampagne begonnen, da gehen schon die ersten Kartenanfragen ein. Das Interesse ist dank der hohen Qualität der Filme und Produktionen sehr groß. Hinzu kommen die Ähnlichkeiten zwischen der deutschen und der russischen Mentalität: Wir haben in einer sozialistischen und in einer postsozialistischen Wirklichkeit gelebt, es gibt viele thematische und inhaltliche Überschneidungen zwischen Deutschen und Russen. Die Deutschen haben außerdem einen Humor, den das russische Publikum gut versteht. Die Stimmung bei den Filmvorstellungen ist grandios, das Publikum reagiert begeistert und euphorisch. Das Festival ist eine gute Mischung aus kommerziellem Kino und Autorenkino. Immer mehr deutsche Filme kommen in den Verleih, die geografische Reichweite des Festivals nimmt zu.“

„Es ist mir eine große Freude, an einer der größten und bedeutendsten Veranstaltungen mitzuwirken, die zu den Höhepunkten des

Deutschlandjahrs in Russland 2012/2013 gehören“, so der Direktor des Goethe-Instituts in Moskau Dr. Rüdiger Bolz, „wir haben uns darum bemüht, Ihnen ein breites und vielfältiges Programm anzubieten, das unser Land so facettenreich wie möglich abbildet. Wir haben Filme ausgewählt, die bereits auf vielen Filmfestivals gezeigt und auch nominiert wurden. Wir konnten führende Regisseure und brillante Schauspieler für einen Besuch der russischen Hauptstadt gewinnen. Dominik Graf, einer der heute in Deutschland wichtigsten und einflussreichsten Regisseure wird das Programm seiner Filme persönlich vorstellen, ihm sind zwei Abende gewidmet. Sie werden auch die Gelegenheit haben, einige Schauspieler kennenzulernen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen“.

Wirtschaft und Politik Teil des Deutschlandjahres


Dem Programmdirektor des Deutschlandjahrs in Russland Dr. Wolf Iro zufolge unterscheidet sich das diesjährige Deutschlandjahr in Russland von dem vergangenen im Jahr 2004 insofern, dass nicht nur kulturelle Inhalte, sondern auch wirtschaftliche, politische und soziale Themen Teil des Festivals sind. Wichtig sei, so Iro, vor allem eines: Das Deutschlandjahr müsse eine klare Aussage haben, so dass Freunde und Kollegen aus beiden Ländern einander zukünftig häufiger treffen, mehr miteinander diskutieren und neue Projekte anstoßen könnten, die beide Nationen einander noch näher bringen.

Über ein Beispiel produktiver deutsch-russischer Beziehungen berichtete die Geschäftsführerin von German Films Mariette Rissenbeek: „Im Rahmen des Festivals zeigen wir zwei Filme, die in Russland bereits im Verleih sind – „Russendisko“ und „Die Vermessung der Welt“. Wir freuen uns, dass die Karten für die Premiere bereits ausverkauft sind und dass wir einen zweiten Saal anmieten mussten.“

Auf der Eröffnungsfeier richtete der Botschafter Deutschlands in Russland Ulrich Brandenburg ein Grußwort an die anwesenden Gäste: „Wir sind stolz, dass wir dank solcher Veranstaltungen wie dem Festival des Deutschen Films und seiner eigenen Ausstrahlungskraft und Beständigkeit einen anerkannten Platz im kulturellen Leben des modernen Russland einnehmen“, sagte er.

Den Eröffnungsfilm  „Wir wollten aufs Meer“ stellte Regisseur Toke Constantin Hebbeln in Moskau persönlich vor. Foto: Pressebild

Den Eröffnungsfilm des 11. Festivals des Deutschen Films „Wir wollten aufs Meer“ stellte Regisseur Toke Constantin Hebbeln persönlich vor. Hebbeln ist das Urteil des Festivalpublikum sehr wichtig: „Mich interessiert grundsätzlich, wie der Film in Russland aufgenommen wird. Das Leben in Deutschland nach 1945, die tragische Teilung des Volkes, die Deformierung der Persönlichkeit in einer totalitären Gesellschaft, Liebe, Verrat, Treue und Vergebung – das sind Fragen, auf die ich als Künstler eine Antwort suche. Ich gehe davon aus, dass sie besonders dem russischen Publikum nah und verständlich sein werden. Schließlich ist ein großer Teil von ihm in einem sowjetischen Staat aufgewachsen, dessen Gesellschaft der DDR sehr ähnlich war. Ist es uns gelungen, den Geist dieser Epoche einzufangen?“

Die Zuschauer würdigten die Vorstellung mit begeistertem Applaus und diskutierten anschließend noch lange mit dem Regisseur und den Hauptdarstellern.