Neuer alter Glanz: Moskaus Parks wurden entrümpelt

Die Kunsteislaufbahn im Gorki Park ist die größte in ganz Europa. Foto: RIA Novosti.

Die Kunsteislaufbahn im Gorki Park ist die größte in ganz Europa. Foto: RIA Novosti.

Zwei Jahrzehnte lang war der Gorki Park im Moskauer Zentrum ein Schandfleck. Seit einem radikalen Umbau „zurück zu den Wurzeln“ erfreut er sich nun wieder großer Popularität.

Noch vor wenigen Jahren boten sämtliche Moskauer Parks einen eher traurigen Anblick. Die einen waren vollkommen verwildert, die beliebteren unter ihnen übersät von Schaschlikbuden, Achterbahnen und Karussellen mit nervtötender Musik. Der berühmte Gorki Park gehörte zu letzterer Kategorie.

Als der 36-jährige Sergej Kapkow im März 2011 zum Direktor des Parks ernannt wurde, bestand seine erste Amtshandlung darin, das Eintrittsgeld abzuschaffen. Es folgte eine noch ungewöhnlichere Entscheidung: Er verbannte alle Achterbahnen und Imbisse vom Gelände. Stattdessen gab es kostenloses WLAN und eine Fahrradvermietung, was dazu führte, dass mehr junge Menschen in den Park kommen.

Diesen Sommer stieg die Zahl der täglichen Besucher auf das Fünfzigfache im Vergleich zum Vorjahr: Bei schönem Wetter tummeln

Zahlen

18 Millionen Menschen besuchten die Moskauer Erholungsparks bis Oktober, zwei Millionen mehr, als die Stadt für das gesamte Jahr erwartet.

10 Milliarden Rubel (umgerechnet 250 Millionen Euro) wurden im Jahr 2012 insgesamt von der Moskauer Regierung für die Modernisierung der städtischen Parks bereitgestellt.

sich 20 000 Menschen in der grünen Anlage. Allerdings konnte Kapkow seine Reformen nicht ganz bis zu Ende führen – schon im Herbst 2011 übernahm er das Kulturdezernat der Hauptstadt und dehnte sein Engagement auf die übrigen Moskauer Parks aus, sodass diese im Sommer eine ähnliche Wandlung wie der Gorki Park vollzogen haben. Ungeachtet der vielen Gespräche über westliches Know-How und einem Erfahrungsaustausch mit westlichen Städteplanern haben Kapkow und seine Mannschaft ganz offensichtlich die sowjetischen Pläne zur Schaffung eines idealen Kultur- und Erholungsparks umgesetzt. Allerdings waren die real existierenden sowjetischen Grünzonen von diesem Ideal in den meisten Fällen meilenweit entfernt.

In der Theorie sowie in Literatur und Film jedoch existierte das Bild eines wunderbaren, utopischen Orts, an dem ein jeder seiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen konnte: Verliebte und Rentner spazieren in schattigen Alleen, Kleinkinder spielen in Sandkästen, die etwas Älteren beschäftigen sich in diversen Zirkeln, die Papas treiben Sport und die Mamas sitzen in einem Café und plaudern mit ihren Freundinnen. Und das Entscheidende: Alle Angebote sind gratis und stehen jedem Bürger frei zur Verfügung. („Zur Zarenzeit wäre so etwas ganz und gar undenkbar gewesen", fügte die sowjetische Propaganda an dieser Stelle normalerweise hinzu.)

Heutzutage ist es nicht möglich, alle Vergnügungen umsonst anzubieten, auch wenn die Stadtverwaltung das Finanzvolumen für die Grünanlagen drastisch erhöht hat – allen voran das Budget des Gorki Parks, der 2012 1,5 Milliarden Rubel, umgerechnet 37,5 Millionen Euro, erhält.

Ein Teil des Angebots wie die Joggingklubs, Yogakurse und öffentliche Vorträge ist kostenlos, für anderes (Kino, Eislaufbahn, Kreativworkshops)

muss der Besucher – wenn auch wenig – bezahlen. Die Aufgabe der Parks besteht nicht darin, Gewinn zu erwirtschaften – so lautet die Devise der Stadtverwaltung. Sergej Kapkow beantwortet die Frage nach der Rentabilität des Moskauer Parks wie folgt: „Das sind staatliche Kultureinrichtungen auf kommunalem Territorium." Anfang dieses Jahres, nach einer Reihe öffentlicher Protestveranstaltungen gegen die massenhaften Fälschungen bei den Wahlen in die Staatsduma, schlug der damalige Ministerpräsident Wladimir Putin gar vor, in Moskau ein Pendant zum Londoner Hyde Park zu schaffen, in dem die Menschen sich versammeln und offen ihre Meinung äußern können. Die Moskauer Stadtregierung wählte dafür zwei Orte aus – den Gorki Park im Zentrum und den etwas nördlicher gelegenen Sokolniki Park – und kündigte an, diese bis Ende 2012 in ihrer neuen Gestaltung der Öffentlichkeit zu übergeben. 

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