Innovationen sind nicht nur Staatssache

Um Innovationen kümmert sich in Russland fast ausschließlich der Staat. Warum das so ist, wie das Business darauf reagiert und wie es in Zukunft ausschauen soll, erklärt Oleg Fomitschew, stellvertretender Minister für Wirtschaftsentwicklung.
Oleg Fomitschew. Foto: RIA Novosti.

 Russland HEUTE: Beim internationalen Forum „Offene Innovationen", das Anfang November in Moskau stattfand, haben viele Teilnehmer angemerkt, dass gegenwärtig in Russland Innovationen ausschließlich durch die Regierung angeregt werden.

Oleg Fomitschew: In jeder Etappe eines innovativen Prozesses muss es einen bestimmten Player geben: den Staat, die Geschäftswelt oder – was seltener vorkommt – akademische Einrichtungen. Leider ist die Geschäftswelt in Russland derzeit nicht dazu bereit oder in der Lage, diese Führungsrolle zu übernehmen – ihre innovative Aktivität ist äußerst gering. Deshalb muss der Staat die Initiative ergreifen. Obwohl wir natürlich davon ausgehen, dass in absehbarer Zeit auch die Geschäftswelt ihr Engagement vergrößern wird. Gegenwärtig sind die Ausgaben für wissenschaftliche Forschung und Entwicklung in Russland im Verhältnis 70 zu 30 zugunsten des Staats verteilt, wobei es eigentlich genau andersherum sein müsste.

Warum investiert das russische Business nicht in Innovationen?

Das hängt vor allem mit unseren besonderen Produktionsbedingungen zusammen. Wir haben noch nicht vollständig die Möglichkeiten der „passiven Modernisierung" ausgenutzt, bei der ausländische Technologien übernommen werden: und zwar nicht die innovativen, sondern jene, die bereits seit Langem auf dem Markt sind.

Das Erstaunliche ist, dass sogar die Übernahme nicht mehr ganz neuer Technologien zu einem abrupten Anstieg des Produktionsniveaus führt. Denn in vielen Industriezweigen, zum Beispiel im Maschinenbau, ist dieses Niveau so niedrig, dass jede beliebige, selbst die billigste und unbedeutendste Verbesserung, zu einer Vergrößerung der Effektivität und infolgedessen zu höheren Gewinnen führt. Solange die Unternehmen nicht das Niveau der Wettbewerbsfähigkeit ihrer ausländischen Geschäftspartner erreicht haben, können sie gar kein Interesse daran haben, in neue Modernisierungsprogramme zu investieren.

Ausstellungsräume des Innovationsforums in Moskau. Foto: Oleg Serdetschnikow.


Zweitens hat sich in Russland bisher immer noch kein freundliches Geschäftsklima für innovative Unternehmen herausgebildet. Das betrifft die Zoll- und Steuerregularien, die Lohnnebenkosten, den Zustand der Infrastruktur – obwohl da schon viel geschehen ist. Zum Beispiel wurden Sonderwirtschaftszonen und Technologieparks eingerichtet, das reicht jedoch bei Weitem nicht aus.

Kann man die Wettbewerbsfähigkeit etwa der traditionellen Rohstoffwirtschaft bei der stürmischen Entwicklung der alternativen Energien erhalten?

Ich denke, von einer stagnierenden Rohstoffwirtschaft kann bei uns nicht die Rede sein. Wir müssen jedoch den Schwerpunkt unserer Produktion in andere Sektoren verlagern – in das verarbeitende Gewerbe, den Bereich der Dienstleistungen und die Informationstechnologien. Aufgrund

der Rückständigkeit dieser Sektoren erscheint unsere große Rohstoffindustrie überentwickelt. Andererseits haben Innovationen in der traditionellen Energiewirtschaft höchste Priorität. Unsere Leader wie Rosneft, Transneft, Gazprom und Rusgidro haben ihre Ausgaben zur Entwicklung neuer Technologien für die Gewinnung und Verarbeitung von Rohstoffen hochgefahren. Sie haben ihre Programme mit unserer methodologischen Unterstützung ausgearbeitet und sind jetzt dabei, sie umzusetzen. Und wir führen ein staatliches Monitoring durch, damit auch alles seine Ordnung hat.

Für die Unternehmen wurden Effizienzkriterien ausgearbeitet, die außer Innovationsindikatoren auch noch den ökonomischen Effekt widerspiegeln, was insgesamt die Wettbewerbsfähigkeit dieser Unternehmen steigert.

Das Interview führte Artjom Sagorodnow.