Moskau ist in

Das  „Moscow Pass" ist eine Kombikate, die den Reisenden die Nutzung verschiedener touristischer Angebote in Moskau zu ermäßigten Preisen ermöglicht. Foto: ITAR-TASS.

Das „Moscow Pass" ist eine Kombikate, die den Reisenden die Nutzung verschiedener touristischer Angebote in Moskau zu ermäßigten Preisen ermöglicht. Foto: ITAR-TASS.

Moskau gehört laut Rangliste des Portals Tripadvisor.com zu den zehn Städten der Welt, die derzeit einen Tourismus-Boom erleben. Zu den fünf Spitzenreitern im ranking gehören neben Moskau die Städte Lagos (Portugal), Hua Hin (Thailand), Tallinn (Estland) und Bukarest (Rumänien).

Das enorm gesteigerte Interesse an Moskau hat in der Metropole einiges bewegt. Vor einem Jahr nahm ein Call-Center seine Arbeit auf, das in sechs Sprachen über die Stadt informiert. Im Sommer gibt es Stadtrundfahrten in Doppeldeckerbussen, die bereits in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts von Moskaus Straßen verschwunden waren. Jetzt kommt ein weiteres, in den internationalen Touristenmetropolen mittlerweile sehr populäres Angebot hinzu. Reisende können mit dem so genannten „Moscow Pass" eine Kombikarte erwerben, die ihnen Museumsbesuche und Stadtführungen sowie die Nutzung weiterer touristischer Angebote zu ermäßigten Preisen ermöglicht.

Eine ähnliche Karte kam erstmals in Stockholm in den 80er Jahren auf den Markt. Heute gibt es „Citycards" in vielen großen Städten – von Paris bis New York. Die britische Hauptstadt bietet den „London Pass" an, dessen Preis für Erwachsene, in Abhängigkeit von der Gültigkeitsdauer und dem Leistungsspektrum, zwischen 46 und 149 Pfund variiert (etwa 57 – 184

Euro). Mit dem „London Pass" kommt man in einige Dutzend Museen, Galerien und Denkmäler. In Russland gibt es ein vergleichbares Angebot bislang nur in St. Petersburg. Die dort angebotene „Gästekarte", eine Eintrittskarte für 38 Museen, kann man für 2700 Rubel erwerben (etwa 67 Euro). Der „Moscow Pass" soll 2400 Rubel (etwa 60 Euro) kosten und schließt bislang nur sieben Museen ein. Die Organisatoren des Projekts stellen jedoch in Aussicht, dass zu Beginn der Tourismussaison 2013 die Zahl der Partner bereits gestiegen sein wird. Der „Moscow Pass" soll Touristen nicht nur zu den berühmten Sehenswürdigkeiten führen, sondern auch weniger bekannte Ausflugsziele einschließen. In Moskau gibt es mehrere Hundert Museen.

„Wir bieten derzeit eine Karte mit einer Gültigkeit von drei Tagen an. Bis zum Frühjahr hoffen wir, noch mehr Partner für unser Projekt gewonnen zu haben, dann wird es auch Karten für mehrere Tage geben. Ich denke da an 7-9 Tage", erklärt Xenia Semskowa, Leiterin der Touristenprojekte „WowMoscow" und des hauptstädtischen Informationsportals für Reisende, das den „Moscow Pass" ausstellt.

„Der Citycard von Rom haben sich 50 Museen angeschlossen, auf eine solche Größenordnung arbeiten wir auch hin", so Semskowa optimistisch. Der „Moscow Pass" könnte auch noch günstiger werden, erklärt sie. Bei steigendem Verkauf könnten die Preise fallen. Die Preisgestaltung orientiere sich am westlichen Niveau.

Den „Moscow Pass" akzeptieren bislang das Staatliche Historische Museum, die Basilius-Kathedrale, das Museum für die Geschichte der Leibesstrafen, das Multimedia Art Museum, das Museum für Neuere Geschichte Russlands, das Museum des Großen Vaterländischen Krieges 1812 und das Museum der Russischen Ikone. Zu den weiteren in der Karte enthaltenen Angeboten zählen ein Stadtspaziergang mit einem Reiseführer, eine Dampferfahrt über die Moskwa und eine Stadtrundfahrt im Doppeldeckerbus.

„Bis zum Jahr 2013 werden wir eine neue lange Route für unsere Busse zusammengestellt haben", sagt Sergej Lawrentjew, Präsident der russischen Vertretung von City Sightseeing. Die Gäste könnten dann nicht nur die berühmten Ausflugsziele sehen, sondern gelangten direkt bis zur Anlegestelle, an der die Schiffsrundfahrten starten. Auf diese Weise entstehe ein Komplettangebot.

Der „Moscow Pass" ist ab Mitte Dezember zu haben. Man wird ihn in Hotels, Museen, Jugendherbergen und über die Website www.moscowpass.com, später auch an Bahnhöfen, die von Aeroexpress-Zügen angefahren werden, erwerben können. Gespräche mit Reiseagenturen in Europa und den USA zum Vertrieb der Karte im Ausland wurden bereits aufgenommen.

Im Unterschied zu vergleichbaren Angeboten westeuropäischer Städte schließt der „Moscow Pass" bisher die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel nicht ein. Touristen, die des Russischen nicht mächtig nicht, werden sich also nach wie vor mit Zeichensprache verständlich machen müssen, wenn sie Metro- oder Trolleybuskarten erstehen wollen. Schließlich sprechen die wenigsten Fahrkartenverkäufer Englisch. Die Moskauer Stadtregierung will dieses Problem im nächsten Jahr angehen.

„Es müssen bestimmte technische Voraussetzungen erfüllt sein, um Karten wie den „Moscow Pass" in das Zahlungssystem der öffentlichen Verkehrsbetriebe zu integrieren", sagt Georgij Mochow, stellvertretender Vorsitzender des Hauptstadtkomitees für Tourismus und Hotellerie. Prinzipielle Einwände habe niemand, die offenen Fragen seien technologischer und finanzieller Natur. Sie beträfen insbesondere die Zahlungswege. Hier müsse man noch ein paar Probleme lösen. Bis zum Sommer 2013 wolle man damit fertig sein.

Von Januar bis August 2012 hat der Tourismus nach Moskau um 17% zugenommen. Nach Hochrechnungen des Moskauer Tourismuskomitees wird die russische Hauptstadt bis Jahresende 2012 an die fünf Millionen Gäste empfangen haben. Diese Zahl, so Prognosen, wird bis 2016 auf sieben Millionen steigen. Zum Vergleich: Paris, das weltweit attraktivste Reiseziel, lockt jährlich über 20 Millionen Touristen an.

„Das Touristenaufkommen und die Moskauer Infrastruktur entwickeln sich derzeit einigermaßen ausgeglichen. Die Zahl der Reisenden nimmt zu, zugleich entwickeln sich die Hotelkapazitäten und die Infrastruktur", so Georgij Mochow zufrieden. Man müsse dennoch darauf achten, dass Touristenzahlen und Infrastruktur im Gleichgewicht blieben.

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