Frank-Walter Steinmeier erscheint zum Unterricht im Ural

SPD-Fraktionchef Frank-Walter Steinmeier während des Treffens mit dem russischen Ministerpräsidenten Dmiri Medwedjew am 17. Dezember 2012. Foto: ITAR-TASS

SPD-Fraktionchef Frank-Walter Steinmeier während des Treffens mit dem russischen Ministerpräsidenten Dmiri Medwedjew am 17. Dezember 2012. Foto: ITAR-TASS

SPD-Fraktionchef freut sich über den Zuspruch für das Programm „Schulen: Partner für die Zukunft“. Russische Schüler lernen Deutsch, um fern der Heimat eine Karriere anzustreben.

Der Fraktionsführer der SPD im Bundestag, Frank-Walter Steinmeier, reiste nach Jekaterinburg, um die Umsetzung der deutsch-russischen Initiative „Schulen: Partner für die Zukunft" zu evaluieren. Das globale Programm wurde unter ihm als Vizekanzler und Bundesaußenminister im Jahre 2007 ins Leben gerufen. In Russland nehmen daran insgesamt 77 Mittelschulen teil. Zehn von ihnen befinden sich auf dem Gebiet des so genannten Großen Urals: in Perm, Slatoust, Nishnij Tagil, Tscheljabinsk, Ufa, Orenburg, Magnitogorsk und eben Jekaterinburg.

Die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) unterstützt das Programm vor Ort. Die teilnehmenden Schulen werden mit der

notwendigen Literatur ausgestattet. Ferner organisiert die ZfA Studienaufenthalte für Lehrer, bietet den Absolventen der 9. bis 11. Klasse die Möglichkeit, ein Zertifikat der deutschen Sprache zu erwerben. Die Stufe I entspricht dem Niveau А2B1 der europaweiten Klassifizierung GeR und ermöglicht, dass die Kenntnisse in einigen Bundesländern für die Immatrikulation an einer Fachoberschule ausreichen. Möglicherweise müssen die Schüler dann aber noch ein oder zwei Jahre an einer deutschen Schule lernen, da die Lehrprogramme sich in Russland und Deutschland unterscheiden.

Die Stufe II entspricht dem Niveau B2C1 und ermöglicht die Immatrikulation an einer Fachhochschule oder Universität in Deutschland. Neben dem Sprachzertifikat berücksichtigen die Hochschulen die Abiturnote. Diejenigen, die ausgezeichnete Deutschkenntnisse vorweisen, können sich Hoffnungen auf ein Stipendium in Höhe von 650 Euro pro Monat über die gesamte Dauer des Studiums an der Universität machen. Aber dieses Niveau ist schwer zu erreichen. Der weitaus größere Teil der Schüler der Sekundarstufe wird daher wohl einen dreiwöchigen Sprachkurs in Deutschland absolvieren. Immerhin übernimmt die einladende Seite die Kosten für die Unterkunft und trägt die Reisekosten.

 

Steinmeier: „Wir haben damals mit 15 Jahren schlechter Englisch gesprochen"

Die Sprachtests werden von Prüfungskommissionen abgenommen, in denen Schullehrer, die eine entsprechende Weiterqualifizierung durchlaufen haben, aber auch Muttersprachler, mitwirken. Die Aufsätze werden zur Auswertung nach Deutschland geschickt, vor Ort in Russland wird eine mündliche Prüfung abgelegt, die unter anderem aus einem kurzen Vortrag und einem Gespräch besteht. Während es für das Niveau А2B1 ausreicht, über sich, seine Familie oder seine Hobbys zu erzählen, sind für das Niveau B2C1 komplexere Ausführungen notwendig. So wird zum Beispiel der Bewerber aufgefordert, sich zum Führerschein mit 16 oder zur anderen gesellschaftlichen , bzw. politischen Themen zu äußern.

In Jekaterinburg besuchte Frank-Walter Steinmeier das Gymnasium Nr. 37. Das Eintauchen in ein weiteres sprachliches Umfeld neben der Muttersprache beginnt hier in der 1. Klasse und in der 6. Klasse lernen die Schüler bereits vier Stunden Deutsch in der Woche. Bei den Schülern der Sekundarstufe sind es dann wöchentlich sechs Unterrichtsstunden plus Zusatzunterricht, der von Muttersprachlern geführt wird.

Die Schüler der 9. bis 11. Klasse des Jekaterinburger Gymnasiums boten dem Gast aus Deutschland eine kleine Weihnachtsaufführung dar,

Über das Programm

 

Das Programm „Schulen: Partner für die Zukunft" wird durch die Regierung der Bundesrepublik Deutschland finanziert. In den Jahren 2008 bis 2012 wurden für dessen Umsetzung 251 Millionen Euro bereitgestellt.

Gegenwärtig nehmen an dem Programm ungefähr 1500 Schulen weltweit teil. In zwei Jahren wird die Zahl voraussichtlich 2 000 Bildungseinrichtungen erreichen.

berichteten über ihre Eindrücke von der Fahrt nach Deutschland im Rahmen des Austauschprogramms und erzählten außerdem, warum sie einen deutschen Hochschulabschluss erhalten möchten. Konkrete berufliche Pläne hat von den Jugendlichen noch niemand, obwohl sie bereits jetzt schon ganz genau wissen, dass gute Sprachkenntnisse ihnen bei ihrer späteren Karriere von Nutzen sein werden. Deshalb schließen sie für sich die Möglichkeit nicht aus, im Ausland eine Ausbildung zu erhalten oder dort ein Praktikum zu absolvieren. Vorerst werden die Deutschkenntnisse bei Reisen, für Kontakte in sozialen Netzwerken und das Kennenlernen der deutschen Kultur genutzt. Am Ende der Gesprächsrunde war von der ursprünglichen Schüchternheit nichts mehr zu spüren. Die Jugendlichen interessierten sich dafür, was Herr Steinmeier in seiner Kindheit für Träume gehabt habe, was seine Familie von seiner Arbeit halte und womit sich seine 16-jährige Tochter beschäftige. Beim Abschied von den Gymnasiasten erklärte der Politiker, dass er von dem hohen Niveau der Sprachbeherrschung beeindruckt sei. „Wir haben damals mit 15 Jahren schlechter Englisch gesprochen", bekannte er.

 

Programm soll Fachkräftemangel in Deutschland bekämpfen

„Das Programm verfolgt mehrere Ziele. Erstens soll die deutschen Sprache in der Welt an Popularität gewinnen. Zweitens ist es die Suche nach aussichtsreichen Jugendlichen, die den deutschen Fachkräftemangel in einigen Bereichen kompensieren können, indem sie in russisch-deutschen Unternehmen arbeiten werden. Zum Dritten eröffnet es für besonders Talentierte die Möglichkeit eine Ausbildung in Deutschland zu erhalten. Im vergangenen Jahr wurden in Russland 520 B2C1-Zertifikate erteilt, darunter 60 in unserem Bezirk. Wir konzentrieren uns vorerst auf große Städte, aber prinzipiell sind wir auch bereit, Anträge von Schulen aus kleineren Gemeinden entgegenzunehmen. Das Entscheidende ist, dass die Sprachvermittlung auf einem hohem Niveau erfolgt", sagt Uta Wullenbäcker, die Fachberaterin und Koordinatorin der ZfA für die Region Ural.

Gegenwärtig arbeiten in Russland vierzig Mitarbeiter der ZfA. Der Dezember ist für sie Hochsaison: Denn in diesem Monat werden die Deutsch-Prüfungen abgelegt. Frau Wullenbäcker stehen sechs Mitarbeiter zur Seite, aber der Einzugsbereich Ural ist sehr groß. Dazu gehören die Gebiete Swerdlowsk, Orenburg und Tscheljabinsk sowie die Region Perm und die autonome Republik Baschkortostan. Geplant ist die darüber hinaus Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen aus den Gebieten Kurgan und Tjumen sowie den Autonomen Kreisen der Chanten und Mansen und der Jamal-Nenzen.

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