Russlands 12 Wirtschaftsereignisse des Jahres

Russlands Wirtschaftskraft entwickelt sich vielversprechend. Die Finanzwirtschaft stellt sich globaler auf und hofft auch weiterhin auf positive, politische Entscheidungen, wie zum Beispiel Freihandelsabkommen mit asiatischen Partnern.


Russland, Weißrussland und Kasachstan schaffen einen einheitlichen Wirtschaftsraum

Russland, Weißrussland und Kasachstan schaffen einen einheitlichen Wirtschaftsraum

Foto: Kommersant

Am 1. Januar 2012 traten 17 Verträge in Kraft, durch die ein einheitlicher Wirtschaftsraum mit Russland, Weißrussland und Kasachstan geschaffen wurde. Infolgedessen können Waren frei gehandelt und Kapital frei bewegt werden, Arbeitskräfte genießen Freizügigkeit. Die Verträge wurden von den Präsidenten der drei Staaten bereits Ende 2011 unterzeichnet. Die Vereinbarungen führen u.a. dazu, dass russische Ölgesellschaften für Lieferungen nach Weißrussland keinen Aufschlag mehr erheben, wodurch sich die Kosten von Rohöl, verglichen mit dem Vorjahr, um rund $30 reduzieren.

Andererseits gibt es für Mineralölangebote, die in Weißrussland produziert werden, einen leichteren Zugang in Russland. „Wir wurden buchstäblich von ihnen überschwemmt. Aber sie werden sich aufgrund der zunehmenden Knappheit an Benzin auf dem russischen Markt als nützlich erweisen", sagte Jewgeni Arkuscha, Präsident der Moskauer Kraftstoffvereinigung MTA.

 

MICEX und RTS legen den ersten gemeinsamen Bericht vor

MICEX und RTS legen den ersten gemeinsamen Bericht vor

Foto: ITAR-TASS.

Am 11. Mai 2012 präsentierte die unlängst fusionierte Börse MICEX-RTS ihre Ergebnisse für das erste Quartal. Sie verzeichnete einen 92-prozentigen Gewinnrückgang auf umgerechnet 15,5 Millionen Euro. Das sind nur 8% des Gesamtgewinns der beiden Börsen vor ihrer Fusion. Zum Vergleich: Im ersten Quartal 2011 erwirtschaftete die MICEX allein einen Nettoerlös von umgerechnet 18 Millionen Euro. In den Mitteilungen des Unternehmens wurde darauf hingewiesen, dass die Wirtschaftsleistung der Muttergesellschaft nur wegen des neuen Geschäftsmodells dürftig wirke: „Die Erlöse, die andere Unternehmen innerhalb der Gruppe erzielen, werden in Form innerer Dividenden an MICEX-RTS überwiesen werden."

Laut Finam-Chef Arsen Aiwasow werden die Änderungen des Gewinnverteilungsentwurfs die Transparenz des Konzerns bei der Beurteilung von Finanzströmen erhöhen. Tatsächlich erzielten MICEX-RTS-Tochtergesellschaften im ersten Quartal gute Renditen. Das National Clearing Center (NCC) verzeichnete einen 150-prozentigen Gewinnanstieg auf 23 Millionen Euro; gleichzeitig meldete das National Settlement Depository eine Nettogewinnzunahme von 57% gegenüber 2011 auf 23,5 Millionen Euro. Auch das RTS Clearing Center erreichte einen Anstieg des Nettogewinns von 88 Prozent 9 Millionen Euro.

Russland steigt in die Top 50 des Bloomberg-Ranking auf 

Russland steigt in die Top 50 des Bloomberg-Ranking auf

Foto: Reuters/Vostock Photo

Nach dem jüngsten „Bloomberg Best Countries for Business"-Ranking, das im April 2012 veröffentlicht wurde, gehört Russland zu den fünfzig Ländern mit dem besten Investitionsklima. Laut dem Ranking, das die Voraussetzungen für die Anziehung ausländischer Investitionen bewertet, liegt Russland unter 160 analysierten Staaten auf dem 48. Platz. Es überholte Indien und Brasilien, die ebenfalls den BRICS-Staaten angehören. Die Umfrage berücksichtigte zahlreiche Wirtschaftsindikatoren. Vom Grad der ökonomischen Integration und den Kosten einer Geschäftsneugründung bis hin zu Arbeitslöhnen und Materialkosten sowie der Konsumbereitschaft lokaler Verbraucher.

„Die Verbesserung des Investitionsklima im Land ist ein allmählicher Prozess, der mehrere Jahre in Anspruch nehmen könnte", sagte Fjodor Naumow, Chefanalyst bei der in Moskau ansässigen Kapital Asset Management LCC. „Dennoch gibt es einige positive Anzeichen. Russische Banken und mehrere Firmen haben sich verpflichtet, westliche Standards der Geschäftsabwicklung einzuhalten", so Naumow.

Russen profitieren von Facebook

Russen profitieren von Facebook

Foto: Alamy/Legion Media

Am 22. Mai 2012 wurde die russische Investmentfirma DST, geleitet von Juri Milner, dem Mitbesitzer von mail.ru, zum zweitgrößten Käufer von Facebook-Aktien beim Börsengang des Social-Media-Pioniers. DST nahm insgesamt Papiere für 1,31 Milliarden Euro auf und besitzt nun, gemessen am gegenwärtigen Kurs, einen Anteil von 2,45 Milliarden Euro. Facebook erzielte bei der Erstemission 5,2 Milliarden Euro, und die Aktionäre erlösten knapp 7 Milliarden Euro. Accel Partners wurde mit 1,4 Milliarden Euro der größte Käufer. DST kontrolliert weiterhin 4 Prozent des Gesamtkapitals von Facebook und 5,2 Prozent seiner Stammaktien.

Der mail.ru-Konzern, gegründet von Milner und derzeit kontrolliert von Alischer Usmanow, kaufte Facebook-Aktien im Wert von 560 Millionen Euro. Das Unternehmen hat einen geschätzten Anteil in Höhe von etwas über einer Milliarde Euro, was 1,7 Prozent des Gesamtbestands und 2,4 Prozent der Stammaktien entspricht.

 Russland schließt sich endlich der WTO an

Russland schließt sich endlich der WTO an

Foto: Reuters/Vostock Photo

Am 22. August 2012, um 0 Uhr mitteleuropäischer Zeit, wurde Russland offiziell zum 156. Mitglied der Welthandelsorganisation WTO. Das Aufnahmeverfahren hatte fast 19 Jahre beansprucht. Russland ist der letzte große Vertreter der Weltwirtschaft, der von der WTO aufgenommen wurde. Experten meinen, es könne sieben Jahre dauern, bis sich der Markt des Landes den neuen Bedingungen vollauf anpassen werde. Es sei deshalb zu früh, Schlussfolgerungen über die Vor- und Nachteile für Russland und die Weltgemeinschaft als Ganzes zu ziehen.

Die meisten Fachleute glauben jedoch, dass der WTO-Beitritt allein die Wirtschaft nach Lage der Dinge nicht in Schwung bringen wird. Die Grundlagen hätten früher gelegt werden müssen, zum Beispiel durch Maßnahmen zur Schaffung gleicher Wettbewerbsbedingungen und zur Verabschiedung der erforderlichen Gesetze. Nun jedoch wird die Gesetzgebung ein oder zwei Jahre in Anspruch nehmen, und in diesem Zeitraum werden russische Firmen auf dem Weltmarkt an Boden verlieren. „Sogar ohne die WTO sieht die Situation für inländische Erzeuger nicht gut aus. Es ist so, als würde eine Ballerina mit einem Schwergewichtsboxer in den Ring gestellt", erklärte Wjatscheslaw Pronin, stellvertretender Direktor des Analysezentrums WTO-Inform.

 Autohersteller Sollers stellt Mazdas in Wladiwostok her

Autohersteller Sollers stellt Mazdas in Wladiwostok her

Foto: ITAR-TASS

Am 6. September 2012 gründete der russische Autohersteller Sollers ein Joint-Venture mit dem japanischen Konzern Mazda, um Kraftfahrzeuge im Fernen Osten Russlands zu bauen. Der Eröffnungszeremonie des neuen Sollers-Werks in Wladiwostok, wo die Automobile entstehen werden, wohnte auch Präsident Wladimir Putin bei. „Ich begrüße die Tatsache, dass Mazda Russland als Standort für seine erste Betriebsstätte im Ausland gewählt hat. Projekte dieser Art sind von großer Bedeutung nicht nur für die Wirtschaft Russlands, sondern auch für die gesamte Region. Es freut mich, dass solche Vorhaben mit unseren traditionellen Handelspartnern durchgeführt werden; ohne Zweifel sind sie vorteilhaft für beide Seiten", sagte Putin.

Dem russischen Staatsoberhaupt schloss sich Mazda-Präsident Takashi Yamanouchi bei der Feier an. Er gab bekannt, dass der Bau des Offroaders Mazda CX-5 innerhalb eines Monats beginnen werde, gefolgt von der Herstellung der Mazda-6-Limousine im Jahr 2013. Die Produktionskapazität des Werkes beschränkt sich gegenwärtig auf 50 000 Einheiten pro Jahr, doch Sollers hofft, diese Zahl durch Gesamtinvestitionen von 25 Millionen Euro zu erhöhen.

APEC-Gipfel 2012: Russland wendet sich nach Osten 

APEC-Gipfel 2012: Russland wendet sich nach Osten

Foto: ITAR-TASS

Das diesjährige Asiatisch-Pazifische Wirtschaftsforum (APEC) in Wladiwostok ging am 11. September zu Ende. Vor dem Ereignis wurden rund 14 Millionen Euro in die Infrastruktur der Stadt investiert, womit sich die Gesamtkosten für den Gipfel auf etwa 16 Millionen Euro beliefen.

Russland nutzte die Gelegenheit, seinen verstärkten Fokus auf die Asien-Pazifik-Region zu unterstreichen: „Über 50 Prozent unseres Handels finden noch mit der Europäischen Union statt, aber wir sollten einsehen, dass sich das Gleichgewicht verschieben muss, wenn wir uns die Aufgabe stellen, die Wirtschaft zu diversifizieren, um sie zu stärken und weniger abhängig von Rohstoffen zu machen. Mindestens 50 Prozent unseres Außenhandels sollten in der Asien-Pazifik-Region abgewickelt werden", erklärte der stellvertretende Ministerpräsident Igor Schuwalow.Seiner Ansicht nach wird das Potenzial für Handel und Investment-Kooperation mit Ländern wie China, Japan, Südkorea und den Vereinigten Staaten zu weniger als 25 Prozent realisiert. Nach dem Treffen der Außen- und Handelsminister der APEC erhielt Russland 35 Angebote zur Einrichtung von Freihandelszonen, darunter auch mit China und Indien.

Die Sberbank wird privatisiert

Die Sberbank wird privatisiert

Foto: Getty Images/Fotobank

Am 20. September 2012 verkaufte die Bank von Russland 7,6 Prozent der Sberbank-Aktien für knapp 4 Milliarden Euro, um einen positiven Kapitalfluss ins Land zu erwirken und mehr Emittenten zur Platzierung von Aktien zu ermutigen. Die Sberbank-Anteile waren praktisch über Nacht vergriffen, und das Angebotsbuch wurde am Dienstag um 14.30 Uhr Londoner Zeit geschlossen. Der erste stellvertretende Vorsitzende der russischen Zentralbank, Alexej Uljukajew, beschrieb die Platzierung als die „größte der modernen Wirtschaftsgeschichte". Es komme wirklich selten vor, dass das Bid Book an nur einem einzigen Tag zum Einführungskurs um das Dreifache und zum Schlusskurs um das Doppelte überzeichnet ist, kommentierte er. Laut dem Sberbank-Chef German Gref zog das Angebot eine breite Palette von Investoren an, darunter mehr als zehn der größten institutionellen Globalfonds aus Russland, dem Vereinigten Königreich und anderen Ländern in Europa, Asien und dem Nahen Osten. „Die meisten Käufer hatten zuvor nicht in die Sberbank oder überhaupt in Russland investiert", sagte Gref.

 Nord-Stream-Pipeline durch die Ostsee eröffnet

Nord-Stream-Pipeline durch die Ostsee eröffnet

Foto: RIA Novosti

Am 8. Oktober 2012 eröffnete der russische Gasgigant Gazprom den zweiten Strang der Nord-Stream-Pipeline nach Europa, womit er die Kapazität auf 55 Milliarden Kubikmeter pro Jahr verdoppelte. Die erste Phase ging am 8. November 2011 „on stream". Nord Stream transportiert russisches Gas durch eine 1 200 Kilometer lange Leitung unterhalb der Ostsee direkt nach Mitteleuropa.

Die Pipeline beginnt bei der russischen Stadt Wyborg und endet in Greifswald in Deutschland. Vor ihrem Bau wurde russisches Gas entweder durch Weißrussland und Polen oder durch die Ukraine und die Slowakei nach Europa befördert. Die Aktionäre von Nord Stream sind Gazprom (51 Prozent), die deutsche Wintershall Holding und E.ON Ruhrgas (jeweils 15,5 Prozent) sowie GDF Suez in Frankreich und Gasunie aus den Niederlanden mit je 9%.

 Rosneft kauft TNK-BP auf

Rosneft kauft TNK-BP auf

Foto: AFP/East News

Am 22. Oktober 2012 gab der im russischen Staatsbesitz befindliche Ölriese Rosneft seine Absicht bekannt, einen 100-Prozent-Anteil an TNK-BP vom AAR-Konsortium (Alfa Group, Access Industries, Renova) und der britischen BP zu erwerben. Das Geschäft ist insgesamt 46 Milliarden Euro wert. Als Erstes verkaufte BP ihren 50-Prozent-Anteil für 13 Milliarden Euro in bar an Rosneft; hinzu kamen 12,84 Prozent an Rosneft-Aktien. Dann benutzte BP 3,6 Milliarden des Erlöses, um zusätzliche 5,66 Prozent des Rosneft-Bestands für ca. 6 Euro pro Aktie von der russischen Regierung zu erwerben. Damit wurde BP zum zweitgrößten Rosneft-Aktionär nach dem Kreml.

Im Dezember 2012 unterzeichnete Rosneft einen Vertrag mit dem AAR-Konsortium über den Erwerb von dessen 50 Prozent an TNK-BP. Das Geschäft wurde mit etwas über 21 Milliarden Euro bewertet. Die hundertprozentige Akquisition von TNK-BP durch Rosneft soll in der ersten Hälfte 2013 abgeschlossen werden. TNK-BP-Exekutivdirektor German Chan kommentierte: „Eine Transaktion von dieser Größe ist noch nie zuvor in Russland durchgeführt worden, und die Tatsache ihres Abschlusses verweist auf die wachsende Kapazität der inländischen Wirtschaft und auf Russlands führende Rolle in der globalen Öl- und Gasbranche hin."

 MegaFon geht in London an die Börse

MegaFon geht in London an die Börse

Foto: Getty Images/Fotobank

Am 28. November 2012 führte MegaFon, einer der drei größten Mobilfunkanbieter Russlands, an der Londoner Börse eine Erstplatzierung seiner Aktien durch. Das Unternehmen erzielte 1,3 Milliarden Euro, indem es 15,2 Prozent seiner Anteile für 15 Euro pro Aktie anbot. Die meisten Aktien wurden von amerikanischen und britischen Anlegern erworben, während russische Interessenten weniger als 10 Prozent der Bewerber ausmachten.

Die IPO-Investoren bewerteten MegaFon 8,5 Milliarden Euro. Vor der Ausübung der Mehrzuteilungsoption werden 15,2 Prozent des Stammkapitals im Streubesitz bleiben. Die eine Hälfte des Erlöses wird zur Bedienung oder Neufinanzierung der Unternehmensschulden und die andere Hälfte zur Entwicklung und Erweiterung seines Netzwerks verwendet werden. Die Aktionäre von MegaFon heimsten 1,3 Milliarden Euro durch den Börsengang ein und könnten weitere 150 Millionen durch die Ausübung der Neuzuteilungsoption verdienen, bekräftigte ein Finanzexperte gegenüber RBK Daily.

 Yandex und Sberbank geben ein Joint-Venture für e-cash-Lösungen bekannt

Yandex und Sberbank geben ein Joint-Venture für e-cash-Lösungen bekannt


Yandex-Gründer Arkadi Wolosch. Foto: ITAR-TASS

Am 19. Dezember kündigte Sberbank die Gründung eines Joint-Venture mit dem russischen Internetgiganten und Suchmaschinenanbieter Yandex in Bezug auf dessen E-Money-Plattform Yandex Money an.Zur Bildung des Gemeinschaftsunternehmens wird Sberbank für 45 Millionen Euro einen 75-prozentigen Anteil am Grundkapital von Yandex.Money erwerben, wobei Yandex eine Sperrminorität (25 Prozent plus 1 Rubel) an dem Joint-Venture behält.

„Die Ausweitung unserer Präsenz in der digitalen Welt und die Entwicklung von Online-Lösungen ist eine unserer operativen Prioritäten. In Yandex haben wir den optimalen Partner gefunden, um unsere Position auf dem rasch wachsenden Markt des e-Commerce erheblich zu stärken", sagte der Sberbank-Vorstandsvorsitzende German Gref.