Fünf Orte voller Kunst, Kultur und Kreativität

Das Wichtigste am Projekt „Fabrik" ist das große Raum für kreative Stunden. Foto: Kommersant

Das Wichtigste am Projekt „Fabrik" ist das große Raum für kreative Stunden. Foto: Kommersant

Es gibt fünf neue Künstlerkolonien in Russland, die mit ihrer kreativen Energie international Aufmerksamkeit erregten. Fünf Plätze, wo es Künstlern ermöglicht wird, zu leben und zu arbeiten, zu experimentieren und sich mit anderen Künstlern auszutauschen.

Das Programm "artists-in-residence" erfreut sich in Europa und den USA bereits seit langem großer Beliebtheit. Somit hat mittlerweile auch jede Künstlerresidenz ihre eigene Ausrichtung und ihre eigenen Regeln. Einige dieser Residenzen erinnern an die großen Kunstkommunen, wohingegen in anderen gerade einmal zwei oder drei Künstler zusammen leben und arbeiten.

Manche Projekte werden vom Staat finanziert, andere über Stiftungen, wieder andere über private Spenden. Doch eines haben alle Künstlerresidenzen gemeinsam. Die Künstler, die sich auf begrenzte Zeit, Monate oder auch ein Jahr, in den Residenzen einfinden, können sich voll und ganz auf ihr künstlerisches Schaffen konzentrieren und dabei noch von dem Austausch mit den Künstlerkollegen profitieren. Zum Bedauern vieler gibt es in Russland nur weniger solcher Künstlerresidenzen.

 

PROEKT_FABRIKA in Moskau

Das sich in der Fabrik „Roter Oktober" befindliche „Projekt Fabrika" bezeichnet sich selbst als Zentrum der Kunstindustrie. 2008 öffnete die Künstlerkolonie ihre Pforten und bietet seitdem genügend Zimmer für ein oder zwei Personen, wobei die Ausstattung eher schlicht gehalten wurde. Kunstenthusiasten, die nicht gerade das Service eines Fünfsterne-Hotels erwarten, sollten aber alles finden, was sie benötigen.

Das Wichtigste an der „Fabrik" ist ihr großer Raum für kreative Stunden. Die „Aula" bietet Platz für Tanz- und Theaterproben, der Schneideraum dient Spezialisten im Bereich Video Art als Kreativort. Studios geben Künstlern und Bildhauern Raum, um sich zu entfalten, in der „Lackiermaschine" lassen sich hervorragend neue Projekte präsentieren.

Um ein Bewohner in dem „Projekt Fabrika" zu werden, braucht man nur eine Anmeldung auszufüllen, wobei man die Kunstdisziplin, das Projekt, an dem man arbeiten will, und die Finanzierungsquelle angeben muss. Im Gegensatz zu vielen westlichen Projekten, ist das Wohnen im „Projekt Fabrika" nicht kostenlos. Jeder Bewohner muss für Lebensmittel und Arbeitsmaterialen selbst aufkommen.

 

Das Hotel ART-residences in Pensa

Im Hotel „Chistye prudy" in Penza läuft bereits seit drei Jahren das Programm ART‑residences Pensa. Das Programm ermöglicht es Künstlern, für ein bis zwei Monate dort zu leben, ungestört zu arbeiten und ihre Werke in der ART Galerie ISS in Pensa auszustellen.

Um Teilnehmer werden zu können, muss man einen elektronischen Anmeldebogen ausfüllen, der dann von einer Expertenkommission begutachtet wird. Wenn der Künstler von dieser Kommission aufgenommen wird, kann er in den örtlichen Werkstätten seinen Ideen freien Lauf lassen und diese anschließend in der Galerie auch ausstellen – und das alles ganz ohne eigene Kosten.

Im Prinzip gibt es kein fixes Datum, an dem man einziehen kann – Künstler können jederzeit in Absprache mit den Organisatoren vorbeikommen. Das ganze Jahr über kann den Künstlern ein Atelier und ein Ausstellungsraum zur Verfügung gestellt werden. Die Arbeit am Projekt wird auf der Homepage dokumentiert und dem Künstler am Schluss ein Teilnahmezertifikat überreicht.

 

Das National Centre for Contemporary Arts in Kronstadt

Mitten im Zentrum von Kronstadt, direkt neben der wichtigsten architektonischen Sehenswürdigkeit – dem Marine-Dom – hat die Künstlerresidenz des National Centre for Contemporary Arts (NCCA) seine Türen geöffnet. Das zweistöckige Haus wurde dem NCCA vollkommen zur Verfügung gestellt, so dass sich die Kunstschaffenden über drei Schlafzimmer, zwei Wohnzimmer, ein Studio und ein Medienlabor freuen können.

In den acht Jahren, in denen die Künstlerhaus vor den Toren von Sankt Petersburg nun schon besteht, fanden zahlreiche internationale Kulturveranstaltungen wie beispielsweise die internationalen Festivals Interconnection und Kronstadt Forever oder das Public-Art-Projekt Field Studies statt.

Kronstadt ist generell ein Treffpunkt für Künstler, die sich der Kunst im öffentlichen Raum, dem Landschaftsdesign oder auch der Kunsttherapie widmen. Beim letzten Projekt nahmen Künstler aus den Vereinigten Staaten, Italien, Holland, Tschechien, Südafrika, Spanien und Russland teil.

 

Die Künstlerresidenz Perm

Die 2011 eröffnete Künstlerresidenz in der Ural-Stadt Perm wurde nicht nur auf die Initiative örtlicher Künstler hin ins Leben gerufen, sondern auch auf Bemühungen von Vertretern der Behörden. So wurde das Künstlerdomizil vom Ministerium für Kultur der Region Perm mitfinanziert.

Die Idee des Sponsoring der Künste ist ganz simpler Natur. Man ist darum bemüht, die Provinzstadt am Ural in eine Kulturhauptstadt des Landes zu verwandeln. Daher werden die in der Residenz erschaffenen Kunstwerke auch auf internationalen Ausstellungen gezeigt oder unentgeltlich der Stadt für Ausstellungszwecke überlassen. Im Rahmen des Projekts wurden ein Kino-Club, ein Foto-Club, eine Reiseagentur und das Fortbildungsprogramm „Art-politika" („Kunst-Politik") gegründet.

Auf der Eröffnung der Residenz wurde bereits über die Schaffung von Proberäumen und Tonstudios gesprochen. In der Künstlerresidenz in Perm sind somit alle Kunstrichtungen vereint. Um in der Künstlerresidenz aufgenommen zu werden, muss man ein Teilnahmeformular direkt an einen eigens dafür ernannten Expertenrat im Ministerium für Kultur der Region Perm senden. Dieser ist darauf bedacht, dass ein Drittel der Teilnehmer aus Perm kommt, ein Drittel aus anderen Städten Russlands und ein Drittel aus dem Ausland.

 

Die Künstlerkolonie „Nikola-Leniwez"

Das Dorf Nikola-Leniwez, das sich 200 km von Moskau entfernt befindet, erlangte durch die riesengroße Installation des Künstlers Nikolay Polissky und des von ihm organisierten Festivals „Archstojanie" internationale Berühmtheit. So wurde dort 2012 auch eine Künstlerresidenz eröffnet, die von weltweit führenden Architekten und Designern bewundert wird. Im Jahr 2013 sind die Schwerpunkte wie Kunst am Bau, Public Art, Community Art, Land Art, Agroart, Ökologie und Architektur vorgesehen. In Nikola-Leniwez sind die Werkstätten der Künstler ganz auf art&crafts ausgerichtet, ein Konzept, welches Handarbeit in den Vordergrund stellt und in den letzten Jahren zu einem immer populärer werdenden Kunsttrend wurde.


Bald wird auch mit der Umsetzung eines weiteren Projektes begonnen werden. Mit den Ausbildungsprogrammen in den Fachrichtungen „Management für ländliche Entwicklung", „Wirtschaft und Soziologie von Ländern und Siedlungen", „Architektur und Landplanung", „Ökologie und Landwirtschaft" sowie „Kunst und Industrial Design" soll der Ort Kreative aus dem ganzen Land anlocken. „Nikola-Leniwez" stellt somit laut des internationalen Netzwerks „Trans Artists" die größte Künstlerkolonie Europas dar.

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