Vereint in der Trennung von Abfall

Sergej Skorobogatow. Foto aus dem persönlichen Archiv.

Sergej Skorobogatow. Foto aus dem persönlichen Archiv.

Als sich Sergej Skorobogatow in Balaschicha nahe Moskau eine Eigentumswohnung kaufte, beschloss er, im Innenhof seines neuen Heims eine Sammelstelle für recycelbaren Müll einzurichten.

Vom eigenen Geld kaufte er zwei große Mülltonnen. Seine Nachbarn animierte er dazu, Papier und Karton getrennt von Plastik, Glas und Metall zu entsorgen. Die Mehrheit der Bewohner unterstützt Skorobogatows Initiative, einige wurden sogar echte Freunde. Motiviert von seinem Erfolg, versucht der Enthusiast nun, die Wohnungsbaugesellschaft zu überreden, das gesamte neue Wohnviertel mit Mülltrennungsanlagen auszurüsten.

Vor etwa zwei Jahren wurde Sergej Skorobogatow zufällig Zeuge einer Öko-Aufklärungskampagne in Moskaus Stadtzentrum. Deren Teilnehmer

warben an der Twerskaja-Straße mit Mülleimern für das getrennte Sammeln von Abfällen und klärten die Passanten über die Wichtigkeit von Recycling auf. Seither hat sich in Sergejs Familie die Einstellung zum Müll stark verändert. Jeglicher Abfall wird getrennt gesammelt: Glas, Metall, Plastik landen in einem Eimer, Papier und Karton im anderen. „Damals in Moskau erklärte mir eine junge Frau, wie und wo man die gesammelten Abfälle abgeben kann. Es stellte sich heraus, dass es viele solcher Annahmestellen gibt und diese auf einer speziellen Karte eingezeichnet sind", erzählt Skorobogatow. „Zunächst galt es, mir selbst und meiner Familie das konsequente Mülltrennen beizubringen. Dann begann ich mit meinen neuen Nachbarn Bekanntschaft zu schließen und ihnen meine Idee vorzuschlagen. Viele waren einverstanden, die Hausverwaltung ebenfalls. Heute gibt es zwei Initiatoren, mein Nachbar Semen und ich. Semen ist der Inspirator, ich eher der Macher".

Seit etwas mehr als zwei Monaten gibt es nun in Balaschicha an der Tschernjachowskij-Straße 30 im Stadtteil Saltykowka zwei Müllcontainer mit einem Volumen von 240 Litern. Jeder von ihnen, so Skorobogatow, kostete 1800 Rubel (etwa 45 Euro). Neben den Containern hängen Plakate mit Erklärungen, warum und wie man Abfälle trennen soll. Einmal pro Woche fährt Sergej den sortierten Müll mit seinem eigenen Lieferwagen zur Annahmestelle.

„Einen Teil der Abfälle gebe ich einem lokalen Unternehmer in Saltykowka, er verarbeitet das Glas, das Metall und das Papier. Karton, Tetra-Paks und Plastik hingegen muss ich nach Moskau zur Firma „Sfera Ekologii" transportieren, deren Annahmestellen die bequemsten und effizientesten sind. Die nehmen alles an und recyceln auch wirklich", so Skorobogatow.

Sergej war ziemlich verblüfft, von seinen Nachbarn so viel Unterstützung für seine Initiative zu erhalten. Dabei war es ihm wichtig, niemanden etwas aufschwatzen. Ihm kam es vielmehr darauf an, seine Idee mit anderen zu teilen und selber mit gutem Beispiel voranzugehen.

„Ich habe alle Bewohner unseres Hauses besucht. Ich klingelte abends bei jedem, stellte mich vor und berichtete von meinem Projekt. Einige fragten erstaunt, wozu man so etwas brauche. Solche Fragen beantwortete ich mit anschaulichen Fakten, z.B. über den eine Million Quadratkilometer großen Müllteppich aus Plastiktüten und -flaschen im Pazifischen Ozean. Mit der Zeit begannen sogar jene, die zuerst dagegen waren, meinem Beispiel zu folgen. Jetzt werfen fast alle meine Nachbarn den Müll nicht in die allgemeinen Tonnen, sondern in mein „Konkurrenzprodukt". Dabei gehen sie sehr korrekt und sorgfältig vor, einige spülen den Abfall sogar vorher ab, um unangenehme Gerüche zu vermeiden. Ein angenehmer Nebeneffekt vom Ganzen ist, dass ich jetzt alle Hausbewohner persönlich kenne und einige sogar zu Freunden der Familie wurden. Wir laden uns gegenseitig zum Tee ein", berichtet Skorobogatow.

Für die Zukunft hat Skorobogatow große Pläne. Von seinem Erfolg angetrieben, verhandelt er zurzeit mit der Wohnungsbaugesellschaft „Kondr", die das ganze Quartal, in dem Skorobogatow wohnt, erbaut hat und betreibt. Die Firma ist bereit, das ganze Wohngebiet mit entsprechenden Containern zur Abfalltrennung auszurüsten. Ende November traf sich Skorobogatow mit dem Bürgermeister von Balaschicha, Juri Maximow und diskutierte mit ihm ökologische Projekte, die die Stadt realisieren könnte.

Zu seinen Ideen gehören eine eigene Annahmestelle für sortierten Abfall, eine Anlage zum Recycling von Plastiktüten und vieles mehr. Skorobogatow hofft, dass immer mehr Einwohner auch der anderen Bezirke Moskaus und der Umgebung seinem Beispiel bald folgen werden und anfangen, ihren Abfall auf zivilisierte Weise zu entsorgen.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Moskowskije Nowosti.

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