Russland will Inlands-Adoptionen leichter machen

Die russische Regierung plant die Aufnahme von Heimkindern in russische Familien zu erleichtern. Laut Vizepremier Olga Golodez gibt es gegenwärtig in Russland 654.000 Heimkinder, von denen aber nur 128.000 für eine Unterbringung in neuen Familien in Frage kommen. 23.000 dieser

Adoptionsbedürftigen sind allerdings schon älter, da sie nicht mehr in Kinderheimen, sondern in den Internaten von Berufsschulen leben. Dem gegenüber stehen gegenwärtig laut Golodez 18.000 russische Familien, die ihren Wunsch bekundet haben, ein Kind aufzunehmen.

Das Bildungsministerium wurde beauftragt, innerhalb von zehn Tagen Vorschläge zur Vereinfachung des bürokratischen Ablaufs und der „juristisch-organisatorisch-psychologisch-pädagogischen Unterstützung" der Adoptionskandidaten zu erarbeiten. Die Prozedur müsse durchführbar und realistisch sein, ordnete Premier Dmitri Medwedjew an.

Der russische Kinderschutzbeauftragte Pawel Astachow sagte in einem Interview mit der Zeitschrift „Itogi", dass Adoptiveltern gegenwärtig für das Beschaffen der nötigen Dokumente vier bis sechs Monate brauchen würden. Dabei bestehe das Problem, dass beispielsweise beschaffte medizinische Gutachten ihre Gültigkeit während dieser Zeit schon wieder verlieren würden.

Die Regierung hat sich auch vorgenommen, bis Februar einen Gesetzesentwurf auszuarbeiten, der Adoptivfamilien Steuererleichterungen, eine höhere Einmalzahlung an Kindergeld und eine höhere Rente für behinderte Kinder vorsieht. Sie soll von gegenwärtig 5124 Rubel auf 8704 Rubel (ca. 220 Euro) erhöht werden.

Laut Golodez ist bereits eine komplette medizinische Reihenuntersuchung aller russischer Heimkinder in Gang. Die Adoptionsinteressenten würden oft genauere Diagnosen fordern als sie von den Kinderheimen vorgelegt würden.

Astachow kritisierte in dem Interview, dass manche russische Kinderheime es versäumen würden, theoretisch zur Verfügung stehende staatliche Unterstützung für Operationen oder Prothesen für von behinderten Kindern zu beantragen. Offenbar, so sein Verdacht, sei das an Auslandsadoptionen verdienende „Business einiger Beamter" in den entsprechenden Aufsichtsgremien nicht daran interessiert, diesen Kindern ihr Schicksal in Russland zu erleichtern.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Russland Aktuell.

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