Eine Oase in der Wüste

Foto: Pressebild

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Was kommt nach Öl und Gas? Der "Russland-HEUTE" Blogger Der Ulenspiegel überlegt, wie Russland seine Abhängigkeit vom Rohstoffmarkt verringern kann.

Wer wäre so verrückt, nach Dubai zu fahren – in die sterile Boomstadt in der Wüste, wo der Stau schon am Hotellift anfängt? Wer würde dort Geschäfte machen, wenn es nicht Öl gäbe und damit viele reiche Menschen? Weil aber das Öl irgendwann ausgeht, überlegen die Scheichs intensiv, wie sie ihre Wirtschaft auf diesen Moment vorbereiten. Man setzt auf Tourismus, Hightech und Luftfahrt.

Auch nach Russland kommen Geschäftsleute, weil Reichtümer locken, die auf dem Export 
von Bodenschätzen und Energie beruhen. Mit einem guten

Geschäftsklima kann das Land 
allerdings nicht aufwarten, wie in dieser Ausgabe einleuchtend dargestellt wird. Außerdem sagen Experten voraus, dass die wichtigste Einnahmequelle zukünftig nicht mehr gar so schön sprudeln wird. Genauer: Durch neue Fördermethoden sprudelt sie nun woanders, und Russland verliert seine Position auf dem Energiemarkt.Vor diesem Hintergrund wäre es klug, in die Richtung der Ölscheichs zu denken: Was kommt nach Öl und Gas? Korruption und Kriminalität tragen nicht dazu bei, Unternehmer und Investoren anzulocken. Hinzu kommen Alltagsprobleme wie Bürokratie, schlechte Infrastruktur und mangelnde Sicherheit. Noch gibt es in Russland genügend Kunden für westliche Luxusgüter. Aber was kommt in Zukunft?

Nach dem Ende der Sowjetunion sprach alle Welt von Russlands immensem Potenzial. Gut ausgebildete Arbeitskräfte, Wissenschaft auf höchstem Niveau, Kreativität, Nachholbedarf ... und Bodenschätze. Auf Letztere hat man sich gestürzt, alles andere vernachlässigt. Innovation war kein Thema, warum auch? Es wurde fröhlich verkauft und umverteilt, die Industrie lebte von der Substanz. Doch die Kosten sind inzwischen schon höher als in vielen aufstrebenden Wirtschaften Asiens und Lateinamerikas.

Natürlich haben vorausschauende Politiker sich darüber Gedanken gemacht, wie Russland seine Abhängigkeit vom Rohstoffmarkt verringern könnte. Herausgekommen sind Projekte wie die Technologiestadt Skolkowo. Eine Oase in der Wüste – ohne Staus, korrupte Bürokraten und Straßenkriminalität. Das soll ausländische Partner anlocken und Impulse für die russische Wirtschaft liefern. Weiter so!

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland