Nur eine Ente

Wladimir Potanin hat als Grund für seine Großzügigkeit die Sorge um seine Kinder angegeben. Foto: Rossijskaja Gaseta

Wladimir Potanin hat als Grund für seine Großzügigkeit die Sorge um seine Kinder angegeben. Foto: Rossijskaja Gaseta

Der russische Milliardär Wladimir Potanin spendet die Hälfte seines Vermögens einer amerikanischen Wohltätigkeitsstiftung „The Giving Pledge“. Diese Geste wirkt wie eine Provokation, meint unser Blogger der Ulenspiegel.

Oligarch ist nicht gleich Oligarch. Manche gehen im Kreml ein und aus, andere befinden sich im Exil oder gar im Gefängnis. Die einen karren Bussen voller Nutten durch die Welt, die anderen treten einer exklusiven amerikanischen Vereinigung milliardenschwerer Philanthropen bei.

Aber eines haben sie alle gemeinsam: Die russischen Oligarchen, ob Chodorkowski oder seine Putin-treuen Kollegen, habe sich ihr Vermögen nicht erarbeitet. Sie haben sich fremdes Eigentum, sagen wir mal höflich, „angeeignet“. Werte, die andere schon früher geschaffen hatten.

Das gilt auch für die Bodenschätze, die die Oligarchen kontrollieren. Die liegen bekanntlich nicht einfach so herum, sondern müssen entdeckt, gefördert und verarbeitet werden. Und das hat, rein formal betrachtet, das Sowjetvolk geleistet. Vielleicht geschah das nicht auf die effizienteste Weise. Aber jedenfalls war es nicht die Leistung der skrupellosen Komsomolzen, die Ende der 1980er Jahre den Zusammenbruch des roten Imperiums dazu nutzen, sich die besten Stücke aus der Erbmasse herauszureißen.

Der Oligarch Wladimir Potanin, will nun die Hälfte seiner gut elf Milliarden Euro abgeben um Mitglied im Club der superreichen Mäzene zu werden. Die Organisation mit dem Namen „The Giving Pledge“ funktioniert so: Die Mitglieder verpflichten sich, einen Großteil ihres Vermögens einem guten Zweck zu spenden. An wen oder wann, ist ihre Sache.

Die Zahlung kann auch erst nach dem Tod erfolgen. Eine Kontrolle gibt es nicht, laut der Organisation stellt die Mitgliedschaft nur eine „moralische Verpflichtung“ dar. Klar, „Pledge“ heißt ja „Versprechen“. Nicht mitbestimmen über die Verwendung den Potanin-Milliarden dürfen hingegen diejenigen, denen das Geld früher mal gehörte, also die Bürger der russischen Föderation

Potanin hat als Grund für seine Großzügigkeit die Sorge um seine Kinder angegeben. „Das viele Geld ist eine große Verlockung, eine große Probe und eine schwere Bürde für die Nachkommen, da diese immer im Schatten ihres berühmten und reichen Vaters stehen. Sie haben nur wenige Ziele und nur eine geringe Motivation im Leben. Denn sie besitzen ja schon alles, was man haben kann. Deswegen glaube ich, dass man seinen Kindern kein solch großes Vermögen hinterlassen sollte. Wenn man sein Kind glücklich machen will, dann gibt man ihm eine Million, wenn man es ins Verderben stürzen will, dann gibt man ihm eine Milliarde.“ Mit diesen Worten zitiert „Russland HEUTE“ den edlen Spender.

Vor solchen Problem stehen nur wenige Eltern. Eine Million als „eiserne Ration“ im Kampf gegen die Härten des Alltags, das klingt nicht gerade nach spartanischer Erziehung. Egal ob der von Potanin genannte Grund stichhaltig ist oder nur vorgeschoben: Seine Kinder werden mit dem Rest des Geldes und Papas Beziehungen auch so ganz gut über die Runden kommen.

Darum wirkt die Geste, trotz des erheblichen Betrags, eher wie eine Provokation. Genauso wie der Kauf wertvoller Schmuck-Eier der Zarenfamilie, hergestellt vom Juwelier Fabergé, durch den Oligarchen Viktor Wekselberg. Angeblich für Russland. Allerdings liegen die Prachtstücke jetzt in einem Tresor in London, und gehören dem Oligarchen, nicht dem russischen Volk oder dem Staat. Trotzdem vermarktete er die Investition als Mäzenatentum.

Da lob‘ ich mir doch den Reichsten der Superreichen. Dieser, ein Kapitalist der alten Schule, gibt wenigstens gar nicht erst vor, großzügig zu sein. Und seine Sippschaft bereitet er auf den Ernst des Lebens vor, in dem er sie gnadenlos ausbeutet. Aber der ist weder ein Russe, noch ein Amerikaner. Sondern eine Ente.

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland