Zyprische Gedanken

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Das Pokern um Zypern macht die Schwäche der EU deutlich, meint der Kolumnist von Russland HEUTE Der Ulenspiegel.

Sollen EU-Bürger mit ihren Steuern das Schwarzgeld russischer Oligarchen retten? Schon Rettungsaktionen für Griechenland und Spanien sind höchst unpopulär. Aber Zypern? Wer sein Land zur Geldwaschanlage für dubiose Unternehmer macht, denkt sich der brave Sparer in der Nord-EU, der muss sich nicht wundern, wenn ihm irgendwann das Wasser bis zum Hals steht.

Auch die Klage des russischen Premiers, einige Behörden seien betroffen, weil sie Konten auf Zypern hätten, stößt auf Verwunderung. Behörden mit

Konten auf Zypern? Warum nicht auf den Cayman-Inseln? Letztere gehören übrigens zu Großbritannien, wo man ebenfalls nicht auf die Vorteile von Offshore-Zonen verzichtet. Darum hält man sich auch gleich mehrere davon. Aber das nur am Rande.

Das Pokern um Zypern macht die Schwäche der EU deutlich, die zu einer Stärke Russlands werden könnte. Wollen die Europäer ein Land retten, heißt das vor allem: sparen. Es ist die Stunde der Populisten. Demonstranten gehen auf die Straße und recken Plakate mit antideutschen Parolen in die Höhe: Brüssel ist schuld und die bösen Deutschen, die wieder alle nach ihrer Pfeife tanzen lassen wollen. Die Bürger der wohlhabenden EU-Länder jedoch sind wütend, weil sie hart arbeiten und Faulpelze aushalten müssen.

Für Russland ist schon die Tatsache, dass man als möglicher Retter gesehen wird, ein kleiner Erfolg. Ein Retter noch dazu, der nicht ständig ermahnt, den Gürtel enger zu schnallen. Was Russland von einem Land wie Zypern als Gegenleistung verlangen könnte, schreckt dessen Bürger nicht: ein paar Anteile an Energiekonzernen, eine Anwartschaft auf die Gasvorkommen. Was soll's! Das halbe Land gehört ohnehin schon den Russen. Und die werfen derart mit Geld um sich, dass auch für die kleinen Leute etwas abfällt.

Dieselbe Strategie fährt China in Afrika: Hol dir, was du brauchst, bezahle so viel wie nötig und rede nicht über Demokratie und Verantwortung. So macht man sich Freunde in der Welt, vor allem als Gegenbild zum Westen, der zunehmend als heuchelnder Lehrmeister wahrgenommen wird. Dass auch die unaufdringlichen Onkel mit dem Geldsack irgendwann eine Gegenrechnung präsentieren, ist eine andere Frage.

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