Caligulas Rat für Russland

Foto: AFP / East News

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Die Kritik an Russland hat kaum reale Auswirkungen, meint der Ulenspiegel.

Das Thema „Russlands Image in Ausland" ist ein Dauerbrenner. Immer wieder gibt es dazu Diskussionsrunden und immer verläuft die Debatte nach gleichem Muster.  Die russische Seite beklagt, dass ihr Land in den westlichen Medien schlecht wegkommt und dass dies ein Resultat antirussischer Propaganda interessierter Kreise sei. Die westlichen Gesprächspartner weisen das empört zurück und erwidern, Russland müsse eben an seinen Defiziten arbeiten, um eine bessere Presse zu bekommen. Die westlichen Journalisten beteuern, sie würde nur das berichten, was sie sehen. Und am Schluss einigen sich alle darauf, dass beide Seiten sich besser kennenlernen sollten, denn nur im direkten Kontakt werden Vorurteile abgebaut.

Solche Gespräche, wie jetzt wieder in Berlin, sind nett und mögen den einen oder anderen zum Nachdenken anregen, aber sie bringen selten konkrete Resultate. So ziemlich alle Prämissen, die auf solchen Foren angeboten werden, sind schief oder gleich ganz falsch. Gehen wir eine nach der anderen durch, um zu sehen, warum.

Russland kommt in den Medien schlecht weg: Da ist natürlich etwas dran. Aber damit steht Russland nicht alleine. Jeder Akteur in Politik und Wirtschaft, der einem anderen in die Quere kommt, wird zum Ziel von Propagandaattacken. Wenn Deutschland etwas unternimmt, was in Griechenland, Polen oder Italien schlecht ankommt, prangt Angela Merkel dort am nächsten Tag in SS-Uniform auf dem Titel eines Magazins.

Sogar Amerika wird kritisiert. Vergleiche mit Cowboys, Berichte über fundamentalistische Sektierer, reaktionäre Tea-Party-Hinterwäldler und gewalttätige Waffennarren sind fester Bestandteil der USA-Berichterstattung. Allerdings hat die Kritik kaum reale Auswirkungen. Klar, die Amis spionieren uns aus, aber sie sind dennoch unsere Freunde.

Das schlechte Image im Ausland stellt für Russland ein Problem dar: Auch die Kritik an Russland hat kaum reale Auswirkungen. Der Handel zwischen Deutschland und Russland läuft, solange es gemeinsame ökonomische Interessen gibt. Und Meinungsverschiedenheiten zwischen Russland und dem Westen sind nicht von den Medien herbeigeschrieben, sondern beruhen auf realen Interessenkonflikten. Die Empörungs-Rituale bei russischen Menschenrechtsverletzungen sind innenpolitische Signale. Seht her, wir erheben mutig unsere Stimme, wenn irgendwo auf der Welt Unrecht geschieht. Für Putin ist diese Kritik sogar hilfreich. Er kann zu Hause darauf verweisen, wie aggressiv der Westen sich in die inneren Angelegenheiten des Landes einmischt. Das bringt ihm wiederum Pluspunkte bei seinen Wählern.

Die Medien bilden die Realität ab beziehungsweise sie sind Propaganda-Instrumente: Zwei gegensätzliche Thesen, die aber beide nicht sehr weit führen. Natürlich hat die Medienrealität nicht viel mit der realen Realität zu tun. Jeder Beitrag ist das Produkt von Auswahl und Interpretation. Sehr häufig ist er auch das Resultat gezielter Beeinflussung.

Viele versuchen, ihre Sicht der Dinge in die Medien zu tragen, doch nicht alle haben Erfolg. Die deutsche Wirtschaft beispielsweise ist durchaus interessiert an einem positiven Russlandbild. Doch das wirkt sich kaum aus auf die Berichterstattung. Die Medien spiegeln ein altes Bild von Russland wider, das in weiten Teilen der Gesellschaft vorherrschend ist. Diese Propaganda hat schon vor langer Zeit begonnen und sitzt tief in den Köpfen. Sie wird kaum noch als solche wahrgenommen. Die Journalisten lassen sich nur treiben in dem großen Meinungsstrom.

Wenn Russland sich bessert, dann wird auch sein Image besser: Man könnte fast meinen, dass das stimmt. War nicht Russland unter Gorbatschow und Jelzin sehr beliebt und wurde in den Medien gelobt? Das trifft zu, aber nicht, weil damals in Russland keine Menschenrechte verletzt wurden, niemand ermordet wurde, alle genug zu essen hatten und die Wahlen fair verliefen. Sondern deshalb, weil Russland kein Machtfaktor mehr zu sein schein. Russland wie Deutschland werden international kritisiert, seitdem sie anderen Mächten in die Quere kommen. Russland also seit Iwan dem Schrecklichen, Deutschland seit der Reichsgründung von 1871.

Russland muss sein Image mit gezielter PR verbessern: Auch das ist ein Irrtum. Das Image eines Landes hängt nicht von der Höhe seines Werbe-Budgets ab. Das schlechte Image Russlands wurde vor langer Zeit geprägt und kann nicht einfach durch ein paar Kulturfestivals mehr korrigiert werden. "Everybody's darling is everybody's Depp", sagte einst

Franz Josef Strauß. Ein Land mit Großmacht-Ambitionen kann und muss nicht überall beliebt sein. Wenn, dann tragen diplomatische Erfolge wie die jüngste Syrien-Initiative zum Image bei. Die sorgt nicht überall für Jubel, zeigt aber, dass an Russland kein Weg vorbei führt.

Mehr Austausch sorgt für eine positive Wendung: Der Klassiker unter den Ratschlägen wohlmeinender Völkerversteher. Komisch nur, dass viele westliche Russland-Nörgler lange in dem Land gelebt haben oder noch leben. Unter den Emigranten aus Russland gibt es ja auch viele, die Deutschland und den Westen ganz schrecklich finden, aber trotzdem nicht nach Hause wollen. Experten für Interkulturelle Kommunikation wissen längst, dass der direkte Kontakt Aversionen oft verstärkt, nicht abbaut.

Fazit: Man kann eh nichts tun, und außerdem ist es auch egal. Klingt traurig, ist aber wahr. Kaiser Caligula hatte schon Recht, wenn er sagte „sollen sie mich ruhig hassen, solange sie mich fürchten!"