Gefüllte Auberginen: Garantierter Erfolg bei jedem Dinner

Gefüllte Auberginen sind nichts für spontane Köche, denn die Zubereitung braucht Zeit. Aber das Rezept ist einfach und überzeugt auch den anspruchsvollsten Gourmet.

Foto: Jennifer Jeremejewa

Jeder spricht über die Zunahme der Fremdenfeindlichkeit in Russland, doch aus meiner Sicht ist der Begriff „Nachahmernation" nach wie vor das treffende Schlagwort. Es ist interessant, welche Dinge Russland aus dem Ausland übernimmt – und welche nicht. Die Allgegenwart von Sushi erstaunt mich immer wieder; und das fortwährende Fehlen der britischen Fernsehserie „Downton Abbey" zur besten Sendezeit enttäuscht mich. Darüber hinaus gibt es Dinge, über die ich nur staunend den Kopf schütteln kann, wie Iwan Urgants nächtliche Talkshow „Wetschernij Urgant", die die „Late Night with David Letterman", „Jimmy Fallon", „The Jay Leno Show" und „The Tonight Show" auf verblüffende Weise kombiniert. Alles wird von westlichen Vorbildern übernommen, aber ich bin ganz süchtig danach.

Ich war allerdings zutiefst betrübt, als das sogenannte „Running Dinner" auf heimtückischen Wegen nach Moskau fand. In diesem Jahr habe ich bereits vier dieser Dinnerpartys besucht, und ich bin bereit, mein weißes Damasttischtuch zu schwenken und zu kapitulieren. Diese Angewohnheit, jeden Gang einer Mahlzeit in einem anderen Haus einzunehmen, muss wohl der barbarischste Import aus dem Westen sein, seit Peter der Große das Kielholen einführte.

Niemand will so ein Running Dinner: Jeder muss aufräumen, niemand kann für einen Abend der häuslichen Routine entkommen, und keiner wird für ein Drei-Gänge-Menü gelobt. Diese Binsenweisheiten wurden mir nach meinem hoffentlich letzten Running Dinner, an dem ich teilnahm, klar.

Mein Freund Jesus und ich waren für die Vorspeisen zuständig. Jesus stahl mir vollkommen die Schau, indem er in den Dorogomilowskij-Markt ging und ein Kilo des schwarzen Kaviars kaufte, den sie unter der Theke aufbewahren. Ich beschwerte mich, fand das unfair und warf ihm Dinge an den Kopf, die ich hier nicht wiedergeben möchte. Doch er zuckte lediglich die in Armani gekleideten Schultern und stolzierte zurück zum Wagen.

Ich brauchte ein beeindruckendes Gericht, das im Voraus zubereitet werden konnte – und zwar schnell. Auberginen kamen mir zu Hilfe! Dieses kräftige Herbstgemüse ist ein weiterer eingeführter Schatz, der Sushi mehrere Jahrhunderte voraus ist. Auberginen fanden ihren Weg vom Kaukasus in die russische Küche, dort stellen sie praktisch eine eigene Nahrungsmittelgruppe dar. Ich dachte ernsthaft darüber nach, „Auberginen-Kaviar" zu machen, nur um Jesus zu ärgern.

Diese köstliche Abwandlung von Ratatouille kombiniert gegrillte Auberginen mit Tomaten und Zwiebeln. Die reifen Granatäpfel, die der Marktstand zu bieten hatte, brachten mich dann allerdings auf eine andere Idee: georgische gefüllte Auberginen mit Walnüssen und Koriander, garniert mit frischen Granatapfelsamen. Gegrillte oder kurz gebratene Auberginen werden mit einer würzigen Mischung aus Walnüssen, Koriander, Zitrone, Zwiebeln und Granatapfelsirup gefüllt. Das Hinzufügen von Bulgur ist eine Abweichung von der Tradition, aber empfehlenswert, da er die Füllung zusammenhält. Die Kombination aus leuchtenden, südländischen Farben und herbstlichen Geschmacksrichtungen war ein Riesenerfolg!

Oder zumindest denke ich, dass es so war. Wir mussten schnell essen, dann unsere Mäntel überwerfen und direkt zum Ort des Hauptgangs eilen. Das nächste Mal werde ich einfach nur gefüllte Auberginen zubereiten, zu Hause bleiben und mir allein „Wetschernij Urgant" ansehen.

Zutaten:

6 kleine, feste Auberginen

1 Tasse Walnüsse

1 Bund Koriander

4 Esslöffel frischer Estragon

⅓ Tasse frische Petersilie

4 Knoblauchzehen

4 Esslöffel frischer Zitronensaft

2 Esslöffel frische Zitronenschale

4 Esslöffel Granatapfelsirup (Grenadine)

½ Tasse Gold-Lauch, fein gewürfelt

1 Stange Stangensellerie, geschält und fein gewürfelt

⅔ Tasse gekochter Weizenbulgur (⅓ Tasse ungekocht)

1 Esslöffel Gerber-Sumach

1 Esslöffel scharfes Paprikapulver

1 Esslöffel Salz

⅓ Tasse Olivenöl

Zum Garnieren

½ Tasse frische Granatapfelsamen

Frischer Koriander

Frühlingszwiebeln

 

Zubereitung:

1. Die Enden der Auberginen abschneiden und jede Frucht der Länge nach halbieren. Mit Salz bestreuen und in ein Sieb legen, das über eine Schüssel platziert wird. 45 bis 75 Minuten ziehen lassen.

2. In einem kleinen Kochtopf ⅓ Tasse ungekochten Weizenbulgur mit derselben Menge Wasser verrühren und abgedeckt zehn Minuten kochen. Zum weiteren Dämpfen den abgedeckten Topf 15 Minuten stehen lassen.

3. Walnüsse, Koriander, Estragon, Zitronenschale, Grenadine und Knoblauch in einer Küchenmaschine mit einer Stahlklinge zerkleinern und zwei Minuten verrühren, beziehungsweise bis eine teigartige Konsistenz entsteht. Die Mischung in eine Teigschüssel füllen.

4. Zwiebeln, Sellerie, gekochten Bulgur, Gerber-Sumach, Paprikapulver und Zitronensaft hinzufügen und unterrühren. Nach Geschmack mit Salz und Pfeffer nachwürzen.

5. Die Auberginen mit Küchenpapier trocken tupfen, auf einen Teller (nicht

aus Metall!) legen, mit Küchenpapier bedecken und 90 Sekunden in der Mikrowelle garen.

6. Das Olivenöl bei mittlerer Hitze in einer großen Pfanne erhitzen. Die Auberginen mit der fleischigen Seite nach unten in die Pfanne legen und zehn Minuten braten. Zum Abkühlen auf ein mit Küchenpapier ausgelegtes Backblech legen.

7. Mithilfe eines kleinen, scharfen Messers und einem Teelöffel die Mitte der garen Auberginen aushöhlen und dabei mindestens 1 cm Fleisch stehen lassen.

8. Die Auberginen auf eine Servierplatte legen und die Walnuss-Mischung in die Höhlung füllen. Die Platte mit Frischhaltefolie abdecken und mindestens drei Stunden (oder über Nacht) kühl stellen.

9. Vor dem Servieren mit Granatapfelsamen, Koriander und Frühlingszwiebeln garnieren.

 

Auf der Grundlage eines Rezepts aus „Please to the Table" von Anya von Bremzen.

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