Russische Redensarten: Nervig wie eine Fliege, fleißig wie eine Biene

Bild: Nijas Karim

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Die Menschen haben schon seit jeher Tieren menschliche Eigenschaften zugeschrieben: Ergebenheit, Arbeitsliebe, Stolz. In der russischen Sprache führte das zu einer Vielzahl von Redensarten.

Der Vergleich einer Person mit einem Tier unterstreicht in den meisten Fällen deren negative Eigenschaften. Von allen Haus- und Nutztieren wird in der russischen Sprache wohl lediglich der Bulle positiv eingeschätzt: Von einem gesunden Mann sagt man, er sei „gesund wie ein Bulle". Gleichzeitig ist bei einer Frau, die mit einer Kuh verglichen wird, meist die Rede davon, dass sie „dick wie eine Kuh" sei.

Das Schwein ist ein Symbol der Unreinheit, wobei die Redensart „dreckig wie ein Schwein" die Unreinheit im körperlichen Sinne meint. Wenn jedoch gesagt wird, „er ist ein Schwein", meint dies die Unreinheit im moralischen Sinne, wenn also eine Person irgendeine Schweinerei angestellt oder sie sich schweinisch benommen hat.

Ein „Hammel" beschreibt in erster Linie einen dummen Menschen. Im Russischen steht nicht der Ochs', sondern der Hammel vor dem neuen Tor,

was bedeutet, dass jemand mit einer neuen Situation vollkommen überfordert ist. Ein „Schaf" ist eine naive und schreckhafte Frau. Nicht sehr schmeichelhaft sind auch die Vergleiche mit gefiederten Vertreter der Haustiere: Von einer arroganten Person sagt man, sie plustere sich auf „wie eine Pute" oder sei „eitel wie eine Gans". Die Gans kann jedoch auch ein Symbol von Gleichgültigkeit sein: „Das Wasser läuft von ihm ab wie von einer Gans" bedeutet „Er macht sich keine Gedanken wegen irgendwelcher Schwierigkeiten". Der Hahn ist ein Symbol der Aggressivität: „rauflustig wie ein Hahn" heißt es. Die Henne dagegen wird aus unerfindlichen Gründen mit einer schlechten Handschrift in Verbindung gebracht: „Er schreibt wie eine Henne mit dem Fuß".

Ein Pferd ist das Symbol für schwere und ehrliche Arbeit: Von einem Workaholic sagt man, dass er „ackere wie ein Pferd". Ein mausgrauer Falbe ist ein Pferd, dass mit seiner Farbe verschiedene Redensarten ins Leben gerufen hat: Von einer Person, die ganz offenbar die Unwahrheit spricht, heißt es „sie lügt wie ein mausgrauer Wallach", eine vollkommen unsinnige Äußerung nennt man dagegen „Hirngespinst einer mausgrauen Stute".

Der Vergleich mit einem Hund kann sowohl negativ – „böse wie ein Hund" – als auch positiv sein: „treu wie ein Köter". Wenn zwei Familienmitglieder nicht miteinander auskommen, sagt man: „Sie leben miteinander wie Hund und Katze". Die Maus ist ein Symbol des materiellen Notstands: Eine nicht vermögende Person sei „arm wie eine Kirchenmaus".

 

Die Helden der Volksmärchen: Wolf, Fuchs, Hase und Bär

Die beliebtesten Helden der russischen Volksmärchen sind der Wolf, der Fuchs, der Hase und der Bär. Ihre unveränderlich symbolischen Charaktere

schufen in der russischen Sprache solche Redensarten wie „hungrig wie ein Wolf", „listig wie ein Fuchs", „ängstlich wie ein Hase", wobei als „Hase" auch Schwarzfahrer in öffentlichen Verkehrsmitteln bezeichnet werden. Der Bär jedoch, der in Wirklichkeit ein gefährliches Raubtier ist, wird in den Märchen als unbeholfen, aber gutmütig dargestellt – auch das Symbol der Olympischen Spiele 1980 in Moskau war ein liebenswerter Mischa. Eine massige und unbeholfene Person vergleicht man dagegen eher nicht mit einem Bären, sondern mit einem Elefanten. Dazu sagt man: „Er benimmt sich wie ein Elefant im Porzellanladen".

Abgesehen vom Pferd dient noch ein weiteres Tier als Symbol für Arbeitsliebe und Fleiß: die Ameise. Interessant ist, dass die gefährlichere Biene, deren Stiche schmerzhafter sind als die Bisse einer Ameise, positiv bewertet wird. Wenn eine Person viel und aufopferungsvoll arbeitet, heißt es: „Sie ist fleißig wie ein Biene". Die harmlose Fliege ist jedoch mit einem negativen Image behaftet: „Er ist aufdringlich wie ein Fliege".

Der Vergleich mit Vögeln ist in der Regel positiv: „Er singt wie eine Nachtigall", „er ist schlank wie ein Schwan", „er ist weise wie eine Eule", „er ist flink wie ein Spatz", „er ist stolz wie ein Adler". Allerdings gibt es auch hier negative Redensarten. Eine aggressive und böse Person kann

„grausam wie ein Geier" sein, eine Klatschbase ist „schwatzhaft wie eine Elster" und eine Frau, die sich nicht um ihre Kinder kümmert, nennt man im Russischen einen „Kuckuck" – im Gegensatz zu der deutschen „Rabenmutter".

Eine überaus gelassene, um nicht zu sagen lahme, Person wird mit einer Schildkröte verglichen: „Träge wie eine Schildkröte" sagt man, wenn jemand sehr viel Zeit für die Ausführung einer Handlung benötigt. Die Redensart „schnellfüßig wie ein Hirsch" bezeichnet das ganze Gegenteil: die Fähigkeit, sehr schnell zu rennen.

Der Fisch gehört zu den Tieren, die in vielen Redensarten anzutreffen sind. Eine schweigsame Person ist „stumm wie ein Fisch". Ist jemand ganz in seinem Element, heißt es von ihm, „er fühlt sich wie ein Fisch im Wasser", eine hilflose, verzweifelte Person „schlägt wie ein Fisch ans Eis" oder wie es im Deutschen heißt, „müht sich ab wie ein Fisch auf dem Trocknen". Ein Hecht ist im russischen Volksglauben ein wundertätiger Fisch, der jeden beliebigen Wusch erfüllt – ein toller Hecht eben.

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