Die Dämonen des Malers Wrubel

Bild: Natalja Michajlenko

Bild: Natalja Michajlenko

Der Maler Michail Wrubel (1856-1910), der Werke wie „Der Dämon“ und „Zarewna-Lebed“ geschaffen hat, ist eine der tragischsten Figuren in der russischen Malerei.

Man sagte über ihn, er habe seine Seele an den Teufel verkauft. Nicht umsonst ist ja alles Unglück über ihn hereingebrochen, als er seinen „Besiegten Dämonen" (1902) malte. Der Dämon von Michail Wrubel ist ein Symbol für den Menschen, der in göttliche Sphären fliegen wollte und niedergeworfen wurde. Es ist ein antichristliches Bild, und das hat der Künstler auch selbst so verstanden. Er sagte, dass er „in diesem Gemälde die Sinnlichkeit, das Streben nach dem Schönen, nach der Raffinesse ausdrücken will. All das, was Menschen wegen christlicher Ideen meinen, ablehnen zu müssen." So wollte er es – und er wurde niedergeschmettert.

Er arbeitete 17 Stunden am Tag, schlief fast gar nicht. Er begann, viel zu trinken und zerstritt sich mit seinen Künstlerfreunden. Zu dieser Zeit bekamen die Wrubels einen Sohn. Einen gesunden Jungen, jedoch mit dem Makel einer Hasenscharte. Wrubel bekam Halluzinationen und wurde in eine Anstalt eingewiesen. Mit seinem Gemälde passierte währenddessen ein Wunder. Ein Teil des Bildes wurde mit Bronzepulvern gemalt. Das war blendend schön, doch mit der Zeit wechselten die Pulver ihre Farbe und das Gesicht des Dämons wandelte sich von einem wunderschönen in ein böses, finsteres und düsteres. Der Dämon zeigte sein wahres Gesicht, und das war erschreckend. Das Bild wurde weder von Sammlern noch von Museen gekauft.

"Der Dämon" von Michail Wrubel. Foto: Wikipedia.org. Klicken Sie um das Bild zu vergrößern.

Mit Wrubel passierte dieselbe Verwandlung wie mit seinem Dämon: Aus einem intelligenten, freundlichen und ausgeglichenen Mann wurde ein schwer zu ertragener Mensch, der jeden um sich herum quälte, er schrie alle an, halluzinierte und verlangte Alkohol. Doch damit endete sein Unglück nicht. Ein Jahr später starb sein Sohn. Und ein weiteres Jahr später erblindete er. Sein letztes Werk malte er schon, als er es nur noch ertasten konnte. Die Welt versank in Dunkelheit und schmolz dahin. Und in den Ohren erklang die Stimme: „Nun hast du mir alles bezahlt!"

Wrubel starb schließlich an einer Lungenentzündung. Doch sein Tod sah einem Selbstmord ähnlich: Im Winter entkleidete er sich und stand

absichtlich stundenlang vor dem offenen Fenster, woraufhin er natürlich erkrankte. Er starb in der Heilanstalt für Seelenkranke.

Ein ähnliches Schicksal ereilte zu ungefähr der selben Zeit dem deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche, der sagte, Gott sei tot. Auch Nietzsche beendete sein Leben in einer psychiatrischen Klinik, in furchtbaren Zuständen. Seine Bücher hatte Wrubel sicherlich gelesen. Nietzsche war ziemlich beliebt in der Boheme der russischen Künstler. Nietzsches Lehren beeinflussten viele Dichter, Musiker und Künstler, doch wenige von ihnen gingen so weit wie Wrubel. Seine Bilder sind eine ewige Erinnerung daran, wie hoch ein Mensch steigen kann, und wie schlimm es ist, aus einer solchen Höhe niederzustürzen.

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