Manchmal ist die Pechsträhne ganz schön breit

Die Chefin von der russischen Zentralbank Elvira Nabiullina.  Die russische Zentralbank hat der großen russischen Bank "Master-Bank" die Lizenz entzogen. Foto: ITAR-TASS

Die Chefin von der russischen Zentralbank Elvira Nabiullina. Die russische Zentralbank hat der großen russischen Bank "Master-Bank" die Lizenz entzogen. Foto: ITAR-TASS

Das alte Jahr könnte sich wirklich vom Acker machen, es hält jeden Tag neue Katastrophen bereit oder lässt den Alltag zum Hindernisparcour werden.

Als ich nach Surgut in Westsibirien fliegen wollte, kam ich am Morgen, mitten in der rush hour nicht weg aus Tuschino, erreichte den Airportexpress mit Mühe und Not und konnte dann kein Ticket lösen, weil der Automat meine Karte nicht mochte.

Ahnungslos checkte ich ein, musste dann aber eine mehrstündige Verspätung in Kauf nehmen. Man hielt uns mit fadenscheinigen Ansagen hin, belog uns ganz offensichtlich. Nach der Katastrophe von Kazan ging das nicht spurlos an den Passagieren vorbei. Die Menschen sind hier besonders in dieser Jahreszeit an Verspätungen gewöhnt und geraten nicht so leicht in Panik, aber sowohl die Tragödie von Kazan als auch die neuerlichen Enthüllungen über Mißstände bei der Pilotenausbildung sensibilisieren und machen dünnhäutig.

Das Flugzeug, das man uns endlich bereit stellte, war eine elende Möhre, eben erst aus einem Hangar geholt. Es fehlte sogar der Teppichbelag, in der Toilette lief kein Wasser, kurzum, ein echtes Vergnügen. Um uns „zu beruhigen", schoben die Stewards noch widersprüchliche Erklärungen zum Grund der Verspätung nach.

Ich habe sonst für das tourimäßige Geklatsche nach geglückter Landung wenig übrig, konnte es diesmal aber verstehen.

Nach der Rückkehr nach Moskau kam der nächste Hammer. Die Bank, wo ich ein paar Rubel angelegt hatte, wurde von der Chefin der Zentralbank

mit einem Federstrich liqudiert. Es gibt zwar eine Absicherung bis zu einer bestimmten Summe, die Anleger können diese problemlos erhalten, müssen allerdings lange Schlangen in Kauf nehmen. Alles was drüber ist, fällt der Versicherungsgesellschaft in den Schoß. Firmenkonten und Firmengelder sind unwiederbringlich weg. Business po russki. Es stehen noch mehr Banken auf dem Zettel der großen Chefin, die sie in Kürze erden will. Nun wird die Versicherungsgesellschaft ordentlich beneidet, denn ihr fällt ja ohne Anstrengung bei jedem Gau eine Menge Geld zu. Also wird man sie zur Strecke bringen oder die Absicherung der Einlagen jemand anderes „anvertrauen". Man darf gespannt sein.

Am vorigen Montag erreichte eine andere Umverteilungskampagne einen zwischenzeitlichen Höhepunkt. Der Präsident hatte zwei große Strukturen auf dem Medienmarkt liquidiert, um sie unter das Dach einer Holding zu überführen. Die Rede ist von RIA Novosti und Stimme Russlands. Nun sitzen gut zweieinhalb Tausend Mitarbeiter beider Medien wie auf Kohlen, hoffen, dass die Liquidierungskommission gnädig mit ihnen verfahren möge. Nicht das beste Ruhekissen für die Feiertage, oder?

Das Wetter trägt auch nicht gerade zur feiertäglichen Stimmung bei, Matsch, Schneeregen und unsägliche Pfützen überall. Obwohl es weder viel Schnee noch viel Eis gibt, schmeißen die zahlreichen Gastarbeiter aus den asiatischen Republiken chemische Stoffe ohne Ende auf Gehwege und Straßen. Die verwandeln dann die tauende Brühe in eine zähe schwarze Masse. Es ist wirklich eine Schande, dass dieses Zeug massenhaft und oft ohne Notwendigkeit verstreut wird. Es dringt ins Grundwasser ein, wir atmen es ein, vor allem die kleinen Kinder kriegen es ab, wenn sie im Sportwagen sitzen. Und natürlich leiden Schuhe, Bekleidung und Autos darunter. Am besten billige Igelittschlappen anziehen, um das gute Schuhwerk nicht zu verhunzen.

Die russischen Frauen allerdings ignorieren die Pfützen und Unebenheiten und schweben geradezu mit ihren Stiefeln mit Highheels durch den Modder. Obwohl man das jeden Tag bewundern kann, ist es immer wieder Klasse!

Den Höhepunkt bildet aber der alljährliche Angang um das Visum und die Arbeitserlaubnis. Es bleibt spannend bis zuletzt, denn ich weiß noch nicht,

zwis ob ich wie geplant und gebucht am kommenden Sonntag nach Hause fliegen kann. Die kleinen und mittleren Beamten bei der Migrationsbehörde spielen mit den Muskeln und lassen uns spüren, wie sehr wir von ihnen abhängen, um so mehr, weil es keine „Beschleunigungsgelder" gibt. Also machen sie Bummelstreik. Ich zittere also bis Freitag Nachmittag weiter. Langweilig wird es hier keinesfalls.

Die Staatsduma brütet angespannt über neuen Gesetzen und Gesetzesentwürfen, um das brave Wahlvolk mit nichtigen und absurden Gesetzen und Verordnungen zu erfreuen. Den Abgeordneten wurden die Diäten drastisch erhöht, nun wollen sie Einsatz und Dankbarkeit zeigen.

Ich zünde ein paar Kerzen an und laß die Räuchermännchen rauchen, was das Zeug hält. Da zieht ein bisschen Ruhe ein und ich kann mich dann wieder auf das Warten konzentrieren.

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