Nur Bares ist Wahres oder über Schwierigkeiten, wenn es ans Bezahlen geht

Foto: Alamy/Legion Media

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Für nahezu alles, was man hier anpacken oder bewältigen will oder muss, gilt nach wie vor die Devise „Einfach kann jeder!“ Das ist beim Einzahlen, Bezahlen und Überweisen keineswegs anders.

Miete für Wohnung und Garage per Lastschriftverfahren zu entrichten ist ein Traum und wird es bleiben. Die Wohnungsmiete geht in den meisten Fällen cash über den Tisch und in die Tasche des Vermieters. Nur wenn Firmen die Unterkünfte ihrer Expats bezahlen, muss es übers Konto gehen. Das muss dann aber auch gleich viel teurer werden, meinen die Vermieter. Outing kostet!

Die Garagenmiete zahle ich jeden Monat auf der Bank in bar ein. Natürlich werden da Gebühren fällig, von der Warterei in der Schlange ganz zu schweigen. Damit nicht genug, die Kopie des Einzahlungsbeleges muss ich noch zum Garagenwächter tragen. Offensichtlich genügt den Vermietern ein Blick auf ihre Konteneingänge nicht.

Für den Autokredit muss ich besondere Anstrengungen unternehmen. Die Partnerbank, die eine Filiale in meiner Nähe hat, zog den Schwanz ein und will mit meiner Autobank nichts mehr zu tun haben. Nun muss ich quer durch die ganze Stadt zu einer Bankfiliale, wo vier Einzahlungsautomaten stehen, von denen gleichzeitig maximal zwei funktionstüchtig sind. Das Procedere ist zermürbend.

Erstens nimmt der Automat nur eine begrenzte Summe an. Zweitens schluckt er die Banknoten aufreizend langsam und spuckt jede zweite wieder aus. Ist eine größere Summe zu berappen, darf sich der geplagte Kreditnehmer von neuem einloggen. Sollte ihm ein Fehler in der ellenlangen Zahlenkombination unterlaufen, geht alles von vorne los.

Es geht nur am Samstag ganz früh etwas schneller, weil da die Moskowiter sich von der Woche oder dem rauschenden Freitagabend erholen. Das hat natürlich etwas für sich. Freitag Abend entfällt zumindest einmal im Monat die Bierorgie, weil am frühen Morgen die Verkehrspolizisten auf Restalkohol regelrecht getrimmt sind. So hat das doch einen positiven Effekt und trägt zur gesunden Lebensweise bei.

In den Städten stehen weltweit Parkautomaten, die man ohne Fremdsprachenkenntnis verstehen und bedienen kann. Hier nicht! In Moskau schaffen es die wenigsten, die Parkautomaten zu bedienen. Das geht über das Handyguthaben, ist mit dem Eingeben verschiedener Codes verbunden und schreckt einfach ab. Wer das System geschnallt hat, spart Parkgebühren, denn es wird minutengenau abgerechnet und nicht per volle oder halbe Stunde. Bildung wird belohnt!

Ähnlich kompliziert ist es bei den Citybikes, die einladend überall herumstehen. Man braucht gute Augen, um das Kleingedruckte zu entziffern und Langmut und iPhone-Erfahrung, um solch ein Vehikel zu

bekommen. Das hat natürlich auch wieder sein Gutes. Wer nicht Rad fährt in der Fahrrad feindlichen Stadt lebt länger. Radwege gibt es ganz wenige, meist in Parks, wo eh keine Autos fahren, und auf den breiten Gehsteigen ist Radfahren eigentlich verboten. Erzürnte Fußgänger können auch gewissen gesundheitlichen Schaden anrichten.

Wechselgeld heißt die nächste Hürde. In Geschäften ist es immer knapp. Bei Ladenöffnung klemmt immer die Säge. Da gibt es zwei gängige Varianten. In kleineren Läden wird der Käufer auf die Piste geschickt, damit er sich Wechselgeld besorgt. Das ist nicht einfach, denn er wird oft mürrisch abgewiesen und muss recht lange umherlaufen, um zum Ziel zu kommen. In Einkaufszentren verschwinden die Verkaufsfeen selbst auf unbestimmte Zeit, um den größeren Schein klein zu häckseln. Während im ersten Fall die Beweglichkeit verbessert wird, prüft die Verkäuferinnenvariante die Nervenstärke des Käufers.

In Geschäften und Restaurants birgt das Bezahlen mit Kreditkarten oft

ungeahnte Gefahren. Entweder kriegt das vorsintflutliche Gerät keine Verbindung zur Bank oder es gibt innerbetriebliche, oft vorgeschobene Probleme. Business po russki heißt ja, jeder behumst jeden. Also sind die Besitzer nicht interessiert, ihre Einnahmen in voller Höhe zu deklarieren. Und was per Karte eingeht, ist sichtbar. Also schützt man immer etwas vor, um an Bares zu kommen.

Ein besonderes Highlight sind die Waagen in der Obst- und Gemüseabteilung der Supermärkte. Da muss man schon Computererfahrung haben. Menü öffnen, Gemüseart alphabetisch auswählen, Code eingeben und schon hat man seinen Apfel gewogen. Die Omis stehen verzweifelt davor und warten geduldig, bis ihnen jemand hilft. In kleineren Geschäften wiegen freundliche Gastarbeiter die Früchte und das Gemüse ab. Finger mit gewogen oder nicht? Das bleibt ihr Geheimnis.

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