Sotschi arbeitet!

Foto: flickr.com/sochi2014

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Jetzt ist es richtig stressig – die Freiwilligen der Olympischen Spiele in Sotschi haben viel zu tun; die Region ist ganz im Olympia-Fieber. In ihrer Freizeit sammeln die Freiwilligen Tickets zu allen möglichen Veranstaltungen.

Die Wettkämpfe sind gestartet und an manchen Austragungsorten wurden schon Medaillen vergeben.

Wenn sich das Stadion mit Zuschauern füllt, erkennt man es nicht wieder. Der Unterschied zu den Trainingstagen ist riesig: Die Luft ist förmlich elektrisiert von den Emotionen eines jeden Anwesenden. Lustige Hüte, ein monotones Dröhnen und Lärm, Beifall, Anfeuerungsrufe und Freude über gelungene Auftritte, doppelte Freude aber, wenn die russische Mannschaft gute Leistungen zeigt.

Auch wenn man gerade arbeitet, versucht man zumindest mit einem Seitenblick zu erhaschen, was an den anderen Sportstätten passiert. Diejenigen, die wegen der eigenen Arbeit andere Wettkämpfe nicht mitverfolgen können, werden regelmäßig informiert. Völlig fremde Menschen kommen dann zu dir und raunen dir die aktuellsten Nachrichten ins Ohr: „Bjørndalen! Gold!", „Lipnizkaja ist die Beste!" oder „Bjørgen ist wie immer!"

Die gesamte Freizeit wird abgestimmt mit dem Wettkampfplan. Viele haben Tickets für ihre Lieblingssportarten ergattert, andere klappern die gesamte Bekanntschaft ab, ob jemand vielleicht ein Ticket für die Lieblingsstrecke habe. Oft haben sie Erfolg dabei: Einer meiner Bekannten ist nach seiner Schicht in den Olympiapark gekommen und hat sich dort auf der Tribüne des Eiskunstlaufs wiedergefunden, weil er zufällig Freunde getroffen hatte, die wiederum zufällig dieses magische „übrige Ticket" hatten. Viele wollen mit Tickets zu den verschiedensten Sportarten ihren Misserfolg bei der Eröffnungszeremonie „kompensieren", bei der sie sinnlos vor dem Fisht-Stadion rumstanden in der Hoffnung, hineinzukommen.

Die Freiwilligendörfer arbeiten rund um die Uhr und das Leben bleibt dort nicht für eine einzige Minute stehen. Manchmal verliert man das Zeitgefühl völlig, weil man um vier Uhr früh aus dem Haus geht und Leute sieht, die

entweder gerade ebenfalls zu ihrer Schicht eilen, oder aber gerade nach Hause ins warme Bettchen unterwegs sind. Die Cafés, die im Freiwilligendorf rund um die Uhr geöffnet haben, verstärken dieses Gefühl noch. Am sechsten Arbeitstag bist du auch nicht mehr erstaunt, wenn ein Freund um drei Uhr nachts hereinplatzt und eine leidenschaftliche Rede darüber hält, wie sehr er doch die Ski-Servicekräfte liebe und was das für seltsame, aber entzückende Menschen seien. Er hatte die letzten zwei Tage damit verbracht, für das Service-Personal der Mannschaft, mit der er arbeitet, ein Hotel in der direkten Nähe des Biathlonkomplexes „Laura" zu finden. Sie bekamen ein Hotel, das weit von ihrem Einsatzort entfernt liegt. Bedauerlich, aber vorhersehbar: Es gibt keine freien Plätze in Sotschi mehr, und zwar in keinem der Hotels hier.

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