Endlich Gold!

Russische Eistänzer Elena Ilinych und Nikita Katsalapow. Foto: RIA-Novosti

Russische Eistänzer Elena Ilinych und Nikita Katsalapow. Foto: RIA-Novosti

Zwischen grölenden Fans und der geringen Aussicht auf Schlaf wird das Leben der Freiwilligen eher noch stressiger. Zugleich hat nun aber auch den Letzten das Olympia-Fieber gepackt.

Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, mit eigenen Augen zu sehen, wie olympisches Gold errungen wird. An einem solchen Tag herrscht eine Atmosphäre, die ganz anders ist als an den vorhergehenden Arbeitstagen. Es ist beinahe Dasselbe: Alle erfüllen ihre alltäglichen Aufgaben, alle haben die gleichen, gewöhnlichen Ziele vor sich. Aber es herrscht das Gefühl, dass heute der „Tag X“ ist, den wir in den letzten Jahren so zielstrebig angesteuert haben. Statt einem „Hallo“ grüßen die Mitarbeiter und Freiwilligen einander mit dem Satz „Heute ist ein großer Tag“. Und der Tag scheint wirklich großartig zu sein: Es gibt ein bisschen mehr Getümmel, ein wenig mehr Chaos, etwas mehr Begeisterung, die manchmal in einer geistigen Abwesenheit mündet. Heute haben mehrere Bekannte von mir immer wieder etwas verloren, vergessen oder verlegt. Aber heute darf das alles passieren – wegen eines gemeinsamen Ziels.

Mit der ersten Freude kommen auch die ersten Enttäuschungen. Natürlich können nicht alle gleichzeitig gewinnen und es gibt nur drei Medaillen zu vergeben. Unerfüllte Hoffnungen, Interviews mit Enttäuschten, besorgte Gesichter der Trainer, Tränen in den Augen der Journalisten – das alles ist genauso Alltag der Wettkämpfe wie Freudensprünge auf dem Podium.

 

Große Emotionen lassen den Stress vergessen

Es ist immer sehr interessant, Ausländer bei uns zu sehen, die gekommen sind, um ihren potenziellen Champion zu unterstützen. Es sind fröhliche, glückliche Menschen, die von Kopf bis Fuß mit Nationalfahnen und anderer Symbolik behangen sind. Sie sind bereit, mehrere Stunden lang bei eisig kaltem Wind draußen zu verharren, um mit weiteren, nach Sotschi angereisten Mitbürgern Anfeuerungsrufe für den eigenen Favoriten zu schreien und danach laut die eigene Nationalhymne zu singen. Dann fallen sie in die Arme von eben noch unbekannten Menschen, die einem jetzt wie die engsten Freunde vorkommen. Wenn man solche Emotionen sieht, weiß man, dass man nicht umsonst arbeitet. Man weiß aber auch, dass das Personal des Hotels, in dem diese Zuschauer untergebracht sind, eine schwere Nacht vor sich hat.

Bis spät in die Nacht hinein findet man mal hier, mal da Gruppen von Fans des einen oder anderen Landes, die über die Krasnaja Poljana oder am Ufer entlang laufen, Fahnen schwenken und Lieder grölen. Unter meinem Fenster schrien die Polen bis in den Morgengrauen hinein freudenvoll „Ka-mil-Stoch! Ka-mil-Stoch! Ka-mil-Stoch!“ zu Ehren des neugebackenen rot-weißen Champions im Skispringen.

Im McDonald’s-Restaurant im Hauptpressezentrum, das der beliebteste Ort in dem riesigen Gebäude ist, fließen die Menschenströme zusammen, um sich dann durch die Ausgangstüren hinaus allmählich in Richtung der Arbeitsplätze zu verteilen – mit einer Tasse Kaffee natürlich, oder manchmal auch mit zwei. Die großen Events und Ereignisse lassen immer den Schlaf und die Erholung vergessen, deshalb wundert es keinen mehr, wenn man um 3:30 Uhr in der Nacht einen Journalisten zu einem anderen sagen hört: „Bis morgen! Oder bis heute eigentlich. Oder, besser gesagt, bis in drei Stunden“ – danach ein tiefer Seufzer und der Journalist steigt aus dem Pressebus aus, in dem er seinen Notizblock vergisst.

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