Babuschka, Bliny, Zar – Russische Worte von Welt (Teil 2)

Bild: Nijas Karim

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Viele Wörter aus dem Russischen werden weltweit verwendet. Russland HEUTE-Autor Alexej Michejew stellt zehn weitere vor.

Nach Erscheinen meines Artikels „Zehn russische Worte von Welt" schickten mir die Leser viele weitere Beispiele von russischen Worten, die auf der ganzen Welt verwendet werden. Zehn davon stelle ich hier vor.

 

Babuschka

Die Babuschka ist das weibliche Oberhaupt einer aus drei Generationen bestehenden Familie und entspricht der deutschen Oma. Sie hütet vor allem die Enkelkinder. Ihr Erkennungszeichen ist ein kunstvoll gebundenes Kopftuch. Typisch für die russische Variante der Oma ist, dass sie gerne in einem gemütlichen Sessel sitzt und Socken strickt. Die Babuschka liebt es auch, auf einer Bank vor dem Haus zu sitzen. Dabei diskutiert sie mit Vorübergehenden über Probleme im Alltag und in der Welt.

Spätestens 2012 wurde die russische Babuschka weltweit bekannt. Sechs Sängerinnen, vier davon bereits über 70 Jahre alt, nahmen als „Buranowskije Babuschki" am Eurovision Song Contest teil. Sie gewannen den zweiten Platz und die Herzen der Europäer.

Balalaika

Die Balalaika ist ein typisch russisches Musikinstrument, das es seit dem 17. Jahrhundert gibt. Sie hat nur drei Saiten und einen dreieckigen Resonanzkörper aus Vollholz. In den Dörfern war sie das beliebteste Musikinstrument. Heute wird sie meist nur noch als Souvenir verkauft.

Die Balalaika wurde im 20. Jahrhundert von der Gitarre verdrängt. In Russland wird Gitarrenmusik vor allem mit den Bard-Liedern verbunden. Die von den Musikern selbstgeschriebenen Lieder hatten häufig einen politischen Inhalt. Vertreter des offiziell nicht anerkannten Genres waren Musikikonen wie Bulat Okudschawa, Aleksandr Galitsch und Wladimir Wyssozki, deren Hits sich dank selbst erstellter Tonbandaufnahmen millionenfach verbreiteten.

Bliny

Bliny, dünne Teigfladen, die in Fett gebacken werden, sind eine sehr alte Nationalspeise. Schon in vorchristlicher Zeit sollen sie ein Symbol für die Sonne gewesen sein. Daher werden sie auch heute noch gerne in der

Butterwoche gegessen, in der das Ende des Winters gefeiert wird. Auch bei Beerdigungen werden sie häufig serviert.

Die russische Köstlichkeit findet in so manchem Sprichwort Verwendung: So sagt man beispielsweise „Petsch kak blini" – „Backen wie Bliny", wenn etwas schnell und in einer großen Anzahl hergestellt wird, denn Bliny sind schnell zubereitet. Ein weiteres Sprichwort lautet „Perwij blin komom" – „Der erste Blin ist ein Klumpen" und bezeichnet den unglücklichen Beginn einer Sache, denn der erste Blin misslingt häufig.

Folgt man russischen Gesprächen mit etwas mehr Aufmerksamkeit, wird man auch hier bald das Wort „blin" hören. In diesem Falle wird damit ein Schimpfwort umschrieben.

Bolschewik

„Bolschewik" bezeichnet einen Kommunisten. Der Begriff soll auf einer Parteisitzung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands entstanden sein, als die Anhänger Lenins bei wichtigen Abstimmungen die Mehrheit erhielten – „Mehrheit" heißt auf Russisch „bolschinstwo". Auch in der Bevölkerung hatten die Bolschewiken die größere Unterstützung. Ein Grund dafür könnte sein, dass „mehr" in Russland stets mit „besser" verbunden wird...

Borschtsch

Diese Suppe ist eine der beliebtesten Vorspeisen in Russland und in russischen Restaurants weltweit. Allerdings stammt die Suppe ursprünglich aus der Küche der Ukraine. Wichtigste Zutat ist Rote Bete, die ihr den typischen Geschmack und die bordeauxrote Farbe verleiht. Borschtsch wird traditionell mit Smetana, saurer Sahne, gegessen. Auch Knoblauch oder Pampuschki, ein Hefeteiggebäck, werden dazu gerne serviert. Das russische Pendant zu Borschtsch ist die Suppe Schtschi, deren Hauptzutat Kraut ist.

Gulag

In den in den 1930er-Jahren erschaffenen „Glawnoe uprawlenie lagerej" (kurz „Gulag"), der „Hauptverwaltung der Besserungsarbeitslager", wurden Strafgefangene und politische Häftlinge eingesperrt und zu schwerer Arbeit gezwungen.

Durch Aleksandr Solschenizyns Werk „Der Archipel Gulag" wurde dieser Begriff zum Symbol für das repressive Regime der Sowjetunion. Damals wurden Menschen oftmals unter einem Vorwand verhaftet und zu langen Haftstrafen bis zu 25 Jahren verurteilt. Bekamen die Angehörigen die Mitteilung, der Verhaftete sei zu „zehn Jahren Haft ohne das Recht auf Briefverkehr" verurteilt worden, bedeutete das, dass diese Person hingerichtet worden war.

Isba

Eine Isba ist ein hölzernes russisches Bauernhaus, das aus Baumstämmen ganz ohne Nägel zusammengebaut wird. Die Einrichtung ist einfach. Gleich

neben dem Eingang steht ein Ofen, in der Ecke schräg gegenüber entdeckt man meist ein Wandregal voller Ikonen. Darunter stehen ein Tisch und eine Bank.

Die Bescheidenheit der Isba spiegelt sich auch in einigen Sprichwörtern wider: „Schön ist eine Isba nicht in ihren Ecken, sondern in ihren Kuchen." Zudem hat auch das Sprichwort „Den Kehricht aus der Isba tragen" bis heute nicht an Aktualität verloren, bedeutet es doch „über interne Streitereien und Skandale öffentlich zu sprechen".

Im 20. Jahrhundert war die Isba ein Symbol für Rückständigkeit. Heute werden viele Restaurants, Cafés und Bars wieder in diesem Stil eingerichtet und locken viele Kunden mit ihrem rustikalen Ambiente an.

Nomenklatura

Zur Nomenklatura zählten in der UdSSR ranghohe Beamte, welche die privilegierte Führungsschicht im Staat bildeten. Um ein Mitglied der Nomenklatura werden zu können, musste man aus „gutem" Hause sein, also aus einer Arbeiter- oder Bauernfamilie stammen, Karriere im kommunistischen Jugendverband Komsomol machen und der Kommunistischen Partei beitreten. Dann hatte man es geschafft: Einmal Mitglied – immer Mitglied.

Samowar

Ein Samowar ist ein metallener Wasserkessel, der mit Kohle oder Zapfen von innen beheizt wird. Obwohl der Samowar als typisch russisch gilt,

stammt er ursprünglich aus Westeuropa und wurde erst im 18. Jahrhundert nach Russland gebracht. Früher war der Samowar ein fester Bestandteil der Tischkultur. Heute werden meist elektrische Teekocher verwendet. Der Samowar ist nun mehr ein Souvenir.

Die meisten Samoware werden in der Stadt Tula hergestellt. Das russische Sprichwort „Mit dem eigenen Samowar nach Tula fahren" entspricht daher dem deutschen „Eulen nach Athen tragen".

Zar

Dieser russische Herrschertitel ist eine Kurzform des lateinischen Titels „Caesar", „Kaiser". Erstmals wurde der Titel Zar von Iwan dem Schrecklichen im Jahre 1547 verwendet. Von 1613 bis 1917 regierte in Russland die Romanow-Dynastie. Der erste Zar aus dem Geschlecht der Romanows war Michail Fedorowitsch. Der formal letzte Zar Russlands war nicht, wie oft angenommen wird, Nikolaus II, sondern dessen jüngerer Bruder, der ebenfalls Michail hieß.

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