Leben inmitten von Sportstars

Foto: RIA-Novosti

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Inmitten der besten Wintersportler aus aller Herren Länder, lebt man während der Olympischen Spiele in einem Mikrokosmos, an den sich so mancher Freiwillige erst einmal gewöhnen muss.

Eine der spannendsten Seiten unserer Arbeit bei den Olympischen
Spielen ist der ständige Kontakt zu einigen der größten Sportstars.
Nach einer bestimmten Zeit beginnt man, das recht gelassen zu nehmen.
Das liegt einfach daran, dass man nach getaner Arbeit, so müde und
erschöpft man ist, keine Kraft mehr für heftige Emotionen hat, selbst
dann nicht, wenn einem plötzlich der französische
Biathlon-Olympiasieger Martin Fourcade, der amerikanische
Snowboard-Superstar Shaun White oder vielleicht der österreichische
alpine Skifahrer Marcel Hirscher gegenüberstehen.  Wenn man diesen
Stars in ganz alltäglichen Situationen begegnet, verflüchtigt sich
bald jeder Anflug von Glamour. Übrig bleiben ganz gewöhnliche
Menschen.

Dennoch, nicht allen Freiwilligen gelingt es, ihre Emotionen im Zaum
zu halten. Obwohl es strengstens verboten ist, die Sportler während
der Wettkämpfe anzusprechen oder gar um Autogramme oder gemeinsame
Fotos zu bitten, hört man immer wieder Freudenausbrüche  wie „Schaut
mal, das bin ich mit Owetschkin vor dem ‚Schaiba‘-Stadion“ oder
ähnliche „Erfolgsmeldungen“. Insbesondere bei beliebten Sportarten,
bei denen die Stars von Scharen enthusiastischer Fans, unter denen
auch Freiwillige sind,  regelrecht umlagert werden, kommt es zuweilen
zu echten Konflikten. Für die Freiwilligen kann das zu harten Strafen,
bis hin zur vorzeitigen Abreise, führen.

Eine Bekannte aus dem Ski- und Biathlonzentrum „Laura“ erzählte
kürzlich eine sehr interessante Geschichte, wie sie mit zwei weiteren
Freiwilligen und einer Sportlerin im Skilift fuhr. Letztere war die
ganze Zeit mit ihrem Telefon beschäftigt und verhielt sich sehr
unauffällig. Die Mädchen begannen laut und emotional zu erzählen, dass
sie, obwohl sie so nah dran seien, immer noch keine Fotos mit den
Sportlern und keine Autogramme hätten. Eine von ihnen beklagte dann,
dass man die Sportler so schwer erkenne. In diesem Moment musste sich
meine Bekannte auf die Lippen beißen, um nicht lauthals loszulachen
und die Sportlerin mit dem Telefon hatte ein breites Grinsen im
Gesicht. Die Mädchen sollten niemals erfahren, dass sie in einer
Kabine mit der berühmten polnischen Skilangläuferin und
Sotschi-Olympiasiegerin Justyna Kowalczyk fuhren, die übrigens ganz
gut russisch versteht.

Viel ruhiger geht es bei den weniger beliebten Sportarten zu. Die
glücklichen neugebackenen Medaillenträger, die eine so intensive
Aufmerksamkeit nicht gewohnt sind, können großzügig mit gemeinsamen
Fotos und Autogrammen sein, was allgemeine Freude auslöst. Die
Presseleute der Nationalmannschaften versuchen, dem entgegenzuwirken,
werden aber oft milde und erlauben einen informellen Umgang mit ihren
Schützlingen. Es gibt aber auch lustige Szenen: Schon mehrmals sind
Kollegen zu mir gekommen, zeigten Fotos auf ihren Handys und meinten
beschämt „Ich hab da jemanden fotografiert. Wer war das eigentlich?“.

Natürlich kommt es hier nicht ohne verliebte Mädchen aus. Denn, wenn
um dich herum so viele toll aussehende Männer aus aller Herren Länder
sind, kann es schon Mal schwer werden, sich zurückzuhalten. Deshalb
kann man gelegentlich auf eine simple Frage, wie zum Beispiel „Warum
hast du die Schilder für die Pressekonferenz nicht mitgebracht?“ als
Antwort etwas in der Art hören, wie „Gerade als ich sie holen wollte,
lief ER mir über den Weg. Ich sah ihn nur an und vergaß um mich herum
alles“.

Glücklicherweise schaffen es die meisten gegen Mitte der Spiele, ihre
Emotionen zu beherrschen und mit Begeisterung gute Arbeit zu leisten,
anstatt verliebte Seufzer in Richtung des Objekts der eigenen Begierde
abzugeben.