Sotschi: Erste Bilanz

Foto: Michail Mordassow

Foto: Michail Mordassow

Bei den Olympischen Spielen stehen die beiden letzten Wettkampftage an. Zeit für eine erste Bilanz. Nina Orlowa erzählt, was den freiwilligen Helfern besonders in Erinnerung bleiben wird.

Schon bald wird Olympia in Sotschi zu Ende sein. Die beiden letzten Wettkampftage stehen an.

Die Sieger der schon abgeschlossenen Wettbewerbe haben ihre Medaillen auf dem „Medaillenplatz" im Zentrum des Olympischen Dorfs empfangen. Manche Sportler hatten dabei Glück mit dem Wetter, andere erhielten ihre Medaillen im strömenden Regen vor einem durchnässten und frierenden Publikum, das dann auch nicht so begeistert wirkte wie sonst.

Die Sportler haben ihre Erfolge weniger auf den offiziellen Partys in ihren Häusern gefeiert als vielmehr im einzigen Nachtklub von Krasnaja Poljana. Dabei soll es oft hoch hergegangen sein. Manch ein Beobachter wird seinen Freunden davon erzählen können: „Stell dir vor, wen sie gestern aus dem Club werfen wollten, weil er beinahe eine Prügelei zwischen den Betrunkenen angezettelt hätte..."

Kurz vor Schluss wird es für uns freiwillige Helfer Zeit, Bilanz zu ziehen. Fünf Dinge charakterisieren am besten die Zeit hier in Sotschi – ohne sie wäre die Zeit hier kaum vorstellbar gewesen.

 

Bliny

Bei der überwiegenden Mehrheit der freiwilligen Helfer werden die russischen Eierpfannkuchen eher ungute Erinnerungen wachrufen. In den letzten Wochen waren tiefgekühlte Bliny von eher zweifelhafter Herkunft nämlich das tägliche Frühstück in drei von fünf unserer Dörfer. Immerhin garantierten diese Bliny Stabilität. Denn an den wenigen Tagen, an denen es etwas anderes zum Frühstück gab, lief alles schief. Zum Glück waren das aber nur zwei Tage.

Gardinenstangen

Gardinenstangen auf den Zimmern galten in diesen Wochen als Luxus. Damit wurde fast noch mehr geprahlt als damit, dass man seinen Lieblingssportler getroffen habe. In meinem Zimmer gab es übrigens keine.

Fernseher

Einen freien Fernseher zu erobern, um die Wettbewerbe anschauen zu können, die einen wirklich interessierten, war eine der größten Herausforderungen. Dabei galt: Je besser die Chancen der russischen Teilnehmer auf Medaillen, desto schlechter die Chancen, dass man den Kampf darum, welcher Sender eingeschaltet wird, gewinnen konnte. Daher ging die Wahrscheinlichkeit, Nordische Kombination anzuschauen, gegen Null, wenn gleichzeitig Eishockey lief – bis zum Viertelfinale jedenfalls.

Offizielles Outfit

Je länger die Spiele dauerten, desto mehr Freiwillige kamen in Alltagskleidung. So mancher verlor Handschuhe oder Mütze. Andere, darunter ich, versuchten erfolglos, die vom Regen nasse Doppeljacke auf den schlecht funktionierenden Heizkörpern zu trocknen. In einem der Dörfer für die freiwilligen Helfer soll sich sogar ein Dieb herumgeschlichen und dabei unsere offizielle Kleidung getragen haben.

Sicherheitsgefühl

Wir freiwilligen Helfer hatten den Eindruck, dass die Sicherheit der Spiele

perfekt organisiert war. Zwar war die große Zahl an Sicherheitskräften manchmal etwas unheimlich, doch das vermittelte zugleich ein gutes Gefühl. Denn wir wussten, dass wir zu jeder Zeit sicher nach Hause kommen würden. Manchmal waren es auch Kleinigkeiten, die das Gefühl von Sicherheit gaben. Vergaß man zum Beispiel sein Handy im Bus, bekam man es spätestens nach zwei Stunden zurück.

Das alles wird in guter Erinnerung bleiben. Ja, sogar die Bliny zum Frühstück... Jetzt haben wir noch zwei Tage, um die tolle Atmosphäre der Olympischen Spiele in Sotschi zu genießen.

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