Kampf um die Ukraine: And the winner is...

Foto: RIA Novosti

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Der Ulenspiegel diskutiert über die Szenarien zum Ausgang des Krim-Konfliktes.

Wer schon einmal in Korea war, hat es vielleicht beobachtet: die stolzen Bewohner dieses Landes prügeln sich bisweilen darum, wer die Rechnung für einen feuchtfröhlichen Abend begleichen darf. Da fliegt ein Zahlungswilliger schon mal hochkant auf die Straße, und bis er sich wieder aufgerappelt hat, ist sein Kontrahent schon dabei, freudestrahlend den Kreditkartenbeleg zu unterzeichnen. Ähnlich verhalten sich derzeit Russland und die EU. Die aktuelle Krise begann als ein Streit um die Frage, wer die Schulden der unabhängigen Ukraine übernimmt. Ein Streit, in dem der Sieger schon feststeht – das ukrainische Volk ist es jedenfalls nicht.

Viele Szenarien über den Ausgang des Konfliktes kursieren derzeit in den Medien. Eines haben sie alle gemeinsam: Russland hat am wenigsten zu verlieren und am meisten zu gewinnen. Egal ob am Ende eine Spaltung der Ukraine steht, ob die Krim zu Russland kommt oder „nur" einen Sonderstatus innerhalb der Ukraine erhält. Putin hat in jedem Fall etwas für sein Land herausgeholt und gezeigt, dass ihn die Drohungen des Westens

nicht schrecken. Nur wenn sich gar nichts am Status der Krim ändern sollte, hätte der russische Präsident zu Hause ein Problem. Das erwartungsvolle Volk würde ihm eine solche Niederlage wohl kaum verzeihen. Dass es dazu kommt, ist eher unwahrscheinlich. Darum dürfte auch der Westen in jedem Falle politisch beschädigt aus dieser Krise hervorgehen. Jeder noch so kleine Erfolg Russlands, der gegen die Empörungsrituale der „Weltgemeinschaft" errungen wird, zeigt, dass diese Beschwörungen niemanden mehr beeindrucken.

Wirtschaftliche Sanktionen werden dem Westen mehr schaden als Russland, der EU mehr als den USA und Deutschland mehr als den meisten anderen EU-Ländern. Darum sind auch die Medien und die Politiker in Deutschland deutlich zurückhaltender als gewöhnlich. Gas aus Russland und Exporte in dieses Land sind nichts, auf das man um der Ambitionen einer Julia Timoschenko willen gerne verzichtet. Wer will Opfer für die territoriale Integrität eines Staates bringen, dem einen Laune der Geschichte territoriale Gewinne auf Kosten aller Nachbarn bescherte?

Sollte Russland tatsächlich Einfluss auf den gesamten Osten der Ukraine erhalten, selbst dann wären die Kosten für Russland überschaubar. Der Osten ist industriell entwickelt und bereits heute eng mit der russischen Wirtschaft verbunden. Für Europa bliebe der landwirtschaftlich geprägte Westen und die Schulden des gesamten Staates. Und falls ausschließlich die Krim den Besitzer wechseln sollte, wird doch der russisch geprägte Osten stets ein Gegengewicht zum ukrainischen Westen bleiben, mit dem jede Kiewer Regierung rechnen muss.

Und die Ukrainer? Diejenigen, die von Russland unabhängig bleiben wollen? Auf dem Maidan waren ja nicht nur Nationalisten unterwegs,

sondern auch ganz normale junge Leute, die sich einen modernen Staat ohne Korruption und politische Intrigenspiele wünschen. Die werden genau so enttäuscht sein wie ihre Gesinnungsgenossen auf anderen Plätzen dieser Welt, heißen sie nun Tahrir oder Taksim. Letztlich gewinnen nicht sie, sondern diejenigen, die sie benutzten, als sympathische Aushängeschilder für westliche Medien.

Hat es sich aus europäischer Sicht also gelohnt, einen koreanischen Streit mit Russland zu führen um die Frage, wer die ukrainische Zeche zahlen darf? Geld geben müssen wir am Ende so oder so und verlieren doch unser Gesicht.