Gedanken übers Reisen

Foto: ITAR-TASS

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Reisen zwischen Russland und Deutschland kann anstrengend und sehr aufregend sein, meint unsere Bloggerin Adele.

Manche sitzen zu Hause das ganze Jahr über und machen dann abenteuerliche Urlaubsreisen, andere kommen gar nicht weit raus und wieder andere sind andauernd unterwegs, jeder nach seiner Facon, wie der alte Fritz weise bemerkte. Ich gehöre ganz sicher zur Gruppe der Vielreiser denn ich bin zwischen Russland und Deutschland nun schon zwanzig Jahre unterwegs und noch dazu pausenlos im großen Lande. Das ist anstrengend und sehr aufregend.

Reisen hier und da, ständig prasseln neue Eindrücke auf mich ein. Angenehm, wie sich die Flugplätze in Russland verändern, aus vielen vermufften und rückständigen Flughäfen sind moderne und vor allem gut funktionierende geworden. In Wladiwostok und Mineralnye Vody, das liegt im Kaukasus, ist ein besonders guter Wurf gelungen.

Das brodelnde und sich ständig vergrößernde Moskau hat natürlich auch die Flughäfen und einige Bahnhöfe erneuert. In Moskau gibt es neun Bahnhöfe und drei Großflughäfen. Verständlich, dass über die Geburtswehen des Berliner Großflughafens hier nur müde gelächelt wird.

Die drei Moskauer Flughäfen Scheremetjewo, Domodedowo und Wnukowo sind in kurzer Zeit entstanden, der Umbau fand und findet noch bei laufendem Betrieb statt. Sie sind zu jeder Tages- und Nachtzeit stark frequentiert. Sehr viele Flüge nach Fernost starten abends, so dass man dann früh vor Ort und ist und wenn man eng geplant hat, auch gleich arbeiten muss. Das Auge voll Schlaf im Flieger reicht nicht sehr weit.

Die dicken fetten Dauerstaus verlangen Opfer von den Fluggästen. Sie sind manchmal länger auf Moskaus Straßen unterwegs als in der Luft. Dazu kommt noch der Adrenalinausstoß, weil man ja nie genau weiß, ob man rechtzeitig am Airport ankommt. Mit dem Einführen der Airportexpresszüge, die von drei Moskauer Bahnhöfen zu den Flughäfen starten und sich in unmittelbarer Nähe von Metrostationen befinden, damit wirklich jeder problemlos dahin gelangen kann, entspannte sich die Situation merklich.

Ich muss nicht mehr viele Stunden vorher das Haus verlassen, wenn ich wegfliegen will, sonder komme genau nach Fahrplan an. Stündlich oder halbstündlich bringen die roten S-Bahnen innerhalb von sensationellen dreißig bis vierzig Minuten, das hängt von der Entfernung des Airports vom Stadtzentrum ab, die Fahrgäste zu ihren Fliegern. Das ist wirklich genial,

wir haben zum Teil schon vergessen, wie wir in den 90ern schwitzend und genervt auf dem Autobahnring, der sich gerade im Bau befand, standen. Besonders in den heißen Sommern, als Klimaanlagen noch nicht in jedem fahrbaren Küchenstuhl eingebaut waren, konnte einem schon das Reise-Make-up verrutschen. Fenster zu öffnen war auch nicht die Lösung, denn die Baumaschinen und auch die vielen Lastwagen stießen schwarze Dieselwolken aus, wenn die Fahrer aufs Gaspedal traten.

Wenn man in Moskau landet, egal, auf welchem Flughafen, stürmen sofort die Droschkenkutscher aufdringlich auf die Fahrgäste ein. Da ihnen aber noch ihr schlechter Ruf aus den 90ern anhaftet und der Airportexpress fährt, gehen sie oft leer aus. Die Kunden wollen Sicherheit statt Nervenkitzel und bestellen dann lieber, wenn sie mit dem Taxi fahren wollen, am Counter den Wagen, können mit Kreditkarte bezahlen und kommen so gut und zu einem verträglichen Preis an.

Die in langen Schlangen vor den Airports wartenden Taxifahrer in Deutschland bekommen weitaus weniger Fahrgäste ab. Sie sind einfach zu viele.

Hier wird das Fehlen von Taxis - obwohl in letzter Zeit sehr viele neue Taxibetriebe landesweit auf dem Markt stoßen, besteht noch Bedarf - durch Schwarztaxifahrer ausgeglichen. Sie waren bis vor kurzem die unumschränkten Herrscher auf dem Markt, nehmen aber mit zunehmender „Zivilisierung" des Marktes rasch ab.

Trotz hoher Inlandsflugpreise sind unheimlich viele Menschen unterwegs, mit abenteuerlichem Gepäck. Damit die bis zum Bersten gefüllten Kartons,

Koffer und Rucksäcke nicht auseinander brechen, werden sie mit Folie umwickelt. Es soll auch vor Langfingern schützen. Übernimmt das eine Maschine, hält es richtig lange. Für diese Dienstleistung steigen allerdings die Preise ebenso wie für alles andere, deshalb hilft man sich eben oft selbst, damit sich der Koffer über die Zeit nicht vergoldet.

Im Moment sitzen wir gerade mal wieder auf einem Pulverfass, auf dem größten und gefährlichstem seit langem. Alle Reisetanten und Reiseonkels, Dienstreisende und aus der Welt aussteigen wollende Onewayticketbesitzer können nur hoffen, dass das waffenstarrende Muskelspiel aufhört und wir wieder in aller Ruhe die Welt begucken können. Darauf musste man hierzulande viele lange Jahre warten, sehnsüchtig durch den eisernen Vorhang lugend.