ESC: Am Samstag sind wir alle Russen!

Die Tolmatschow-Schwestern während der Probe beim ESC-Semifinale. Foto: RIA Novosti

Die Tolmatschow-Schwestern während der Probe beim ESC-Semifinale. Foto: RIA Novosti

Die Menschen haben die Schnauze voll von Russland-Bashing, meint der Ulenspiegel.

Ulenspiegel ist kein Fan des Schnulzen-Wettbewerbs ESC. Die regelmäßigen Leser dieser Kolumne wird das nicht verwundern. Die Veranstaltung gehört jedoch leider zuden Ereignissen, an denen man nicht vorbeikommt, ob man will oder nicht. Obwohl künstlerisch dabei absolut nichts herauskommt. Wieder werden viele langweilige Schnulzen ins Rennen geschickt, die sich kaum voneinander unterscheiden.

Nicht überraschend auch, dass auf dieser Bühne Stimmung gegen Russland gemacht wird. Das kennen wir schon von den olympischen Spielen in Sotschi. Veranstaltungen,die zunächst einmal nichts mit Politik zu tun haben, werden von Vertretern der herrschenden Meinung flugs zum Pranger umfunktioniert. Egal, was vor Ort wirklich passiert, die Medien haben immer etwas zu meckern. Nun möchte ich an dieser Stelle nicht die musikalischen Qualitäten des russischen Beitrags verteidigen. Was die Tolmatschow-Zwillinge abgeliefert haben, ist ESC-Durchschnittsware, nicht schlechter und nicht besser als der weichgespülte Rest. Wenn die 17-jährigen Mädchen im Halbfinale ausgebuht wurden, dann nicht wegen ihrer Darbietung auf der Bühne. Sie repräsentieren das Reich des Bösen, also müssen sie bestraft werden. Man braucht kein Prophet zu sein, um vorauszusagen, dass auch im Finale viel von Krieg, Aggression und Putin die Rede sein wird.

Zurück nach Sotschi. Schon bei der Olympiade hatte das Genöle der Medien nicht die erwünschte Wirkung. Verzweifelt versuchten die Reporter, den deutschen Athleten Kritik am Gastgeber zu entlocken. Ohne Erfolg. Die Organisation war gut, das Personal freundlich, die Unterkünfte in Ordnung. Aber war nicht die Eröffnungsfeier peinlich und pathetisch? Nein, wieso? Ganz toll. Und der Ring der nicht aufging? Na und?

Die Zuschauer waren genauso genervt wie die Sportler, denn irgendwann merkten auchschlichte Gemüter, wenn ständig einseitig Stimmung gemacht wird. Insofern war Sotschi die Generalprobe für das, was wir heute erleben. Stell dir vor, es ist Propagandakrieg, und keiner geht hin. Die Menschen haben die Schnauze voll von Russland-Bashing.

Kopenhagen ist nicht Sotschi. Russland ist nicht Gastgeber, sondern nur Teilnehmer und zwei junge Mädchen müssen den gesamten Hass der westlichen Bessermenschen aushalten. Um diese Rolle beneide ich sie nicht, aber das Show-Business ist eben nichts für Weicheier. Ein kleiner Trost für die beiden mag der Umstand sein, dass die Krim von den ESC-Veranstaltern als ukrainisches Territorium gewertet wird. Da die Zuschauer

nicht per Telefon für ihr eigenes Land stimmen dürfen, können die Krim-Bewohner als ESC-Ukrainer also problemlos Russland unterstützen. Ich vermute, sie werden von dieser Möglichkeit Gebrauch machen.

Russland gehört ja zu den Ländern, die den angestaubten Wettbewerb aus unerfindlichen Gründen ernst nehmen. Dann honorieren wir das doch! Russland beim ESC unterstützen? Wenn dieser Wettbewerb schon politisiert werden soll, dann bitte. Warum sollten nicht wir alle, die wir keine Lust mehr haben auf die Dämonisierung Russlands, für die Tolmatschows stimmen? Egal, ob ihr Lied gut ist oder nicht. Der Rest ist ja auch nicht anders. Also, liebe Leserinnen und Leser – machen Sie mit! Verbreiten Sie diese Idee weiter und stimmen sie am 10. Mai für Russland. Den Bessermenschen zum Trotz.

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland